1999 - Stimmen zu Bayerns Untergang
Dass sich ein Spiel in der Nachspielzeit dreht, erlebt man selbst im Fußball nicht alle Tage. Dementsprechend geschockt oder fast sprachlos zeigten sich die Beteiligten, nachdem Manchester United im Finale der Champions League 1999 in drei Minuen Nachspielzeit aus einem 0:1 noch ein 2:1 machte.
Ottmar Hitzfeld (Trainer Bayern München): "Hätten wir nicht zwei Mal den Pfosten getroffen, wären wir als Sieger vom Platz gegangen. Manchester hat den Sieg genauso vedient wie Bayern. Beide haben eine sehr gute Champions-League-Saison gespielt. Wir können erhobenen Hauptes vom Platz gehen. Die Mannschaft kann stolz auf sich sein. Aber ich bin wahnsinnig enttäuscht. Wir standen vor dem Triumph. So etwas hat noch keine Mannschaft erleben müssen. Ich habe Mitleid mit meinen Spielern."
Alex Ferguson (Trainer Manchester United): "Ich kann es nicht glauben, aber das ist Fußball. Ich habe geglaubt, dieses Spiel sei schon verloren. Meine Jungs haben nie aufgegeben und deshalb haben sie es auch noch geschafft. Es ist fantatsitsch, ich bin stolz auf sie."
Stefan Effenberg: "Ich fasse es nicht. Kann Fußball so brutal sein? Mir fehlen die Worte. Ich kann das Pech nicht beschreiben."
Lothar Matthäus: "Es ist bitter, es ist traurig. Wir sind alle enttäuscht, es ist unfassbar. Der Mannschaft kann man keinen Vorwurf machen, sie hat das Spiel 90 Minuten im Griff gehabt. Wir müssen das alles erst verarbeiten."
Mario Basler: "Das war drei Minuten bis zur Ewigkeit. Das ist so bitter, da bricht eine Welt zusammen. Besonders bitter ist es, wenn man drei Minuten vor Schluss ausgewechselt wird und glaubt, den Pokal schon gewonnen zu haben. Dann passiert so etwas und du kannst nicht helfen. Das ist brutal."
Mehmet Scholl: "So ein Pech. Wenn das Ding von mir drin ist, holen wir den Pott."
Giovane Elber: "Mir tut die Mannschaft leid. Sie hat es nicht verdient, dieses Spiel so zu verlieren."
Bixente Lizarazu (alle Bayern München): "Da gibst du ein Jahr lang alles, und die letzten zwei Minuten machen alles kaputt."
Franz Beckenbauer (Präsident Bayern München, später beim Bankett): "Wir haben keinen Kampf verloren, keine Schlacht. Wir haben auch nicht das Leben verloren. Wir haben ein Spiel verloren. Ich betone: Es ist ein Spiel, es war ein Spiel und es wird immer ein Spiel bleiben."
David Beckham (Manchester United): "Ich kann es kaum fassen, dass wir dieses Spiel noch gewonnen haben. Aber so ist Fußball, wir haben immer an unsere Chance geglaubt und jetzt werden wir erstmal riesig feiern."
Bernd Schuster (Ex-Profi, Co-Kommentator fürs spanische Radio): "Ich habe schon viel Schreckliches erlebt im Fußball, aber etwas Schrecklicheres gibt es nicht mehr. Wir (Schuster war mit Trainer Fabio Capello Co-Kommentator, die Red.) haben uns nach dem 1:2 minutenlang angeschaut und begriffen nicht, was geschehen war. Wir wurden bedrängt und alle verlangten nach einer Erklärung, aber wir konnten gar nichts sagen."
Christoph Daum (damals Trainer Bayer 04 Leverkusen): "Ich dachte: Das kann doch wohl nicht wahr sein. Diese Niederlage könnte ein Hinweisschild sein. Man muss versuchen, daraus zu lernen. Die Niederlage schmälert nur statistisch die großartige Saison der Bayern."





