1997 - Triumph in der Lava-Hölle


Thomas Hellriegel, Zieleinlauf bei den IRONMAN Hawaii Triathlon World Championship - Quelle: www.3athlon.de - Fotograf: Kai Baumgartner
Thomas Hellriegel, Zieleinlauf bei den IRONMAN Hawaii Triathlon World Championship - Quelle: Fotograf: Kai Baumgartner

Malerisch ist der Ort Kailua an der westlichen Kona-Küste der Insel Hawaii, so malerisch, dass hier schon die alten hawaiischen Königsfamilien im Schatten der großen Vulkane Urlaub machten. Einmal im Jahr wird aus dem Paradies aber die Hölle. Dann treten über 1500 Triathleten aus aller Welt zum härtesten Rennen an, das dieser Sport kennt: dem Ironman Hawaii.

1997 ist Thomas Hellriegel zum dritten Mal dabei. Bei seinen ersten beiden Teilnahmen in den zwei Jahren zuvor war der Deutsche jeweils Zweiter geworden. 1995 hatte ihn Triathlon-Legende Mark Allen (USA) vier Kilometer vor dem Ziel überlaufen. Ein Jahr darauf musste sich Hellriegel trotz einer starken Leistung kurz vor Schluss dem Belgier Luc van Lierde geschlagen geben, der in 8:04:08 einen Ironman-Rekord für die 3,8 Kilometer Schwimmen, 180,2 Kilometer Radfahren und 42,295 Kilometer Laufen auf Hawaii aufstellte.

Punkt 7 Uhr Ortszeit stürzt sich Hellriegel mit seinen Konkurrenten am 18. Oktober 1997 zur 20. Auflage des Ironman in den rauen Pazifik vor dem Kailua-Pier. Die Lufttemperaturen liegen bereits deutlich über 20 Grad, die Luftfeuchtigkeit ist mit fast 90 Prozent enorm hoch. Knapp 500 Meter lang sieht man nur wildes Spritzen, fliegende Arme und kaum noch Wasser, dann hat sich das Feld geordnet. Schwimmen ist nicht Hellriegels Spezial-Disziplin. Er durchpflügt das Wasser in seinem eigenen Rhythmus und kommt nach 53:08 Minuten als 59. zum ersten Wechsel.

Alleine gegen Wind und Hitze

Die Temperaturen klettern unaufhörlich weiter als Hellriegel sein Rad besteigt. Die Spezial-Disziplin des 26-Jährigen steht an, in der er 1996 in 4:24:50 Stunden den Rad-Rekord für Hawai aufstellte, der erst 2005 gebrochen werden sollte. Schnell fährt er sich im Feld nach vorne, holt leicht die vier Minuten Rückstand auf die Spitzenreiter nach dem Schwimmen auf. Schließlich bildet sich vorn eine Vierergruppe mit Hellriegel, Landsmann Jürgen Zäck, Ken Glah (USA) und Chris Legh (AUS), die das Feld durch die schwarzen Lava-Felder Hawaiis anführt.

Da die Athleten mindestens sieben Meter Abstand halten müssen, um Windschatten-Fahren zu vermeiden, muss jeder für sich allein gegen die Hitze und die Mumuku-Winde mit Böen bis zu 70 km/h an diesem Tag treten. Auf den letzten Kilometern verschärft Zäck zum wiederholten Mal das Tempo. Hellriegel hat aus den Jahren zuvor gelernt, versucht nicht, schon auf der Radstrecke für eine Vorentscheidung zu sorgen und geht das Tempo nicht mit. Beim Wechsel auf die Laufstrecke hat Hellriegel etwas mehr als drei Minuten Rückstand auf Zäck.

Thomas Hellriegel - Foto: Autogrammkarte
Thomas Hellriegel - Foto: Autogrammkarte

Bei 38 Grad Celsius im Schatten geht es unter der sengenden Mittagssonne auf die abschließenden 42,295 Kilometer Marathon-Strecke. Hellriegel fühlt sich gut, schafft schnell den Übergang vom Rad- in den Lauf-Rhythmus. Nach knapp zehn Kilometern läuft er zum führenden Zäck auf. Für weitere fünf Kilometer geht Hellriegel das Tempo mit, versucht, ein Gefühl für die Situation zu bekommen. Er fühlt sich weiter gut.

Mit der Fahne ins Ziel

Dann forciert er das Tempo, um zu sehen, ob Zäck mithalten kann. Kann er nicht. Hellriegel löst sich schnell, geht sein Tempo weiter und baut seinen Vorsprung an der Spitze kontinuierlich aus. Schon mehrere Kilometer vor dem Ziel spürt er, dass heute keiner der Favoriten mehr von hinten herankommen kann. Als noch zwei Kilometer zu laufen sind, drückt ihm ein Zuschauer eine Deutschland-Fahne in die Hand. Er ist auf dem Weg, Historisches zu schaffen. Nach 8:33:01 Stunden (53:08 min. Schwimmen, 4:47:57 h Rad, 2:541:56 h Lauf) überquert Hellriegel auf dem Alii Drive in Kona in seinem gelben Trikot unter dem Jubel der Zuschauer die Ziellinie, ballt die Faust. Er hat es geschafft!

Als erster Deutscher gewinnt Thomas Hellriegel den Ironman Hawaii, das härteste Rennen der Welt. Mit etwas mehr als sechs Minuten Rückstand kommt Zäck ins Ziel und auch den dritten Platz sichert sich ein Deutscher. Mit der besten Laufzeit des Tages von 2:49:15 Stunden hat sich Lothar Leder noch vorbei an Favorit Peter Reid (CAN) auf den dritten Platz vorgearbeitet. Als Leder über die Ziellinie läuft, liegt Hellriegel schon ausgepumpt im Sanitätszelt. Er braucht knapp eine Stunde, um wieder zu Kräften zu kommen.

Erst dann realisiert er so langsam, was er vollbracht hat. „Das war das schwerste Rennen meines Lebens“, sagt er. Tags darauf findet vor über 3000 Zuschauern in Kailua die Siegerehrung statt. Spätestens jetzt weiß Hellriegel, dass ihm diesen Triumph niemand mehr nehmen kann.


Zahlen und Fakten

Tag:

18. Oktober 1997

Beginn:

7 Uhr Ortszeit (19 Uhr MESZ)

Ort:

Kailua-Kona (Hawaii, USA)

Sportart:

Triathlon

Anlass:

Ironman World Championship Hawaii

Ergebnis:

1. Thomas Hellriegel (GER)
2. Jürgen Zäck (GER)
3. Lothar Leder (GER)

Die Helden der Lüfte - Alles über das Red Bull Air Race... weiter

Alles über das RedBull Air Race

Steckbriefe und Kurzportraits von A bis Z

Große Sportmomente im Überblick. 

Gehen Sie Monat für Monat mit auf eine virtuelle Reise durch die großen Sportmomente...  weiter

Sky - Jetzt bestellen!