1996 - Ein perfekter Wettkampf von Klees


Christian Klees - Foto: Autogrammkarte

Olympische Spiele 1996 in Atlanta. Schießen: Kleinkalibergewehr liegend 50m Herren. Schon in der Qualifikationsrunde, dem Vorkampf, läuft alles perfekt für Christian Klees! Es wird "sein" Wettkampf.

Wie in jedem Wettkampf geht es auch am 25. Juli 1996 darum, fehlerfrei zu bleiben, möglichst immer in die Scheibenmitte, die im Durchmesser nur 10,4 mm große Zehn, zu treffen. Die Leistungsdichte unter den Teilnehmern im olympischen Wettbewerb Kleinkalibergewehr liegend ist erwartungsgemäß hoch. Ins Schwarze trifft hier jeder. 52 Schützen kämpfen im hochmodernen Wolf Creek Shooting Complex um den Einzug ins Finale der acht Besten. Nur diese acht Schützen, die in der Qualifikationsrunde mit 60 Schuss die höchste Ringzahl erreichen, werden im Finale um die Medaillen kämpfen. 

60 Schuss liegend, ein extremer Wettkampf

Geschossen wird auf eine Entfernung von 50m, mit einer speziell dafür ausgelegten Wettkampfwaffe, ein Kleinkalibergewehr mit Dioptervisierung, ein Präzisions-Einzellader, Kaliber .22lfB. Die Teilnehmer sind in ihre engen ledernen Schützenkombis gezwängt, sie können sich kaum bewegen. Das ist gut für die Präzision, aber eine Tortur über die Wettkampfdistanz. 

Christian Klees weiß das, er ist vorbereitet. Zuhause hat er sich auf die zu erwartende Hitze in Atlanta eingestellt und hat sich im Training zusätzlich mit Mütze, Wolldecke und Heizlüfter bewaffnet. Wenn es um jeden Ring geht, muss eben alles stimmen. Zwei oder drei schlechte Schüsse, also nur eine Neun statt einer Zehn, oder gar eine Acht, dann ist der Einzug ins Finale vielleicht schon verpasst. Jahrelanges Training, mentale Vorbereitung, tausende Mal wiederholte Abläufe. Alles schon so oft gemacht. Aber jetzt zählt es. Alle sind nervös. Es ist kein normaler Wettkampf - es geht um Gold - olympisches Gold.

Der Kampf gegen die Elektronik

An diesem Tag ist noch etwas anders als sonst. Zum ersten Mal bei den olympischen Spielen wird auf eine neue elektronische Anlage aus der Schweiz geschossen. Das kleine 5,6mm Geschoss macht kein Loch mehr auf einer Zielscheibe aus Pappe, die erst hinterher von der Wettkampfleitung ausgewertet wird, sondern jeder Schuss wird sofort von der Elektronik erfasst. Das Schießen soll für die Zuschauer interessanter werden. Die Treffer sollen nachvollziehbar sein, wie etwa beim Biathlon. Jeder Treffer wird sofort auf dem Scoreboard und auf Monitoren angezeigt. Jeder sieht sofort, was los ist. Die Zuschauer vor Ort, die Medien, aber auch jeder Schütze. Nicht alle kommen damit klar.

Es läuft perfekt!

Bei der ersten Wertungsserie von zehn Schuss gönnen sich einige Schützen bereits drei Miese, schießen also nur 97 von 100 möglichen Ringen. Fast schon das Aus! Nicht jedoch für Christian Klees. Er liefert 100 Ringe ab. Gut - okay - es läuft! Jetzt durchatmen! Aber auch 13 andere Schützen sind fehlerfrei geblieben. Bei der nächsten Zehnerserie bleibt Christian Klees wieder in der 10! Mit ihm schaffen 15 Schützen die 100 Ringe. Andere wiederum bringen die Zwischenergebnisse aus dem Tritt. Sie werden nervös und wollen jetzt alles besser machen. 

Aber genau das bringt die nächste schlechte Serie. So wie dem Briten Jonathan Stern. Er kann sich nicht fangen, nach seiner 97er Startserie gelingt ihm nichts mehr. Für Klees stimmt einfach alles, er ist konzentriert und trifft. Serie um Serie. 60 Schuss liegend, alles Zehner! Christian Klees erzielt die maximal mögliche Ringzahl. 600 steht auf dem Monitor! Außer ihm bleibt keiner fehlerfrei, aber man ist ihm dicht auf den Fersen.
 
Die Finalteilnehmer stehen fest: Christian Klees mit 600 Ringen, Gönci der Slovake mit 599 Ringen, mit 598 ringgleich, Beliaev der Kasache und Martynov der Weißrusse, Gonzalez aus Spanien und Meek der US-Amerikaner (beide 597), Debevec (SLO) und Kovalenko (RUS) mit 596 Ringen.

Die 10 muss stehen

Jetzt sind es nur noch 10 Schuss auf dem Weg zu einer Medaille! Chancen darauf haben alle Acht Finalteilnehmer. Das Finale ist ein Teilerschiessen, dabei werden sogar Zehntelringe gewertet. Eine Neun, die nur knapp keine Zehn geworden ist, zählt dann 9,8 oder 9,9. Ein absolut mittig in die Zehn gesetzter Treffer bringt 10,9 Ringe. Die Ringzahlen aus dem Vorkampf und dem Finale werden anschließend addiert. 

Christian Klees ist weiter hoch konzentriert und schießt Zehner - gute Zehner. Im Finale erreicht er 104,8 Ringe. Beliaev trifft auch, kommt sogar auf 105,8 Ringe. Es muss trotzdem nicht lange gerechnet werden. Die Elektronik zeigt es an. 704,8 Ringe! Der Olympiasieger heißt Christian Klees! Die Anzeigetafel zeigt wie perfekt der Wettkampf gelaufen ist. Neuer Weltrekord! Am sechsten Wettkampftag der Spiele erfüllt Christian Klees die Hoffnungen der Deutschen und holt das ersehnte erste olympische Gold.

Die Topleistung von 600 Ringen im Vorkampf wurde seitdem mehrfach auch von anderen Schützen erzielt. Der Weltrekord mit 704,8 Ringen hatte bis zum 03.08.2012 Bestand. Bei den Olympischen Spielen in London erreichte der Bulgare Sergei Martynov 705,5 Ringe und stellte einen neuen Weltrekord auf. (bz)


Zahlen und Fakten

Sportart: 

Schießen

Anlass: 

Olympische Spiele der XXVI. Olympiade

Ort: 

Wolf Creek Shooting Complex, Atlanta

Datum: 

25.07.1996

Disziplin: 

Kleinkalibergewehr liegend 50m Herren

Ergebnis:

1. Christian Klees (GER) 704.8
2. Sergei Beliaev (KAZ) 703.3
3. Jozef Gönci (SVK) 701.9

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