1988 - Drei Treffer in Bayers Herz


Früh im Hinspiel ausgewechselt: Cha. - Foto: Autogrammkarte
Früh im Hinspiel ausgewechselt: Cha. - Foto: Autogrammkarte

Mehr als die offiziell angegebenen 40.000 Zuschauer im ausverkauften Estadio de Sarria verwandeln das weite Rund in einen Hexenkessel, als Schiedsrichter Dusan Krchnak aus der Tschechoslowakei am 4. Mai 1988 das Final-Hinspiel im UEFA-Cup anpfeift. 
 
Sowohl Gastgeber Espanyol Barcelona als auch der deutsche Gegner Bayer 04 Leverkusen wollen den größten Triumph der Vereinsgeschichte. Auf dem Weg ins Finale hatte Espanyol nur eine Niederlage kassiert und neben Leverkusens Bundesliga-Konkurrenten Borussia Mönchengladbach auch die italienischen Top-Klubs AC Mailand und Inter Mailand ausgeschaltet. Leverkusen war seit dem Debüt im UEFA-Cup in der Saison 1986/87 in insgesamt 14 Spielen ungeschlagen geblieben. 
 
Zwar müssen die Rheinländer im Final-Hinspiel auf die verletzten Thomas Hörster, Thomas Zechel und Christian Schreier sowie den gesperrten Erich Seckler verzichten. Trotzdem strotzt Bayer 04 vor Selbstvertrauen. "Wir werden zwar nicht gewinnen, aber wir holen den Cup", meint Präsident Gert-Achim Fischer noch kurz vor dem Spiel. Und zunächst sieht es auch gut aus für die Mannschaft von Trainer Erich Ribbeck. Bis auf eine brenzlige Situation, als Torwart Rüdiger Vollborn mit einem tollen Reflex einen Schuss von Espanyol-Stürmer Sebastian Losada aus kurzer Distanz per Fußabwehr klärt (7. Minute), hat die Abwehr um Libero Wolfgang Rolff als Hörster-Vertreter die Partie im Griff.
 

Waas mit guten Chancen 

Auch das Ausscheiden von Torjäger Bum-Kun Cha wegen einer Oberschenkelzerrung nach knapp 20 Minuten bringt Leverkusen nicht aus dem Rhythmus. Im Gegenteil: Insgesamt haben die Gäste die besseren Offensivaktionen zu verzeichnen. Bei einem Schuss von Herbert Waas (12.) und einem Freistoß des Brasilianers Tita (25.) muss sich Barcelonas Torwart Thomas N'Kono mächtig strecken. In der 39. Minute ist der Nationaltorwart Kameruns sogar geschlagen, doch die Espanyol-Abwehr kratzt einen Direktschuss von Waas noch von der Linie. 
 
Kurz vor der Pause wendet sich aber das Blatt auf einmal. Der Weckruf für Barcelona erfolgt in der 43. Minute. Pichi Alonso trifft per Kopf, doch Schiedsrichter Krchnak entscheidet auf Abseits. Die Stimmung im Stadion kocht wieder hoch, wütend verstärken die Gastgeber noch einmal ihre Angriffsbemühungen - und werden tatsächlich noch vor dem Halbzeitpfiff belohnt. Nach einer Flanke von Miguel Soler trifft Losada 25 Sekunden vor Ablauf der regulären Spielzeit per Kopf zum 1:0.
 

Plötzlich geht alles ganz schnell 

Die Bayer 04-Elf geht geschockt in die Halbzeit-Pause und scheint sich auch nicht so schnell davon zu erholen. Mit Beginn der zweiten Halbzeit macht Espanyol weiter Druck. Nur vier Minuten nach der Pause erhöht Soler auf 2:0 (49.) und weitere acht Minuten später ist wieder Losada zur Stelle und trifft per Flugkopfball zum 3:0 (57.). Innerhalb von wenigen Minuten hat Leverkusen die Partie vollkommen aus der Hand gegeben. Von diesem Schlag erholt sich Bayer 04 für die verbleibenden Minuten nicht mehr. Espanyol scheint mit dem Vorsprung zufrieden zu sein und drosselt das Tempo merklich. So bleibt es am Ende beim 3:0 für die Katalanen. 
 
Mit hängenden Köpfen schleichen die Leverkusener vom Feld. Noch im Flieger nach Hause versucht Trainer Ribbeck, seiner Mannschaft Mut zu machen: "Wir werden alles tun, um das Unmögliche noch möglich zu machen." Auch Präsident Fischer gibt sich kämpferisch. "Wir biegen das Ding noch um", meint er. Den Spielern will dieser Gedanke in den ersten Stunden nach der Pleite noch nicht in den Kopf. "Wir haben da nicht so richtig dran geglaubt", erinnert sich der damalige Torwart Rüdiger Vollborn im Sporthelden.de-Interview.
 

Spanien feiert schon 

In Barcelona herrscht dagegen verständlicherweise Hochstimmung. In Autokorsos machen die Espanyol-Anhänger die Nacht zum Tag und auch die spanische Presse feiert. "Espanyol hat sich in die Reihe der Vereine eingereiht, die zum Ruhm erwählt sind", schreibt etwa "El Pais" und die und "La Vanguardia" meint: "Die Deutschen, die in dieser Europapokal-Saison noch kein Spiel verloren hatten, sahen mit Überraschung, wie Losada und Soler Vollborn überwanden und ein Ergebnis erzielten, das Espanyol den Titel bringen muss." 
 
Doch noch steht das Rückspiel am 18. Mai im Leverkusener Ulrich-Haberland-Stadion aus. Erst dort soll sich alles entscheiden. (db)

>>> Rückspiel - Leverkusen triumphiert im Elfer-Krimi


Zahlen und Fakten

Datum: 

4. Mai 1988 

Sportart: 

Fußball

Anlass: 

Hinspiel im Uefa-Cup-Finale

Ort: 

Sarria-Stadion, Leverkusen

Zuschauer: 

40.000 (ausverkauft)

Partie:

Espanyol Barcelona - Bayer 04 Leverkusen

Ergebnis:

3:0

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