 Fritz Walter war Kapitän der Weltmeister von 1954. - Foto: imago
| | Turek und der Pfosten retten Innerhalb der nächsten zehn Minuten berennt Ungarn energisch das deutsche Tor. Mit einigen Glanzparaden hält Turek das 2:2 für Deutschland fest, so dass Radio-Reporter Zimmermann begeistert ruft: „Turek du bist ein Teufelskerl. Turek du bist ein Fußballgott.“ In der 26. Minute hätte aber auch Turek keine Chance gehabt, doch der Pfosten rettet nach einem Schuss von Nandor Hidegkuti für die deutsche Mannschaft. Danach fängt sich die Elf von Trainer Sepp Herberger wieder ein bisschen. Vor allem Werner Liebrich fängt einige Angriffe der Ungarn ab. Allerdings bleibt der Favorit am Drücker. Nach 36 Minuten stockt den deutschen Anhängern der Atem, als Stürmer Sandor Kocsis – mit elf Toren erfolgreichster WM-Torjäger – nach einem Dribbling im Strafraum zu Fall kommt. Schiedsrichter Ling lässt aber weiterspielen. Die DFB-Auswahl gewinnt immer mehr an Sicherheit und hat kurz vor der Pause Pech, als Verteidiger Jeno Buzanszky einen Schuss von Rahn auf der Linie klärt (42.). Ansturm der Ungarn Zu Beginn der zweiten Halbzeit brennen die Ungarn ein wahres Feuerwerk ab. Fast im Minutentakt ergeben sich größte Chancen für die Magyaren. Doch mit vereinten Kräften und Glück bei einem Lattentreffer von Kocsis (58.) klärt die deutsche Abwehr um den überragenden Schlussmann Turek die brenzligsten Situationen. Ab der 60. Minute fängt sich die deutsche Mannschaft wieder. Aber erst in der 74. Minute kommt der Außenseiter wieder zu einer Torchance, als Grosics nach einem Schuss von Rahn aus spitzem Winkel klärt. Nur vier Minuten später muss Turek allerdings gegen den durchgebrochenen Czibor Kopf und Kragen riskieren. „Toni, Toni, du bist Gold wert. Du bist mindestens so schwer in Gold aufzuwiegen wie der Coup Rimet“, jubelt Reporter Zimmermann. In der Schlussphase gewinnt die deutsche Elf immer mehr an Sicherheit. Beide Mannschaften müssen dem schnellen Spiel bei strömendem Regen und tiefem Boden Tribut zollen, aber Deutschland hat noch etwas mehr zuzusetzen. Noch sechs Minuten sind zu spielen, als Ungarns Jozsef Bozsik den Ball in der Vorwärtsbewegung an Hans Schäfer verliert. Der linke Angreifer der Deutschen flankt den Ball in den Strafraum. Der Abwehrversuch der Ungarn landet auf halbrechts an der Strafraumgrenze bei Rahn, der nicht lange zögert, mit links abzieht und ins linke untere Eck trifft (84.). 3:2 für Deutschland! Spannung in den Schlusssekunden Die Sensation ist zum Greifen nah. Der Außenseiter führt. Ungarn liegt trotz einem Plus an Chancen erstmals bei diesem WM-Turnier hinten. Der Favorit antwortet mit wütenden Angriffen. In der 86. Minute jubeln die Magyaren schon, als Puskas nach einer Flanke von Kocsis trifft, aber der „Major“ stand im Abseits. Als Czibor in der Schlussminute aus kurzer Distanz zum Schuss kommt, muss Turek noch einmal sein ganzes Können aufbieten. Dann ist Schluss. Nach 90 Minuten und 21 Sekunden pfeift Schiedsrichter Ling die Begegnung ab. Um 18:39 Uhr ist das „Wunder von Bern“ perfekt, Deutschland erstmals Fußball-Weltmeister! Als wenig später Kapitän Fritz Walter aus den Händen des FIFA-Ehrenpräsidenten und „Erfinder“ der Weltmeisterschaft, Jules Rimet, den Weltpokal überreicht bekommt, ist ein ganzes Land im Freudentaumel. (db) |