WM 2007: Krönung eines unglaublichen Teams


Glücksmoment: Kapitän Markus Baur mit der WM-Trophäe - Foto: DHB-Axel Heimken
Glücksmoment: Kapitän Markus Baur mit der WM-Trophäe - Foto: DHB-Axel Heimken

Die Handball-WM 2007 in Deutschland entwickelte sich schnell zum viel umjubelten Wintermärchen. Gekrönt wurde am Ende das Team des Gastgebers. Heiner Brand und seine Mannschaft schaffte das Unmögliche und wurde Weltmeister.

Dass der 23. April 2004 ein wichtiger Tag in der Geschichte des Deutschen Handballs war, konnte jedem Beteiligten, jedem Fan dieser faszinierenden Sportart schnell klar werden. Der Rat der IHF (Internationale Handball Federation) vergab in Basel die XX. Handball-Weltmeisterschaft an Deutschland. Für den damals frischgebackenen Europameister die große Chance, sich der Welt zu präsentieren.

Knapp 3 Jahre hieß es nun, auf dieses große Ziel „WM im eigenen Land“ hinzuarbeiten. Nicht nur für Bundestrainer Heiner Brand und seine Mannschaft, auch für den DHB, um Präsident Ulrich Strombach und sein Organisationskomitee. Man wollte den Handball populärer machen, ihn näher an den Volkssport Nummer 1 Fußball heranbringen. Nun, ob Fluch oder Segen, lag 2006 das Großereignis schlechthin vor einheimischen Türen. Franz Beckenbauer hatte die Fußball-WM 2006 nach Deutschland geholt. Die Welt war eingeladen „Zu Gast bei Freunden“. Es entwickelte sich das legendäre „Sommermärchen“ und keiner dachte zu diesem Zeitpunkt im Sommer ´06 an die nahende Handball-WM. Zu mächtig erschien König Fußball, zu mächtig die Euphorie, die sich um die Nationalmannschaft von Jürgen Klinsmann und Jogi Löw aufgebaut hatte. Ein ganzes Land war auf einmal „Schwarz-Rot-Gold“ im Fußballfieber.

„Projekt Gold 2007“

Dementsprechend unbemerkt begann für Brands Team dann auch die Vorbereitung auf die Welttitelkämpfe, die vom 19. Januar – 04. Februar 2007 Handball-Fans in Atem halten sollte. Heiner Brand, als Spieler Weltmeister 1978, auch als Trainer längst zur Ikone aufgestiegen, versuchte so gut es ging, den aufkommenden Vergleichen aus dem Wege zu gehen. Rückblicke auf „seinen“ WM-Triumph von Kopenhagen waren nicht sein Ding, wollte er damit auch seine Jungs um Kapitän Markus Baur nicht langweilen. Ob es denn jetzt ein Wintermärchen geben würde, beantwortete er achselzuckend: „Ich kann im Januar kein Sommermärchen garantieren. Aber ich kann garantieren, dass wir bei jedem Auftritt Volldampf geben.“

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Offenbar war diese Überzeugung auch aus dem Team heraus geboren. Als sich der erweiterte WM-Kader im Sommer ´06 zu einem Lehrgang traf, da gaben die Spieler sich ihr Ziel selbst an die Hand: „Projekt Gold 2007“ stand auf ihren gedruckten T-Shirts. Die Botschaft klar und eindeutig: „Wir wollen den Titel im eigenen Land.“ Für den ehemaligen Handball-Nationalspieler Jörg Löhr, der als Motivationstrainer zum Stab von Brand gehörte, war dies ein wichtiger Schritt. Immer wieder verdeutlichte er den Spielern, welch unglaublich große Chance sie haben und worauf es ankommt. Der Leitsatz lautete: „Der WM-Erfolg führt nur über das TEAM“. Eine Tatsache, die sich schon für den EM Triumph 2004 verantwortlich zeichnete. Teamgeist war das Zauberwort. 

Trotzdem war dem Trainer aber auch aus der Vergangenheit klar, dass „jede Mannschaft Spieler braucht, die über allen anderen stehen, sonst funktioniert keine Mannschaft“. Das Motto blieb bestehen: „Einer für alle – alle für einen“. „Was uns alle verbindet, ist dieses große Ziel. Wir ziehen alle an diesem Strang und laufen in eine Richtung“, formulierte Abwehrchef Oliver Roggisch das Einheitsdenken. Und mit positiven Signalen und Omen stimmte Chef Heiner seine Mannen weiter ein. So reiste die Nationalmannschaft zu einem Lehrgang ins österreichische Ampflwang. Samt Frauen und Freundinnen. Genau so hatten sie es bereits vor dem EM-Triumph 2004 gemacht. Nichts sollte bei „Projekt Gold“ dem Zufall überlassen werden.

