Naturbelassenes Umspannwerk


       


Oftmals einfach gesünder - Foto: Tiedemann

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"Der Kachelreport" 
Arne Tiedemann
SG Kollmar/Neuendorf
Fußball
Kreisliga A
Auswärstspiel bei SG Mehlbek/ Kleve 
Gästekabine
Zwei Wischmöpse
TSV Kollmar

 
 


         

 


Gedränge pur in Kleve - Foto: Tiedemann

 

Mächtig Holz in der Hütt´n, die blaue Lagune und der dickste Schlauch im Kreis 

Ohne Punkte, aber mit einem Sack voller Eindrücke und einer prall gefüllten Speicherkarte ging´s über die Grenze zurück nach Kollmar. "Hurra, das ganze Dorf ist da", schallte es bei Ankunft der 1. Herren aus dem Glismann-Transporter und sieben Gestalten sprangen nassforsch heraus. Erst als aus dem Laderaum die Sporttaschen gezogen wurden, stellte man in Kleve den Karabiner zurück in den Schrank. Zuvor wähnte man eine vorgefahrene Drückerkolonne auf dem Parkplatz des Sportplatzes. 

Und besser könnten man sich eine Überleitung nicht ausdenken, denn ´Drücken´ ist das richtige Wort, welches die Ausmaße der Gästekabine beschreibt. Doch zuvor ließ es sich das Ballettensemble der Ersten nicht nehmen ihre absolute Trumpfnummer, die Holsteiner Hosentaschenpolonaise, vorzuführen. Zur Adventszeit wird dieser Tanz auch gerne unter dem Namen ´Die Nussknacker´ aufgeführt, wenn Sie verstehen was ich meine. 


Die Spinnen ragen über allem - Foto: Tiedemann

 

 

Achtung, die Spinnen!

Im Grunde bestimmen hauptsächlich drei Komponenten die Umkleideräume der Klever: Holz, Stromkabel und viel Spinnengewebe. Diese sogenannte HSV-Romantik im Stile einer kaputtgefeierten Aprés-Ski-Berghütte in Sölden ist in Zeiten von Ikea und ´Schöner Wohnen´ nur noch ganz ganz selten zu finden. Doch so richtig konnte sich an diesem Tag niemand über diesen Glücksfall freuen. Ängstlich zog man die Quadratschädel ein, um nicht den Spinnennetzen, so groß wie Aalreusen (und auch so stabil), zum Opfer zu fallen. 

Zwar hatte man vier Leute auf der Bank, aber vorzeitig einen Kameraden so auf diese Art zu verlieren, ist nicht schön mit anzusehen, wie er sich stundenlang quält und später noch zuckend hier zurückgelassen werden muss. Zumindest den Hauch eines Lächelns zaubert die anscheinend von Grundschullehrerinnenhand (Werken und Reli) gemalte Ermahnung auf sein Hab und Gut zu achten. Inhalt und Form ist diskutierbar.
 
Elektrizität und Wasser? Keine gute Lösung

Dass die Gästekabine wochentags als Intensivlabor der Fachhochschule Huje-Aebtissinwisch für Amateurelektrik und Kurzschlussforschung genutzt wird, wissen nur die wenigsten.   In der hintersten Ecke hängt das sogenannte `Kleine Umspannwerk´. Mittels dieser Anlage kann das südliche Skandinavien, Teile West-Holsteins und ganz Mehlbek zeitweise vom Stromnetz und vom guten Glauben abgekoppelt werden. 

 


Fachmännisch verlegt - Foto: Tiedemann

 

Medusengleich schlängeln sich hier  fliehende Stromkabel wie die Puffottern nach allen Seiten aus dem schützenden Kabelschacht ins Freie. Der permanente drohende Brummton im Raum ändert seine Frequenz bei jedem weiteren Sportsfreund, der nass aus der Dusche den Raum betritt - beängstigend! 

Willkommen in der blauen Lagune! Bis auf den Namen sind Gemeinsamkeiten mit gleichnamigem Fummelfilm, in dem zwei gestrandete Jugendliche ihre Sexualität entdecken, nicht auszumachen! Verbaute Glasbausteine, die  unvermeidliche Holzvertäfelung und blaue Kacheln nach Hausfrauenart haben soviel mit körperlicher Zuneigung zu tun, wie eine Holsteiner Schwarzbunte mit einem Auftritt in der restlos gefüllten Las Ventas, der Stierkampfarena von Madrid.

Wasser marsch!

Die drei direkt an der Decke montierten Brauseköpfe spenden zwar einen sanften Strahl, geben ihr nasses Gut jedoch zu verschwenderisch preis, so dass die Spätduscher ihre Schaumpflege nur unter staccatoähnlicher Hyperventilierung vornehmen können.  Eine Generalreinigung mit Salpetersäure und Salmiakgeist wäre eine Überlegung wert. Die Fugen und der Abflussdeckel in Größe eines Salzstreuerverschlusses schreien geradezu danach.


Die blaue Lagune - Foto: Tiedemann

 

 

Bleibt abschließend nur noch die Frage nach den Standards. Und eben da hat Kleve einen Superlativ zu bieten.  Protzig im Flur, wie das Geweih eines erlegten Sechzehnenders, hängt ein wahres Schlauchmonster. Mit so einem Kawennsmann, der jedes Großfeuer einer Reifenfabrik mal nebenbei kurz auspinkelt, wird hier durchgespült. Und das zu Recht! Nur mit einem Druck von mindestens 40 Bar und einer Zweimannbesatzung am Schlauch plus Helfer am Haupthahn kann hier alles zu Tale rauschen. Eine Inbetriebnahme muss jedoch vorher beim Wasserbeschaffungsverband Krempermarsch schriftlich angemeldet werden.

Ich schätze mal das der Verein noch gute zwanzig Jahre für diesen Luxusartikel abzahlen muss. Und am Ende ein paar Impressionen: Pilzkulturen im Kühlschrank der Gästekabine. Diese gibt´s in Kollmar auch, nur werden unsere mit "s" geschrieben. Und wenn es dann Abend wird in Kleve, breitet sich der Mantel des Schweigens über den Ort aus, wo sich Fuchs und Igel alles mögliche sagen und der Vorstand allen Unbefugten das Betreten untersagt. Sie werden wissen warum... und wir wissen es jetzt auch! Gute Nacht. 


Gesamturteil: Freier Fall in Peissener Verhältnisse.

Wertung: Zwei Wischmöpse. Aus reiner großmütiger Menschlichkeit.



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