1996 - Wecker holt Gold am Reck


Andreas Wecker - Foto: Autogrammkarte
Andreas Wecker - Foto: Autogrammkarte

Ende der 1980er, Anfang der 1990er Jahre gehört Andreas Wecker zur Weltspitze im Turnen. Allerdings bleibt dem Welt- und Europameister der größte Triumph lange Zeit verwehrt. 1988 holt er als 18-Jähriger in Seoul (Südkorea) Olympia-Silber mit der Mannschaft der DDR. Vier Jahre später in Barcelona steht Wecker drei Mal auf dem Treppchen, aber nie ganz oben. Am Seitpferd und den Ringen holt er Bronze. Am Reck, seinem Paradegerät, liegt der 1,63 Meter große Turner bis zum letzten Starter in Führung. Dann kommt der US-Amerikaner Trent Dimas und schnappt ihm noch die Goldmedaille weg.

Weckers Perfektion

Bei den Olympischen Spielen in Atlanta läuft es zunächst nicht zufrieden stellend für Wecker. Mit der Mannschaft wird er nur Siebter, an den Ringen Fünfter. Das Reck-Finale ist seine letzte Möglichkeit auf eine Medaille. Wecker muss schon als zweiter Starter an die 2,75 Meter hohe Stahlstange. 

Doch seine Übung läuft wie geschmiert. Kein Wunder, die Grundelemente seiner Reck-Kür turnt der 26-Jährige seit 1988. Zuschauer und Kampfgericht sehen 51 Sekunden perfekte Drehungen und Flugeinlagen.

Dann kommt der Abgang. Wecker entscheidet sich für Risiko, beschleunigt seinen Körper mit einigen Drehungen auf knapp das achtfache der Erdbeschleunigung, lässt los und macht einen doppelten gestreckten Salto mit ganzer Schraube. Als seine Füße den Boden berühren, steht er sofort ohne Zucken - „wie ein Eimer“, wie er später selbst sagt.

Vom Publikum gibt es freundlichen Applaus, aber die Amerikaner warten eigentlich auf ihre Landsleute. Wecker fällt seinem Physiotherapeuten in die Arme und sagt: „Peter, so habe ich noch nie geturnt.“ Das Kampfgericht sieht es ähnlich, bleibt aber ein bisschen vorsichtig, weil noch acht Finalisten kommen. Als die Anzeigetafel 9,850 Punkte anzeigt, ballt Wecker kurz die Faust.

"Neun Jahre darauf hingearbeitet"

Doch die anderen Favoriten kommen noch. Gellende Pfiffe kommen teilweise aus dem Publikum, weil die Athleten trotz starker Übungen relativ niedrige Noten bekommen, aber das Kampfgericht sieht keine besser Kür als die von Wecker. Am Ende darf der Deutsche jubelnd aufs Podest steigen. Gold für Wecker! Silber geht an den Bulgaren Krassimir Dunev. Bronze teilen sich Vitali Scherbo (BLR), Fan Bin (CHN) und Alexei Nemov (RUS). Bei der Siegerehrung starrt Wecker wie paralysiert auf die deutsche Fahne: „Ein Olympiasieg ist das absolut Größte. Darauf habe ich neun Jahre hingearbeitet“, sagt Wecker hinterher.


Zahlen und Fakten

Tag:

29. Juni 1996

Ort:

Georgia Dome, Atlanta

Zuschauer:

32.000

Sportart:

Turnen

Anlass:

Olympisches Finale Reck, Herren

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