1984 - Hohns Speerwurf für die Ewigkeit


Uwe Hohn präsentiert "seine" Weite - Foto: imago
Uwe Hohn präsentiert "seine" Weite - Foto: imago

1963 wurde der „Olympische Tag“ im Ost-Berliner Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark ins Leben gerufen. 23 Weltrekorde haben die weltbesten Leichtathleten bis ins Jahr 1984 an dieser historischen Sportstätte aufgestellt. Und auch an diesem 20.07.1984 trat die Weltelite in Berlin an. 15 Olympiasieger, 19 Weltmeister, 17 Welt- und 20 Europarekordler aus 18 Ländern präsentierten sich den 21.000 Zuschauern.

Doch einer stahl an diesem Abend allen die Schau: Uwe Hohn. Der Europameister von 1982 schrieb Sportgeschichte. 89,80 m standen für den Werfer des ASK Vorwärts Potsdam auf den Listen der Wertungsrichter. Um 19:53 Uhr lief der hünenhafte DDR-Athlet zu seinem zweiten Versuch an. Die letzten drei Schritte rammt er förmlich in den Boden. Den linken Fuß zieht er hinterher bevor er mit ungeheurer Spannung in seinem rechten Arm den 800 Gramm schweren Speer in den Ost-Berliner Abendhimmel katapultiert.

104,80 Meter für die Ewigkeit

 „Ein Wurf ist dann gelungen, wenn der Speer von hinten nur noch wie ein Punkt in der Luft erscheint“, sagte Hohn einmal über „den“ perfekten Wurf. Bei diesem 22. Olympischen Tag war es so einer dieser Würfe. Ein Murren ging durch das Publikum, als der Speer in der Luft war. Länger, viel länger als bei allen Würfen vorher. Am Ende der Rasenfläche fanden Hochsprungwettbewerbe statt, Hohns Wurf verfehlte die Sprunganlage nur knapp. Nach 104,80 m siegte die Schwerkraft und holte das Wurfgerät vom Himmel. Uwe Hohn hat es geschafft. Erster anerkannter Speerwurf über die magische 100 Meter Marke. Er löscht den 13 Monate alten Weltrekord des US-Amerikaners Tom Petranoff (99,72 m).

1984 - Hohns Speerwurf für die Ewigkeit! Hier geht's zum Video auf YouTube (englisch)

„Ist schon eine schöne Weite. Zuerst frontal gegen den Wind, das gab ihm Höhe und dann hat er sich hinten schön lang gemacht“, sprach Hohn in die Mikrofone der staunenden Journalisten-Gilde. Die Konkurrenz war geschockt, die Veranstalter nicht vorbereitet. Die Anzeigentafel verkündete: 04,80 m der Nr. 106 im zweiten Versuch. Die Hunderter-Marke war schlicht nicht vorgesehen. Die Zuschauer waren aus dem Häuschen, Hohn selber schien wenig überrascht: „Für mich persönlich war der EM-Titel 1982 wichtiger, weil er überraschender kam. Die 100 Meter standen auf der Tagesordnung, auf die war ich vorbereitet“.

Nötige Regeländerungen

Unterdessen wurde ein weiterer Weltrekord an diesem historischen Abend kaum wahrgenommen. Die Bulgarin Ljudmila Andonova überquerte beim Hochsprung 2,07 m und stellte nur wenige Minuten nach Uwe Hohn die nächste Bestmarke auf. Aber die Aufmerksamkeit gehörte nur einem. Dem Jahrhundert-Werfer Uwe Hohn. Sein Rekord war ein Wurf in eine neue Dimension, eine Bestmarke für die Ewigkeit. Der internationale Leichtathletik Weltverband IAAF sah sich gezwungen die Regeln zu ändern. Durch die neuen Richtlinien für Speere, die 1986 in Kraft traten, sollten die großen Weiten vermieden, dadurch die Zuschauer geschützt werden. Erster Weltrekordler der neuen Regelung war Klaus Tafelmeier aus Deutschland mit 85,74 m. (anhe)


Zahlen und Fakten

Tag:

20.07.1984

Uhrzeit:

19:53 Uhr (MESZ)

Ort:

Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark, Ost-Berlin

Sportart:

Leichtathletik

Anlass:

22. Olympischer Tag

Zuschauer:

21.000

Disziplin:

Speerwerfen