Der gelbe Wahnsinn dank Thurau
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Mit acht Jahren wollte ich in den Siebzigern am Sonntag Nachmittag lieber Daktari oder sowas sehen, aber da war dieses Radrennen, irgendwo in Frankreich. Und das war sogar noch viel besser! Da fuhr ein gewisser Didi Thurau mit. Und die Erwachsenen sagten, dass der ziemlich gut sei. Und das war er wirklich, fuhr er doch mit diesem Trikot in Gelb. Das hat immer der Beste, wurde gesagt.
Also war klar, ab sofort wird auf dem Fahrrad immer ein gelbes Hemd angezogen. Oder ein gelber Pullunder, was gerade so in Gelb im Schrank herumlag. Aber nicht nur wir Knirpse fanden Didi Thurau gut. Irgendwie müssen in dem Jahr ziemlich viele Rennräder verkauft worden sein, denn wir hatten alle eins. Wenn nicht sofort, dann Weihnachten oder aber im nächsten Jahr zur Kommunion. Hauptsache Rennrad!
Viva la Karneval!
Na ja, auf die Frage, warum da denn ein Gepäckträger dran sei und bei Thurau nicht, bekamen wir solche Antworten wie: "Der Didi Thurau hat den verloren!" oder "Der hat nicht so ein teures Rad!". Notlügen, und auch schon verjährt.
Nach dem Super-Auftritt von Thurau 1977 war bei den Erwachsenen für 1978 auch schnell ein Thema für den Karnevalsumzug gefunden: Tour de France! Das war einfach, denn ein Fahrrad hatte ohnehin jeder. Also mussten nur farbige T-Shirts her, mit Startnummern drauf. Und die Profis trugen damals ja alle eine Schirmmütze. Jemand hatte weiße Kappen mit seitlichem Werbeaufdruck besorgt. Die wurden mit bunten Stoffstücken beklebt. Darauf wurden dann mit einem dicken Edding die Fahrernamen geschrieben.
20 Jahre später trägt alles Magenta
Ich wollte Thurau sein, logisch! Aber alle anderen Kinder wollten auch Thurau sein. Die Erwachsenen haben das dann so gelöst: Einmal Thurau draufgeschrieben, einmal Didi. Und auch Turau. Peinlich. Aber der Name wurde ja auch von den Franzosen verwurstet, Didi Türooh.
Wir zogen die Kappen natürlich so an, wie Didi Thurau, windschnittig, Schirm nach hinten. Die Großen hatten sich dann noch ein Highlight gebastelt, ein Tandem mit 5, 6 oder 8 Sitzen. Das war aber schwer zu manövrieren, kam kaum um die Kurven. Da konnten wir Knirpse Kreise drumherum fahren, so wie Thurau den anderen halt weggefahren ist. Als Jan Ullrich die Tour Jahre später gewann, musste ich immer schmunzeln, wenn so ein Zwerg in Magenta angebraust kam. Da sah ich mich dann selbst mit Thurau Kappe.
Erleben Sie mehr! Weitere Artikel über Dietrich Thurau:
Kurzporträt Dietrich Thurau
Artikel über Jan Ullrichs Toursieg 1997 finden Sie hier:
1997 - Ullrich am Gipfel angekommen
1997 - Stimmen zur Tour d´Ullrich
1997 - Das Team des Siegers
1997 - Ergebnisse der Tour
Die Sieger der Tour de France
Der Sturm auf Andorra als Video bei YouTube