Verletzungsorgen in der WM-Vorbereitung

Nachdem die Fußballer bei der WM ihren Traum vom Titel ausgeträumt hatten, wagte man sich beim DHB nun auch an die Präsentation der eigenen WM. Mit einer Road-Show durch alle Städte Deutschlands, die WM-Spiele austragen durften, begann die heiße Phase. Heiner Brand, ohnehin einer der bekanntesten Handballer des Landes, wurde vor den PR-Karren gespannt und wurde zweifelsohne zu DEM Gesicht der Weltmeisterschaft. Für den ehemaligen Nationalspieler und Paradiesvogel Stefan Kretzschmar war Brands Werbetour logisch: „Heiner ist eine Lichtgestalt und war der einzige Star dieser Mannschaft. Er hat über allen geleuchtet und so den Druck von den Spielern genommen.“

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Trotzdem wuchs der Druck natürlich unaufhaltsam. Zum einen durch die Erwartungshaltung der eigenen Fans, zum anderen aber auch wegen einer wieder einmal sehr schwierigen Vorbereitungsphase. Besonders tragisch war sicher der Ausfall von Jens Tiedtke. Der Kreisläufer aus Großwallstadt stand vor dem schwersten Kampf seiner Karriere. Operativ wurde bei ihm ein Gehirntumor entfernt. Mit Erfolg und wichtiger als alle Handballtitel dieser Welt. 

Aufgrund von Verletzungen und Blessuren fehlte dem Bundestrainer teilweise fast die Hälfte seines Kaders. An eine reibungslose Eingewöhnungsphase war kaum zu denken. Am 03. Januar 2007 begann das letzte Trainingslager vor der WM und 10 Tage vor dem Eröffnungsspiel las sich die Verletztenliste wie das „Who is who“ des deutschen Handballs: Andrej Klimovets, Thorsten Jansen, Sebastian Preiß, Oleg Velyky, Holger Glandorf, Markus Baur, Rolf Hermann und Florian Kehrmann waren teils mehr, teils weniger angeschlagen. Heiner Brand war der Verzweiflung nahe: „Das ist doch nicht mehr auszuhalten. Nimmt diese Verletzungsmisere denn nie ein Ende?"

Ein "Hexer" für den "alten Fritz"

Zur illustren Runde der ganzen Verletzten gesellte sich zudem ein Sorgenkind der ganz anderen Art: Torhüter Henning Fritz. 2004 Europameister und als erster Torwart zum Welthandballer des Jahres gewählt, befand sich in einem Leistungsloch, dass tiefer gar nicht hätte sein können. Vor dem wohl wichtigsten Turnier seiner Karriere wurde der Keeper vom THW Kiel von seinem Trainer Noka Serdarusic degradiert. Hinter dem französischen Weltklassetorhüter Thierry Omeyer und dessen Ersatz Mattias Andersson war Fritz nur dritte Wahl. Sein Auftreten war dementsprechend. Negativ, geknickt und immer nur auf der Suche nach eigenen Fehlern. 

Obwohl Brand sich bewusst war, dass er nur mit einem überragenden Gespann zwischen den Pfosten etwas erreichen konnte, entschied er sich für Fritz, setzte auf die Karte „Vertrauen“ und hoffte inständig, dass Torwarttrainer Andreas Thiel seine Nummer 1 wieder auf Weltklasseniveau führen kann. Neben ihn stellte er Johannes „Jogi“ Bitter vom SC Magdeburg als zweiten Mann. Es bildete sich ein Team im Team. Kein Neid, keine Missgunst. Und im Gegensatz zu den hochbezahlten Kollegen der Fußballnationalmannschaft gab es kein mitleidvoll, lächerliches Theater wie zwischen Jens Lehmann und Oliver Kahn. Im Gegenteil: „Ich akzeptiere ihn immer noch als Lehrmeister. Wenn ich ihm von außen etwas sage, glaubt er mir das. Das zeigt seine Größe“, beschreibt Bitter sein Verhältnis zur Nr. 1.

