Dann ist es wieder soweit und das entscheidende Spiel naht. Wieder die Lasershow, wieder die Musik in der Dunkelheit und wieder Gänsehaut bis zum geht nicht mehr. Die Mannschaft kommt herein, die gelbe Ecke jubelt sich nen Wolf - und die Magdeburger-Fraktion stimmt doch tatsächlich mit ein.
Dann die Lokalmatadore - Unterstützung auch aus den Kieler Reihen. Doch auch durch diese Verstärkung kann ich die Aussage eines Hamburger-Fans nicht bestätigen: „Die Hälfte der Halle ist für uns, die andere für die SG, aber wir sind lauter!“ Na wenn er meint …
Eine Ruhe zum verrückt werden
Ein Tipp für alle, die sich in Zukunft irgendwelche großen Turniere der SG anschauen wollen:
Setzt euch so, dass ihr Rolf Bechtold nicht ständig im Blick habt. Diese unglaubliche Ruhe, zum Verrücktwerden! Während die gelben 800 dem Herzkasper bei jedem Tor ein Stück näher sind, wandert seine Hand im Höchstfall gerade einmal von der Wange zum Kinn. Wie macht er das, kann man das lernen??? ;)
Den Anpfiff der zweiten Halbzeit und die erste Spielminute habe ich mir diesmal auf dem Flur auf einem der unzähligen Monitore angesehen um zu wissen, wie die Stimmung im TV rüberkommt. Und was musste ich feststellen: Nicht mal 10% der Funken springen über. Schade. Aber trotzdem sieht es toll aus, besonders das gelb-blaue Fahnenmeer, das man, wenn man selbst drinnen steckt, ja gar nicht in voller Größe sehen kann.
Und wieder einmal eine der längsten Minuten meines Lebens. Nur mit dem Unterschied, dass es diesmal nicht gut ausgegangen ist. Der Schock sitzt tief. Die HSV-Kurve kreischt und jubelt und die Mannschaft hoppelt wie eine Packung Flummys durch die Halle. Klar, was sonst.
Glücklicher, aber verdienter Sieger HSV
Und unsere? Mariusz liegt noch immer am Kreis und die anderen stehen oder sitzen mit leeren Blicken umher. Die Fotografen krabbeln um Uwe herum, der unter einem Handtuch einen ruhigen Moment sucht, und knipsen was das Zeug hält. Tränen verkaufen sich eben gut. Auch im Fanclub fließen vereinzelte.
Das Schlimme ist aber nicht mal, den Pott nicht gewonnen zu haben, sondern die Tatsache, dass es am Ende so knapp war und mehr oder weniger durch Glück entschieden wurde. Das heißt jetzt nicht, dass der HSV nicht verdient gewonnen hat, nein. Nur war es viel mehr so, dass ich selten ein so ausgeglichenes Spiel gesehen habe - siehe auch Endstand (26:25 zur Halbzeit 9:10).
Die Führung hatte im 30-Sekunden-Takt gewechselt, eine halbe Minute früher oder später wären wohl wir die Sieger gewesen. Die Knappheit (wenn es das Wort gibt) war das Ärgerliche, und die Tatsache, dass sie es sich durch gestern so was von verdient hätten. Umso mehr tut es weh zuzusehen, wie bei den Spielern die Tränen kullern und sie immer wieder auf die Anzeige sehen.
Unsere Sieger der Herzen
Verloren, das ist alles was für sie in diesem Moment zählt. Vergessen der Sieg über Gummersbach und der Einzug ins Halbfinale sowie der über Kiel. Sie sind Zweiter - quasi von 18 Mannschaften - und trotzdem fühlt es sich an, als hätten sie alles verloren. Die Fans haben sich schneller gefangen und überall hört man vom ’Sahnehäubchen’, zu dem es heute nicht gereicht hatte.
Für uns sind sie allemal Sieger, und das nicht nur, weil sie unsere Mannschaft sind, sondern weil sie über sich selbst hinaus gewachsen sind. Martin Schwalb, der Trainer der Hamburger geht an uns vorbei zu den Leuten vom NDR und applaudiert uns dabei anerkennend.
Die Jungs kommen wieder in unsere Kurve um sich zu bedanken und die Fans zeigen ihren Stolz noch einmal in voller Lautstärke. Dankbares Nicken, dann schleichen sie mit hängenden Köpfen in die Kabine. Wenig später sind die beiden Podeste aufgebaut und die Mannschaft wird unter frenetischem Jubel aufgerufen. Mittlerweile sind aus Mariusz’ und Steffens Tränen Sturzbäche geworden und den Fans rutschen die Herzen noch ein Stück tiefer in die Hose.
Klimo geht in Deckung, als die HSVler Sekt durch die ganze Halle sprühen und Mariusz ist alles egal, er lässt sich teilnahmslos beregnen. Die silbernen Medaillen baumeln vergessen über den gelben Trikots, als sie wie geprügelte Hunde von Dannen ziehen. Immerhin konnten Mariusz und Maros am Ende noch die Ehrung für den ’Torschützen des Turniers’ bzw. des ’Torwarts des Turniers’ entgegennehmen …
Erleben Sie mehr! Das WE der Lions geht weiter:Teil 1: Baden Lions: Gelbe Welle zum FINAL FOURTeil 2: Jubel ohne GrenzenTeil 3: Sekt zum FrühstückTeil 4: Letzte Vorbereitungen fürs FinaleTeil 6: Stolz wie Oskar auf unsere Mannschaft