Mit Volleyball zurück ins neue Leben
Olaf Hänsel ist Spieler der deutschen Volleyball-Nationalmannschaft der Behinderten. Am 19. bis 21. Oktober 2007 bereitete er sich in Cölbe mit seinen Teamkollegen auf den bevorstehenden WorldCup in Kambodscha vor. Vor fünf Jahren, kurz nach der Amputation seines rechten Unterschenkels, hätte er sich das nicht erträumt.
Rückblick: Januar 2002, ein regnerischer Tag in Hannover. Olaf Hänsel, 31 Jahre aus Marburg, wird von einem Spezialisten für Wundheilung behandelt. Der Mediziner schaut sich die handtellergroße Nekrose auf dem rechten Schienbein an: „Wir haben ein Problem“, so das knappe Urteil. Was anfänglich eine Routineoperation des angebrochenen Unterschenkels war, entwickelte sich zur Katastrophe. Irgendetwas ist schief gelaufen bei dem vermeintlich leichten Eingriff – und der Schienbeinknochen auf gut 17 Zentimeter Länge abgestorben.
Unzählige Operationen, viele Schmerzen, Hoffnungslosigkeit und zahlreiche "Es wird schon wieder" später ist klar, dass das Bein nicht mehr zu retten ist. Der untere Teil muss amputiert werden. Für den Leistungssportler, der von klein auf Volleyball spielt, bricht eine Welt zusammen.
Auf Tuchfühlung mit der Nationalmannschaft
Doch da ist noch eine andere Seite bei Hänsel, die mehr und mehr an Gewicht gewinnt. „Ich habe mich, noch vor der geplanten Amputation, mit Menschen unterhalten, die ebenfalls eine Prothese haben. Mir wurde schnell klar, dass ich auch mit Prothese ein ausgefülltes und glückliches Leben führen kann“, erinnert sich Hänsel an die Zeit im Krankenhaus und kurz danach. Etliches – oder das meiste – ist doch so geblieben wie vor der Amputation, vieles war neu.
Neu war für Hänsel, dass es eine körperbehinderte Volleyball-Nationalmannschaft gibt, die sogar äußerst erfolgreich ist. In Deutschland sind die Standvolleyballer dank der zahlreichen Titel wie mehrfacher Weltmeister und viermaliger Paralympicsieger die beste Sportspielmannschaft der letzten 20 Jahre – auch im Nichtbehindertenbereich – und die erfolgreichste Mannschaft der Welt seit Bestehen des Behindertenleistungssports.
Ein Freund von Hänsel vermittelte den frisch Amputierten an Athanasios Papageorgiou, Bundestrainer der deutschen Volleyball-Nationalmannschaft der Behinderten. Und für Hänsel tat sich eine neue Welt auf: „Bereits drei Monate nach der Amputation wurde ich zu einem Lehrgang des Nationalkaders eingeladen. Ich selber ging noch an Krücken. Die Jungs, die ich da sah, hatten ein stark verkürztes oder atrophiertes Bein, ihnen fehlten ein paar Finger an der Hand, gleich ein ganzer Arm oder das komplette Bein. Doch sie schmetterten, hechteten nach dem Ball und spielten einfach Volleyball. Und da wusste ich: Da geht was, ich werde wieder spielen!“ Das Jahr drauf war er bereits fest in die Mannschaft integriert.
Kaderlehrgang in Cölbe, Vorbereitung für WorldCup in Kambodscha
Die deutsche Volleyball-Nationalmannschaft der Behinderten bereitet sich mehrmals jährlich mit einem Kaderlehrgang auf ein internationales Turnier vor. 2007 findet der WorldCup vom 24. November bis 2. Dezember in Kambodscha statt. Die Standvolleyballer waren daher vom 19. bis 21. Oktober Gast in Cölbe und trainierten eifrig spielnahe Situationen und das Zusammenspiel. Der krönende Höhepunkt des Wochenendes: das Trainingsspiel gegen die Landesliga-Mannschaft des TV Cölbe. Rund 100 Zuschauer verfolgten das Spiel und feuerten das Nationalteam an. „Am meisten haben mich die Abwehraktionen der einarmigen Spieler beeindruckt“, so die Meinung eines Beobachters.
Dirk Ludemann, Vorstand der Diana Kliniken AG Bad Bevensen und neuer Hauptsponsor der deutschen Volleyball-Nationalmannschaft der Behinderten, war ebenfalls begeistert: „Man kann die Leistungen der Sportler nicht hoch genug würdigen. Das war ein tolles und spannendes Match.“ Am Ende hieß es allerdings 3:1 für Cölbe (25:22, 25:21, 21:25, 25:20). Doch die nächsten Kaderlehrgänge der Nationalmannschaft stehen bereits vor der Tür. Der Bundestrainer abschließend: „Wir werden noch an der Feinabstimmung zwischen den Spielern arbeiten. Und dann fliegen wir bestens vorbereitet nach Kambodscha und holen uns den Titel!“
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Anm. d. Red.: Die Nationalspieler sind allesamt keine Profis wie ihre nichtbehinderten Kollegen, gehören aber mit ihrer Medaillensammlung bei Europa- und Weltmeisterschaften, sowie vier Goldmedaillen bei den Paralympischen Spielen von Seoul bis Sydney zu den erfolgreichsten Sportmannschaften im vereinten nichtbehinderten und behinderten Sport-Deutschland.
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