Auf der Suche nach der eigenen Stärke: Henning Fritz - Foto: Autogrammkarte
Auf der Suche nach der eigenen Stärke: Henning Fritz - Foto: Autogrammkarte

Ein ganz anderes Problem haben viele Experten und Ehemalige kurz vor dem Startschuss ausgemacht. Die Vermarktung und Promotion. Wenige Stunden vor dem ersten Anpfiff wussten viele der Befragten Bundesbürger gar nicht, dass eine WM im eigenen Land stattfindet. Lediglich 12,8% waren laut einer Umfrage eines Meinungsforschungsinstituts im Bilde. Handball-Legenden wie Erhard Wunderlich und Frank-Michael Wahl, aber auch Manager Bob Hanning, selbst WM-Botschafter für die Stadt Berlin, bemängelten und kritisierten die Präsentation dieses großen Events. Nichtsdestotrotz belegten zumindest die Zahlen der verkauften Eintrittskarten eine enorme Begeisterung bei den Fans.

"Die Gefahr des Beeindrucktseins"

Aber würde dies reichen, einen ähnlichen Hype zu entfachen, wie in diesem legendären Sommer 2006? Würden Public Viewing und Fanpartys die Handball-WM zu einem Fest machen? Vieles, und da waren sich alle einig, würde am Auftreten und Abschneiden der deutschen Mannschaft hängen. „Vom Abschneiden des Gastgebers hängt viel ab bei dieser WM“, offenbarte IHF-Präsident Dr. Hassan Moustafa. Der Druck wuchs weiter.

Dies störte die Nationalmannschaft aber alles nicht mehr. Im Sportparkhotel der Gerry-Weber-Arena in Halle/Westfalen bereiteten sie sich auf ihr Eröffnungsspiel gegen Brasilien vor. Für Heiner Brand ging es in den letzten Tagen vor der Abreise nach Berlin darum, die Konzentration hochzuhalten. 2 Tage noch und Brand merkte wie schwierig diese Aufgabe war. 

Beim Training in der Gerry Weber Arena war er mit den Leistungen seiner Schützlinge unzufrieden. Zudem wurden die letzten beiden Testspiele gegen Ägypten verloren. „Damit werden wir auf die Schnauze fallen, wenn wir das nicht ganz schnell abstellen“, raunzte er ob der laschen Einstellung und der vielen Flüchtigkeitsfehler bei dieser Übungseinheit. Zudem machte er sich Gedanken über die möglichen mentalen Fallen, die eine WM im eigenen Land für sein Team bereithalten könnte: „Die Gefahr des Beeindrucktseins ist sicherlich gegeben“, orakelte ein vorsichtiger Cheftrainer.

„Wenn nicht jetzt, wann dann…."

Am 18. Januar stand dann endlich die Reise nach Berlin auf dem Programm. Auch wenn Orkantief "Kyrill" seine Kreise über Deutschland zog, mutete der Weg per ICE in die Hauptstadt eher wie die Ruhe vor dem großen Sturm an. Zwar mit stürmischer Verspätung eingetroffen, dafür fast unbemerkt konnten sich die Nationalspieler bewegen. Mal ein Foto hier, ein Autogramm dort. Große Begeisterung war nicht zu spüren. Noch nicht.

Und wieder stand der Vergleich zum Sommermärchen. „Dieser Weg wird kein leichter sein“ transportierte Xavier Naidoo. Es war der Hit der Fußballer, umso passender für die Handballer in diesen Stunden vor der Eröffnung. Dabei hatten sie ihren ganz eigenen WM-Song in der Tasche, der vielleicht noch passender, weil viel optimistischer die Situation der Stars heraufbeschwor: „Wenn nicht jetzt, wann dann….Es ist Zeit, Komm wir nehmen das Glück in die Hand“ von der Kölner Gruppe „Höhner“ drückte aus, was alle Fans von Fritz, Hens & Co sich wünschten.

Die abschließende Pressekonferenz war gut besucht, aber ein Medienhype war auch hier noch nicht auszumachen. Ein ungewohntes Bild war sicher die Präsenz des arabischen TV-Senders Al Jazeera, der umfangreiche Berichterstattung plante und zudem auch als Sponsor dieser WM auftrat. Unaufmerksame, vielleicht sogar humorlose Zuhörer, gerieten bei dieser PK in Gefahr, den ersten Skandal schon vor dem ersten Anwurf zu wittern. Horst Bredemeier, Vizepräsident des DHB, wollte gerade die Fragerunde beenden, da sprudelte folgender Satz aus ihm heraus: „Wenn wir soweit fertig sind, können wir Heiner Brand jetzt entlassen.“ Kaum ausgesprochen reagierte ein schlagfertiger Bundestrainer: „Schon vor der WM?“ Der Witz verdrängte auch bei Brand für kurze Zeit die Anspannung. Grinsende Gesichter sorgten für Auflockerung.

