1993 - Deutsche Riesen auf dem Thron


1993 wird Deutschland erstmals Basketball-
Europameister. - Foto: imago

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4. Juli 1993
Olympiahalle, München (Deutschland)
10.800 (ausverkauft)
Basketball
Finale Europameisterschaft
2x20 Minuten
21:00 Uhr (MESZ)
22:46 Uhr (MESZ)
Deutschland - Russland
71:70 (38:35)


 

 


Center Hansi Gnad (r.) machte im Finale
sechs Punkte. - Foto: imago

 

Trotz Streetball, Michael Jordan und Detlef Schrempf, dem einzigen Deutschen in der nordamerikanischen Profiliga NBA, ist Basketball Anfang der 90er in Deutschland noch so etwas wie eine Subkultur. Gerade die Nationalmannschaft trumpft nicht unbedingt auf, hatte sich für die vorangegangenen zwei Europameisterschaften nicht einmal qualifiziert. So scheinen zum Start der Europameisterschaft 1993 in Deutschland, der zweiten im Lande nach 1985, die Voraussetzungen nicht gerade günstig. Als die von Svetislav Pesic trainierte Auswahl des Deutschen Basketball-Bundes (DBB) auch noch das EM-Auftaktspiel in Berlin gegen Estland mit 103:113 verliert, scheinen die Skeptiker bestätigt.

Doch dann erlebt die DBB-Auswahl einen kometenhaften Aufstieg, schafft mit zwei Siegen in den folgenden Spielen die Qualifikation zur Zwischenrunde und durch einen deutlichen 77:64-Erfolg gegen die Türkei am letzten Spieltag auch Sprung in die K.o.-Runde. Dort fängt der Siegeszug erst richtig an. Deutschland schaltet in nervenaufreibenden Spielen nacheinander die Favoriten aus Spanien (79:77 n.V.) und Griechenland (76:73) aus. Damit ist die Sensation perfekt, zum ersten Mal erreicht eine Basketball-Nationalmannschaft aus Deutschland das Endspiel einer Europameisterschaft.

"Wenn wir die Nerven behalten, können wir auch das Finale gewinnen", sagt Kapitän Hans-Jürgen "Hansi" Gnad, als die DBB-Auswahl am 4. Juli 1993 auch in der Münchener Olympiahalle gegen Russland als Außenseiter aufs Parkett geht. Von Beginn an entwickelt sich ein spannendes Spiel. Nach den ersten Punkten für Russland geht Deutschland in der fünften Minuten durch zwei verwandelte Drei-Punktewürfe von Michael Koch und Kai Nürnberger erstmals in Führung - 13:9. Zwischen der 10. und 16. Minute gelingt der Mannschaft von Trainer Pesic ein 10:0-Lauf und sie zieht unter dem Jubel der 10.800 Zuschauer auf 34:23 davon.


Kai Nürnberger (l.) legte zum entscheidenden
Korb auf. - Foto: imago

 

 

Führungswechsel in Halbzeit zwei

Erst ein Dreier des in der ersten Halbzeit mit 16 Punkten überragenden Sergej Babkov weckt Favorit Russland wieder auf. Doch die Underdogs aus Deutschland behaupten ihre Führung und gehen mit einem 38:35 in die Pause. Auch in der zweiten Hälfte erwischt der Gastgeber zunächst den besseren Start. Mit seinem zweiten erfolgreichen Dreier-Versuch bringt Michael Koch die DBB-Fünf mit 48:39 in Führung. Ein großes Manko der Pesic-Auswahl sind allerdings die Freiwürfe. Gerade einmal etwas mehr als 40% ihrer Versuche hat die deutsche Mannschaft zu diesem Zeitpunkt verwandelt. "Es könnten die fehlenden Punkte aus den Freiwürfen sein, die am Ende den Ausschlag geben“, orakelt Fernseh-Kommentator Fritz von Thurn und Taxis.

Die Russen arbeiten sich wieder heran. Acht Minuten vor Schluss geht die Auswahl von Trainer Juri Selikov durch zwei Punkte von Babkov erstmals seit Mitte der ersten Halbzeit wieder in Führung. Knapp drei Minuten vor Schluss liegen die Russen bei 68:63 mit fünf Punkten vorn. Doch angetrieben vom immer lauter werdenden Publikum kämpft sich Deutschland wieder heran. In der Defensive schnappt vor allem Christian Welp die wichtigen Rebounds und vorn übernimmt Aufbauspieler Kai Nürnberger die Verantwortung. Seine fünf Punkte in Folge bringen die DBB-Auswahl etwas weniger zwei Minuten vor Schluss wieder auf 68:68 heran.

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