1986 - Enormer Druck für Boris


Gegner und Pokal fest im Griff - Foto: imago
Gegner und Pokal fest im Griff - Foto: imago

Im Jahr zuvor, als Boris Becker zum jüngsten Wimbledon Sieger der Geschichte wurde, da lag kein Druck auf den Schultern des 17jährigen Leimeners: „Mein erstes Mal war leicht. Keine Nerven, keine Erwartungen, keine Hemmungen. Der Junge, den keiner kannte. 17 Jahre und völlig sorglos“, so Boris Becker Jahre später.  

Doch nur 12 Monate nach diesem sagenhaften Triumph war alles anders. Ganz anders. Becker, inzwischen die Nummer 6 der Welt, zwar immer noch der Jüngling mit seinen 18 Jahren und nur knapp 2,5 cm gewachsen, aber weltbekannt. Fans, Medien und vor allem seine Gegner wussten nun ganz genau, was dieser Rotschopf zu leisten im Stande war.   

Der Druck, der im Vorjahr lediglich auf seinen Kontrahenten lastete, lag nun auf seinen Schultern. Ein enormer Druck für Becker, mit diesem er erst zu leben lernen musste. Die bangen Fragen, die sich Medien, aber vor allem er selber, sein Coach Günther Bosch und Manager Ion Tiriac stellten: War dieser Erfolg 1985 eine Eintagsfliege? Oder bin ich wirklich einer der Besten? (Der Triumph von Boris Becker 1985 - Beginn einer großen Liebe)

Es hagelte Niederlagen

Und je näher dieses Wimbledon 1986 rückte, so unsicherer schien Becker zu werden. Viermal nacheinander flog er im Viertelfinale raus. Bei den French Open gegen Mikael Pernfors sogar mit 0:6 im letzten Satz. Queens, das er noch ein Jahr vorher gewinnen konnte, verließ er ebenfalls im Viertelfinale.   

Danach folgte Becker seinem Instinkt, der ihn in all den Jahren so stark gemacht hat. Gegen den Willen seines Managers nahm er eine kurze Auszeit in der Vorbereitung auf das für ihn wichtigste Tennisturnier und flog nach Monte Carlo. Mit sich im reinen kehrte er zurück und nahm das Projekt Titelverteidigung in Angriff.

Glaubte an seinen Schützling - Autogrammkarte Ion Tiriac
Glaubte an seinen Schützling - Autogrammkarte Ion Tiriac

Ivan Lendl dagegen kam mit stolz geschwellter Brust an die Church Road. Als frischgebackener French Open Sieger, im Finale besiegte er eben diesen Mikael Pernfors und schraubte seine Bilanz so auf 48 Siegen bei nur 2 Niederlagen. Allerdings brachte ihm ausgerechnet Becker eine der beiden Niederlagen bei. Beim Indoor Turnier in Chicago siegte Becker in 3 Sätzen. Sein einziger Sieg in bis dato 5 Begegnungen der Beiden.

Duell der Unterschiede

Und so trafen sich diese beiden Ausnahmeathleten im Finale der 100. All England Championships. Mit völlig unterschiedlichen Voraussetzungen, völlig verschieden auch in der Wahrnehmung von Medien und Fans. Lendl, 8 Jahre älter, die Nummer 1 der Welt und frischgebackener Sieger der French Open von Paris gegen Boris Becker, dem 18jährigen Heißsporn aus Deutschland.   

Boris Becker, der sich ein Jahr zuvor als jüngster Wimbledonsieger selbst ein Denkmal gesetzt hat, sich durch seine unbekümmerte Art vor allem ins Herz der Zuschauer und Fans gespielt hatte. Und Ivan Lendl, der Perfektionist aus der CSSR. Immer unterkühlt, selten lächelnd. "Lendl ist hart wie ein Fels", stellte ihn sogleich NBC-Kommentator Bud Collins zu Beginn des Finales vor. Und vielleicht hatten Beide auch völlig unterschiedliche Willen. Der unbändige Siegeswille des Boris Becker und der verbissene Wille des harten Arbeiters Ivan Lendl.

Boris Becker gegen Ivan Lendl im Finale der 100. All England Championships. (anhe)


Zahlen und Fakten

Tag:

06. Juli 1986

Ort:

Centre Court in Wimbledon, London

Sportart:

Tennis

Anlass:

Finale der 100. All England Championships

Paarung:

Boris Becker (GER) - Ivan Lendl (TCH)

Ergebnis:

6:4, 6:3, 7:5

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