Handball-Legende Jo Deckarm feierte beim Eröffnungsspiel seinen Geburtstag - Foto: Autogrammkarte
Handball-Legende Jo Deckarm feierte beim Eröffnungsspiel seinen Geburtstag - Foto: Autogrammkarte

Dann endlich war der Tag gekommen. Am 19. Januar um 17:16 Uhr eröffnete Bundespräsident Horst Köhler in einer ausverkauften Max-Schmeling-Halle die XX. Handballweltmeisterschaft. Bei der letzten Teambesprechung schwört Brand seine Männer noch einmal ein auf die größte und längste WM aller Zeiten. 17 Tage, 92 Spiele, Hochspannung pur. „Spaß haben am Kampf, am Miteinander, am Erfolg“, so die Message für die Mannschaft. Kurz, knapp, und vor allem den Punkt treffend. Für die Fans aus aller Welt hörte sich das WM-Motto so an: „Celebrate the Game“.

Gefeiert wurde an diesem Tag auch ein nie vergessenes Idol. Joachim „Jo“ Deckarm feierte zusammen mit den 10.000 Zuschauern seinen 53. Geburtstag. Das lautstarke Ständchen für den ehemaligen Weltklasse-Handballer, der seit seinem schweren Sportunfall 1979 pflegebedürftig ist, gehörte zweifelsohne zum ersten richtigen Gänsehautmoment dieser WM.

„Ganz ruhig, meine Nerven flattern auch.“

Als es auch für die Aktiven losging, stieg zwar die Konzentration, aber auch die Anspannung. Linksaußen Dominik Klein marschierte mit einem kleinen Jungen an der Hand in die Arena und fragte ihn, ob er denn nervös sei? Das zittrige „Ja“ des Kleinen beantwortete der Youngster der Nationalmannschaft zur Beruhigung des Jungen: „Ganz ruhig, meine Nerven flattern auch.“

Knapp 80 Minuten später strich sich der Bundestrainer mit einem leichten Grinsen durchs Haar, setzte sich und hielt die Hand vors Gesicht. Gesten der Erleichterung nach dem 27:22 (12:10) Auftakterfolg über Panamerikameister Brasilien. „Gewonnen, egal wie“ mochten sich die Fans gedacht haben, ebenso wie die gesamte DHB-Auswahl. „Die Mannschaft war unsicher, spielte zu viele Risikopässe und muss mehr Geduld haben. Wir haben gewonnen, das ist positiv. Aber wir müssen uns noch in sehr vielen Bereichen steigern“, erklärte Brand nach einer Partie, in der seine Mannschaft die engagiert und couragiert aufspielenden Südamerikaner niedergekämpft hatte. Respekt hatte sich die Nationalmannschaft bei ihren Konkurrenten um den Titel allerdings nicht erspielt. Für Ärger sorgte der rutschige Boden der italienischen Firma Mondo, der für zahlreiche Ausrutscher auf den Werbeflächen nahe der Angriffszonen sorgte.

Zurück im Mannschaftsquartier in Halle begann die Aufarbeitung der eigenen Leistung und zugleich die Vorbereitung aufs zweite Vorrundenspiel gegen Argentinien. Mit einem Sieg, das stand fest, war der Einzug in die Hauptrunde in trockenen Tüchern. Doch schon vor Anpfiff erreichten die Fans die nächsten Hiobsbotschaften. Michael „Mimi“ Kraus musste wegen eines leichten grippalen Infekts bereits im Vorfeld passen und Kreisläufer Andrej Klimovets zog sich in der Aufwärmphase eine Wadenverletzung zu, die ihn für einige Tage Schach Matt setzen sollte. Gerade dieser Ausfall sollte für den weiteren Verlauf des Turniers enorme Folgen haben. Den positiven Anfang dieser Folgen machte in dieser Partie gegen Argentinien Klimos Ersatz Sebastian Preiß, der mit 5 Toren zum „Man of the Match“ gewählt wurde. Insgesamt präsentierte sich der DHB verbessert und siegte haushoch überlegen mit 32:20 (17:11). Das Minimalziel „Hauptrunde“ war somit erreicht und auch die 11.000 Fans in der Gerry Weber Arena liefen langsam auf WM-Touren. „Wir haben in allen Bereichen noch Steigerungsbedarf“, analysierte Brand.

