1984 - Die Gold-Tage des Albatros


2,11 Meter Spannweite brachten Groß den Spitznamen "Albatros" ein. - Foto: imago
2,11 Meter Spannweite brachten Groß den Spitznamen "Albatros" ein. - Foto: imago

Anfang der 80er Jahre ist Michael Groß der Shootingstar der Schwimmszene. Schon als 16-Jähriger qualifiziert er sich eigentlich für die Olympischen Spiele in Moskau 1980. Doch durch den Boykott einiger West-Staaten kommt Groß nicht zum Einsatz. Während der Schwede Pär Arvidsson in Moskau über 100 Meter Schmetterling in 54,92 Sekunden Olympiasieger wird, schwimmt Groß bei einem Meeting in Toronto zur gleichen Zeit 54,69 Sekunden.

Aber der große Durchbruch ist nur verschoben. Bei den Weltmeisterschaften 1982 im ekuadorianischen Guayakil holt sich Groß die WM-Titel über 200 Meter Freistil und 200 Meter Schmetterling. Mit diesen beiden Titeln und seit 1983 auch als Weltrekordhalter über die beiden Distanzen im Gepäck reist Michael Groß im Juli 1984 als Favorit zu den dieses Mal von 19 Ost-Staaten boykottierten Olympischen Spielen in Los Angeles.

Dominanz über 200 Meter Freistil

Er selbst bleibt gelassen. "Ich bin überhaupt froh, dass ich hier bin. Alles andere lasse ich auf mich zukommen. Startsprung und dann so schnell wie möglich ins Ziel", sagt er noch, als er mit dem Kader des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) zur Vorbereitung im Sportklub Los Caballeros in L.A. trainiert. Doch trotz der Gelassenheit steht der sportliche Erfolg im Mittelpunkt. Als bei der Eröffnungsfeier im Memorial Coliseum der Raketenmann in die Luft steigt, ist Groß im Schwimmstadion und trainiert.
 
Die Olympische Flamme brennt gerade erst ein paar Stunden, da schlägt der 2,01-Meter-Mann aus Deutschland dann auch schon das erste Mal zu. Über die 200 Meter Freistil dominiert Groß das Finale, verbessert seinen eigenen Weltrekord um 0,11 Sekunden auf 1:47, 44 Minuten und holt mit gerade einmal 20 Jahren die erste olympische Goldmedaille seiner Karriere. Die Konkurrenz hat keine Chance. Der Amerikaner Michael Heath auf Platz zwei hat schon über eineinhalb Sekunden Rückstand auf den Deutschen. (mehr zum 200-Meter-Freistil-Finale)

In L.A. holte Groß zwei Mal Gold. - Foto: Autogrammkarte
In L.A. holte Groß zwei Mal Gold. - Foto: Autogrammkarte

Morales als großer Gegner

Doch der Olympiasieger will sich nicht großartig feiern lassen. Zur Pressekonferenz nach der Siegerehrung erscheint Groß nicht, gibt gerade  mal ein Fernsehinterview und gewährt den Journalisten ein paar Minuten am Zaun des Olympischen Dorfes. Seine Konzentration gilt den Wettkämpfen. Schließlich hat er noch vier weitere Starts vor sich, den nächsten schon am Folgetag.

Der 30. Juli 1984 ist wieder ein heißer Sommertag in L.A. Die Bedingungen im nicht überdachten olympischen Schwimmstadion sind bestens - wenn auch vielleicht ein bisschen heiß, weil die Finals am Nachmittag stattfinden. Über 100 Meter Schmetterling ist Groß nicht unbedingt der Top-Favorit auf die Goldmedaille. Der Amerikaner Pablo Morales hatte erst fünf Wochen vor den Olympischen Spielen in 53,38 Sekunden einen neuen Weltrekord aufgestellt. Doch Groß setzt sich ohnehin nicht unnötig unter Druck. Seine Devise lautet: "Ich habe ja nichts zu verlieren. Ich werde versuchen, mein Bestes zu geben, und wenn jemand besser ist als ich, dann ist er eben besser. Gewinnen ist nicht so wichtig.“

Locker im Aufenthaltszelt

Nach dem Gewinn der ersten Goldmedaille geht der "Albatros“, wie ihn die US-Presse aufgrund seiner ungeheuren Spannweite von 2,11 Metern taufte, locker in den Endlauf. Im Aufenthaltszelt der Endlaufteilnehmer fragt er Morales, ob er nach dem Rennen mit ihm sein Olympia-T-Shirt tausche. Morales ist verwirrt. Ein Pyscho-Trick? (Anekdote - Groß' Sicht auf Olympia) Aber Groß ist einfach gut drauf. Beim Verlassen des Zelts wünscht er jedem Teilnehmer des Endlaufs "Good luck" für das Rennen.

Auch als sich der Start um ein paar Minuten verzögert, weil der amerikanische Fernsehsender ABC einen Werbeblock noch nicht zu Ende gesendet hat, lässt sich der Deutsche nicht aus der Ruhe bringen. Als der Startsignal kommt, ist Groß aber voll da und kommt perfekt vom Block. Schon nach den ersten Zügen liegt er vorn. Schnell wird klar, dass ihm an diesem Tag höchstens Morales Paroli bieten kann. Doch auf den letzten Metern wird deutlich: Auch heute ist der "Albatros“ eine Nummer zu groß für die Konkurrenz. Nach dem Anschlag, nimmt Groß die Schwimmbrille ab, schaut zur Anzeigetafel und reißt dann die Arme hoch.

Autogramm für Prinz Albert

Wieder hat er Gold geholt, wieder mit Weltrekord (alle Weltrekordrennen). 53,08 Sekunden zeigen die digitalen Zahlen für die 100 Meter Schmetterling an. Schon nach 48 Stunden Olympia ist klar, dass Groß einer der Stars der Spiele von L.A. wird. Im olympischen Dorf bittet ihn Prinz Albert von Monaco um ein Autogramm und selbst für die bei den Olympischen Spielen im eigenen Land extrem patriotisierten Amerikaner ist der "Albatros" einer der großen Athleten.

Mit der deutschen 4x200-Meter-Freistilstaffel und über seine Parade-Disziplin 200 Meter Schmetterling muss sich Groß nur knapp geschlagen geben und kehrt dekoriert mit zwei Gold und zwei Silbermedaillen als erfolgreichster deutscher Athlet von den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles nach Deutschland zurück. Im gleichen Jahr wird Michael Groß zum zweiten Mal nach 1982 zum "Sportler des Jahres“ gewählt. (db)


Zahlen und Fakten

Tag:

30. Juli 1984

Ort:

Olympisches Schwimmbecken,
Los Angeles (USA)

Sportart:

Schwimmen

Anlass:

Finale, 100 Meter Schmeterling, Männer

Ergebnis:

1. Michael Groß (GER) 53,08 Sek. (WR)
2. Pablo Morales (USA) 53,23 Sek.
3. Glen Buchanan (AUS) 53,85 Sek.

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