1991 - Schumachers 400-Meter-Debüt


Schumacher fuhr nur das eine Rennen für Jordan. - Foto: imago
Schumacher fuhr nur das eine Rennen für Jordan. - Foto: imago

Seine erste Woche als Formel-1-Fahrer verläuft für Michael Schumacher rasant und turbulent. Bei 20 Testrunden für das Jordan-7UP-Team im englischen Silverstone raubt der 22 Jahre alte Deutsche den Verantwortlichen den Atem. "Es machte den Eindruck, als habe er nie etwas anderes im Leben gemacht, als Formel-1-Autos zu fahren“, sagte der damalige Teammanager Trevor Foster über Schumachers ersten Auftritt in der Motorsport-Königsklasse.

Der Nachwuchsfahrer legt auf Anhieb bessere Zeiten hin, als die etatmäßigen Jordan-Piloten Andrea de Cesaris und Bertrand Gachot. Als Mercedes, bei dessen Junior-Team Schumacher unter Vertrag steht, Teamchef Eddie Jordan 150.000 britische Pfund pro Rennen und eine garantierte Jahressumme von 3,5 Millionen Pfund für einen Cockpit-Platz von Schumacher bietet, ist dessen Einstieg in die Formel 1 perfekt.

Erste Runde mit dem Fahrrad

Schon ein paar Tage später beim Großen Preis von Belgien, dem elften Saisonlauf  der Formel 1 1991, soll der Deutsche Jordan-Stammpilot Gachot ersetzen, der nach einer CS-Gas-Attacke auf einen Taxifahrer in England zu 18 Monaten Haft verurteilt worden war. Als Schumacher am Donnerstag vor dem Rennwochenende in Spa-Franchorchamps ankommt, betritt er Renn-Neuland. Zwar hatte sein Manager Willi Weber gegenüber Jordan behauptet, sein Schützling kenne den schnellen Kurs in den Ardennen gut, tatsächlich war Schumacher aber noch nie auf der nur 100 Kilometer von seiner Heimatstadt Kerpen entfernten Strecke gefahren.

Schumi wechselte von Jordan zu Benetton. - Foto: imago
Schumi wechselte von Jordan zu Benetton. - Foto: imago

So ist der Deutsche bei seinem Debüt auf Informationen seines Teamkollegen de Cesaris angewiesen. Doch der vertröstet Schumacher immer wieder. Kurzerhand schnappt dieser sich dann das Klappfahrrad aus dem Kofferraum seine Autos und fährt die 6,94 Kilometer lange Strecke mit der berüchtigten Eau-Rouge-Kurve zwei Runden selbst ab. Dass das reicht, zeigt Schumacher schon kurz darauf im Training. Präzise und schnell lenkt er den Jordan-Ford-Cosworth 191 über den schnellen Kurs mit seinen rasanten Wechseln von Steigungen und Gefällen.

Keine Chance für den Teamkollegen

Auch in der Eau Rouge geht der Youngster nicht vom Gas und ist schon im Freitagstraining deutlich schneller als der etablierte Teamkollege de Cesaris und fällt mit seinen Zeiten nie aus den Top Ten. Im Qualifying bestätigt Schumacher den Eindruck. In 1:52,211 Minuten legt der 22-Jährige die achtbeste Runde hin. 

Da die Zeit des eigentlich schnelleren Ricardo Patrese annulliert wird, rückt Schumacher auf Position sieben vor – gemeinsam mit dem siebten Startplatz von de Cesaris beim Großen Preis von Deutschland die beste Startposition des Jordan-Teams in der gesamten Saison 1991. Den italienischen Teamkollegen distanziert Schumacher um 0,775 Sekunden und vier Plätze.

Platz vier im Warm-Up

Der Debütant gibt sich nach dem Qualifying erstaunlich entspannt. "Die ersten drei Runden waren sehr beeindruckend, Danach gewöhnt man sich sehr schnell an seine neue Umgebung. Sicher ist es etwas Außergewöhnliches, aber so speziell ist es nun auch wieder nicht“, sagt Schumacher. So hält sich seine Nervosität auch am Sonntag vor dem ersten großen Renn-Auftritt in Grenzen. Im Warm-Up erstaunt Schumacher erneut die Konkurrenz, fährt in 1:56,986 die viertschnellste Zeit. 

Für Schumi war das erste Rennen in Runde eins beendet. - Foto: imago
Für Schumi war das erste Rennen in Runde eins beendet. - Foto: imago

Alles scheint bereit für einen denkwürdigen ersten Auftritt in dem irisch-grünen Jordan-Boliden mit der Startnummer 32. Nach der Aufwärmrunde reiht sich Schumacher in der vierten Startreihe im vom Brasilianer Ayrton Senna angeführten Feld ein. Die Ampel springt auf rot, die Motoren jaulen auf. Ein Licht nach dem anderen erlischt, dann ist der Start freigegeben.

Raketenstart auf Platz fünf

Schumacher kommt in seinem Jordan perfekt weg, schießt zwischen Benetton-Pilot Nelson Piquet und dem Ferrari von Jean Alesi hindurch auf Position fünf vor und auf die erste Kurve zu. Als er herunterschalten will passiert es: Die Kupplung des Jordan 191 versagt, weiterfahren unmöglich. Schon kurz nach dem Start muss Schumacher seinen Wagen ausrollen lassen. Ganze 400 Meter dauerte sein Formel-1-Debüt, bei dem Senna einen Start-Ziel-Sieg einfährt und weitere Punkte auf dem Weg zum dritten WM-Titel sammelt. 

Trotzdem ist die Premiere des jungen Deutschen ein voller Erfolg. Schumacher wechselt schon im nächsten Rennen zum Benetton-Team, für das er 1992 den ersten Sieg und 1994 den WM-Titel einfährt. (db)


Zahlen und Fakten

Tag:

25. August 1991

Ort:

Spa-Franchorchamps (BEL)

Zuschauer:

120.000 (ges. Wochenende)

Sportart:

Formel 1

Anlass:

Großer Preis von Belgien

Ergebnis:

1. Ayrton Senna (BRA)
2. Gerhard Berger (AUT)
3. Nelson Piquet (BRA)
u.a. ausgeschieden: 
Michael Schumacher (GER)

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