"Blacky" Schwarzer war zurück. Ein Mosaikstein auf dem Weg zum Titel - Foto: Autogrammkarte
"Blacky" Schwarzer war zurück. Ein Mosaikstein auf dem Weg zum Titel - Foto: Autogrammkarte


"Back in Black" - Das Comeback von Christian Schwarzer 

Inzwischen leistete die medizinische Abteilung um Mannschaftsarzt Dr. Berthold Hallmaier und Physiotherapeut Peter Gräschus Akkordarbeit. Regeneration für die eingesetzten Spieler und vor allem die Behandlung des verletzten Klimovets, Diagnose Muskelfaserriss, ließen am Abend dieses 21.01.2007 den Betreuerstab rotieren. Schnell war klar, dass Klimovets, eine Stütze der Mannschaft, für das abschließende Vorrundenspiel gegen Polen auszufallen drohte. Zwar ging es gegen die vom ehemaligen Bundesliga- und deutschen Nationalspieler Bogdan Wenta trainierten Polen „nur“ um die bessere Ausgangsposition für die Hauptrunde, dennoch sah sich Brand unter Druck und Zugzwang gesetzt.

Zusammen mit seinem Co-Trainer Martin Heuberger besprach der Chef das weitere Vorgehen. Bis zum nächsten Morgen 10 Uhr, so glaubte man in Reihen der sportlichen Leitung, ist Zeit für eine eventuelle Nachnominierung. Als Journalisten vom personellen Dilemma erfuhren, sprachen sie DHB-Pressewart Charly Hühnergart auf eine mögliche Reaktivierung des Routiniers Christian Schwarzer an. Da war es schon kurz vor 22 Uhr, aus Sicht des DHB schon kurz vor 12, denn die Frist für eine Nachnominierung sollte in wenigen Minuten ablaufen. Daraufhin eilte Hühnergart zu Brand, bereitete den Antrag vor und überreichte um kurz vor 10 am Abend der IHF den Zettel. Schwarzer, der für das ZDF als TV-Experte die WM verfolgte, ahnte zu diesem Zeitpunkt noch nichts. Wenige Wochen zuvor, als die Kollegen schwitzten und sich auf das Projekt Gold vorbereiteten, besuchte der bullige Kreisläufer des TBV Lemgo in Dallas/USA seinen Freund Dirk Nowitzki. Das er zu WM-Ehren als Spieler kommen würde, war nicht zu denken, obwohl ihn Brand in seinen erweiterten Kader hatte melden lassen, der für den möglichen Einsatz berechtigte. 

„Blacky“ Schwarzer saß gerade im Auto und war nach dem Argentinien-Spiel auf dem Heimweg, als sein Handy klingelte. Kurz teilte Brand ihm mit, dass er gemeldet sei. Ohne auch nur annähernd zu zögern, ohne großes Aufhebens stand er am nächsten Morgen auf der Matte. Schwarzer war zurück. Welch Ausmaß dieser Anruf von Brand haben sollte, bekam eine ganze Nation in den folgenden Tagen zu spüren. Sicher gab es auch Zweifler an der Rückkehr. Denen nahm Brand jedoch jeglichen Wind aus den Segeln: „Wenn man so gut ist wie Christian, dann kann man eine WM auch ohne Vorlauf bestreiten“ und der jüngste im Team, Dominik Klein, drückte aus, was alle Mitspieler dachten: „Es ist so, als wäre er nie weggewesen.“ Dabei lag sein letzter Auftritt mit dem Bundesadler auf der Brust ganze 825 Tage zurück. Kreise müssen sich schließen und so wählte der alte und neue Nationalspieler als Rückennummer die „41“. Die Nummer des Kumpels und Superstars der NBA, Dirk Nowitzki. (anhe)


Zahlen und Fakten

Sportart: 

Handball

Anlass: 

XX. Weltmeisterschaft 

Datum: 

19. Januar - 04. Februar 2007 

Motto: 

Celebrate The Game 

Gastgeber: 

Deutschland 

Titelverteidiger:

Spanien

Spielorte:

Köln, Hamburg, Mannheim, Dortmund, Lemgo, Wetzlar, Stuttgart, Halle/Westfalen, Magdeburg, Bremen, Kiel, Berlin

Finale: 

Deutschland - Polen

Ergebnis: 

29:24 (17:13)

Zuschauer: 

19.000 in der Kölnarena

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