1992 - 5x Gold für deutschen Bahnvierer

 



Kam ins Team und fuhr das Olympische Finale: Guido Fulst - Foto: Autogrammkarte

 

Sportart: 

Radsport (Bahn)

Anlass: 

Olympische Spiele der XXV. Olympiade

Ort: 

Velòdrom in Horta, Vall d'Hebron Olympic Area, Barcelona

Datum: 

31. Juli 1992

Disziplin: 

4000m Mannschaftsverfolgung

Ergebnisse:

1. GER 4:08.791 WR
2. AUS 4:10.218
3. DEN 4:15.860

 

 


Hartes Los für Andreas Walzer - Im Finale nur Zuschauer, trotzdem Olympiasieger

 


Andreas Walzer bekam trotzdem eine
Goldmedaille - Foto: FC RLP

 

 

Andreas Walzer ist vielen Radsportfreunden als Experte der ARD bei der Tour de France ein Begriff. Man merkt ihm die Freude dabei an, in einem lustigen Kurzfilm gegen Marcel Wüst eine Etappe zu fahren. Spaß macht es ihm auch als Beobachter der Tour de France die Strecken vorzustellen, die Hintergründe zu beleuchten und das Renngeschehen zu kommentieren. 1992 bei den olympischen Spielen in Barcelona war er schon einmal Zuschauer. Doch damals gab es für ihn keinen Grund zur Freude und es gab auch keinen lustigen Kommentar, denn er fand schlicht keine Worte: Er sollte nicht weiter im Bahnvierer antreten!

Vor dem 
Halbfinale nahm Bundestrainer Werner Oehme ihn aus dem Team. Einen erkennbaren Grund gab es nicht, immerhin war Andreas Walzer Vorjahres-Weltmeister in dieser Disziplin und die gefahrenen Zeiten waren nicht schlecht. Zwei Rennen hatte er erfolgreich bestritten im Velòdrom in Horta, einer Freiluft-Arena mit besten Bedingungen, die bereits 1984 Austragungsort der Weltmeisterschaft war.

4000 Meter Mannschaftsverfolgung, schnelle Runden auf der Bahn. 4000 m in 4:14.934, ein Schnitt von 56,485 km/h. Danach im 
Viertelfinale das Rennen gegen die Mannschaft aus Neuseeland. Wieder eine gute Leistung, eine deutliche Steigerung, 4:10.980 stehen auf der Uhr, ein Schnitt von 57,375 km/h! Deutschland ist weiter, Neuseeland ist raus. Aber auch Andreas Walzer ist raus, wird ersetzt durch Guido Fulst. "Never change a winning Team", sagt sich die Mannschaft und ist zunächst gegen den Wechsel. Es ändert sich aber nichts an der Entscheidung.

Halbfinale ohne Andreas Walzer

Anzeige:
StayFriends - Die Freundesuchmaschine


Im Halbfinale tritt der deutsche Bahnvierer mit Guido Fulst, Michael Glöckner, Jens Lehmann und Stefan Steinweg gegen die Mannschaft aus Dänemark an. Die Zeit im Ziel ist kaum besser als im Viertelfinale, 4:10.446. Dennoch ist Deutschland weiter, die Dänen sind gut fünf Sekunden langsamer. Eine Medaille ist jetzt sicher, Gold oder Silber. Im Finale gilt es, die starken Australier zu schlagen, deren Bahnvierer aus Brett Aitken, Stephen McGlede, Shaun O'Brien und einem gewissen Stuart O'Grady besteht.

Nach 1000 Metern ein Vorsprung von vier Zehnteln, bei der zweiten Durchfahrt schon fast eine Sekunde vor den Australiern. Die Mannschaft funktioniert. Im Ziel haben die Australier zwar eine sehr gute Zeit von 4:10.218, stärker als die Deutschen im Halbfinale, doch deren Steigerung ist sensationell! 4000 Meter in 4:08.791! Das ist neuer Weltrekord!


Guido Fulst, Olympiasieger auf der Bahn -
Foto: Autogrammkarte

 

 

 

Das bedeutet Gold für den deutschen Bahnvierer. Bei der Siegerehrung gibt es viermal Silber für Australien und fünfmal Gold für Deutschland. Fünfmal Gold für den Bahnvierer, denn auch Andreas Walzer wird mit der Goldmedaille ausgezeichnet. Als Mannschaftsmitglied mit zwei Starts steht auch ihm eine Medaille zu. Geehrt wird die Mannschaftsleistung, denn der Beitrag jedes Einzelnen in den Ausscheidungsläufen trägt schließlich zum Gesamterfolg bei. Andreas Walzer sieht das damals anders, ist enttäuscht - trotz Goldmedaille. Den Bahnvierer abgehakt, sammelt er ab 1993 Erfolge im Straßenradsport.

Die Umbesetzung im Bahnvierer hatte noch länger Bestand. So konnten acht Jahre später Guido Fulst und Jens Lehmann zusammen mit Robert Bartko und Daniel Becke in Sydney olympisches Gold für Deutschland holen. Und auch dabei gab es wieder eine Steigerung, denn dieses Finale gewann der Bahnvierer mit neuer Weltrekordzeit von 3:59.710 Minuten. Und wieder fünfmal Gold - dies war der fünfte Olympiasieg für den deutschen Bahnvierer.  (bz)

 


<-- zurück: Startseite