1994 - Zweiter Akt: Sieg im Riesenslalom


1985 holte Wasmeier schon bei einer WM Gold im Riesenslalom. - Foto: imago
1985 holte Wasmeier schon bei einer WM Gold im Riesenslalom. - Foto: imago

Im Gespräch mit Sporthelden.de berichtet Markus Wasmeier von seiner zweiten Gold-Fahrt bei den Olympischen Winterspielen 1994 und wie danach der Entschluss reifte, die Karriere zu beenden.

Nach dem sensationellen Sieg im Super-G verabschiedet sich Markus Wasmeier erst einmal aus Lillehammer. Kurz hinter der norwegischen Grenze geht er in Schweden mit Tobias Barnessoi sowie den Schweden Freddie Nyberg und Patrik Järvinen in ein Kurz-Trainingslager für den Riesenslalom. 

Im Training nimmt er den Kollegen bis zu einer Sekunde ab und merkt schnell, dass für ihn auch in der Disziplin, in der er 1985 bereits WM-Gold holte, beste Medaillenchancen bestehen. 

Wasis 2. Akt: Gute Omen im ersten Lauf im Riesenslalom   

Sporthelden.de: Die Vorzeichen vor dem Riesenslalom standen sehr gut...
Markus Wasmeier: Ich bin nach dem Gold im Super-G absolut locker und eigentlich ohne konkrete Zielsetzung an den Riesenslalom heran gegangen. Allerdings war mir bei der Besichtigung des ersten Durchgangs der Kurs vom Gefühl her irgendwie zu eng. Als ich dann aber oben im Startbereich mitverfolgen konnte, wie zum Beispiel Jan-Einar Thorsen aus Norwegen oder der Österreicher Christian Mayer, die im Weltcup immer ein, zwei Plätze vor oder hinter mir gelandet waren, unter den ersten Drei standen, bin ich sehr aufmerksam geworden und hab gedacht: Dann kannst du auch da vorne rein.

Sporthelden.de: Sie lagen dann nach dem ersten Lauf auf Rang drei...
Wasmeier: Das konnte ich dann doch eigentlich nicht glauben. Da gibt’s ja dieses Bild, wie ich abschwinge und dann mit dem Finger auf mich zeige. Ich konnte gar nicht glauben, dass die Zeit meine war. Ich dachte, die wäre noch vom Läufer zuvor gewesen. Dass es dann so gut geklappt hat, war doch überraschend. Nach diesem Lauf habe ich im Zielbereich ein paar Freunde getroffen und denen nur gesagt: „Die müssen sich warm anziehen.“ Das waren ja Mini-Zeitabstände.

Sporthelden.de: Sie sind also mit sehr breiter Brust in den zweiten Lauf gegangen?
Wasmeier: Ja und das Gefühl hat sich mit der Besichtigung des zweiten Durchgangs noch verstärkt. Zudem war die Piste sehr wellig, hatte einen aggressiven Schnee und in den Übergängen musste man mit weichen Gelenken fahren, das heißt, man musste elegant über diese Kuppen schleichen. Das waren zusammen mit der Kurssetzung beste Voraussetzungen für mich.

Sporthelden.de: Wie haben Sie dann den zweiten Durchgang erlebt?
Wasmeier: Oben am Start ist es wieder sehr steil losgegangen und ging dann zum Ende hin wieder eher flach raus. Da habe ich zu meinem Servicemann gesagt: „Pass auf, da habe ich ihnen schon drei Zehntel abgenommen.“ Das hat ja dann auch tatsächlich so ungefähr geklappt. Dann hätte ich allerdings fast ein Tor übersehen, wäre fast auf die Außenstange zugefahren, habe das aber noch rechtzeitig gemerkt. Bis zur vorletzten Kante war es also ein optimaler Lauf und ich war ja auch über sieben Zehntel voraus.

Beendete seine Karriere 1994: Markus Wasmeier - Foto: www.wasmeier.de

Sporthelden.de: Und dann ging’s wie im Super-G...
Wasmeier: Dann habe ich wieder einen Mordsfehler gemacht im Flachen. Da hat’s mir einfach den Ski rausgezogen und so etwas ist in einer flachen Passage scheiße. Dann hab ich nur gedacht: „Jetzt hast du den guten Lauf versemmelt, sieh zu, dass wenigstens noch eine Medaille herausspringt.“ Den Zielhang habe ich dann wieder ziemlich gut erwischt, bin flott runtergekommen und lag dann im Ziel doch noch vorne. Das hieß ja nach Platz drei im ersten Durchgang, dass ich schon eine Medaille sicher hatte.

Sporthelden.de: Aber mit Gold hätten Sie trotz des eigentlich guten zweiten Laufs im Riesenslalom nicht unbedingt gerechnet?
Wasmeier: Ach, die Bronzemedaille hätte mich schon auch gefreut. Aber dann habe ich unten gestanden und gesehen, wie die anderen beiden auch noch zu kämpfen hatten. Als Urs Kälin mit zwei Hundertsteln hinter mir im Ziel war, war ich schon aus dem Häuschen, weil ich Silber sicher hatte. Wie dann auch noch Christina Mayer hinter mir ankam, habe ich nur gedacht: Wahnsinn!

Sporthelden.de: Welcher der beiden Siege war denn emotionaler?
Wasmeier: Natürlich der Riesenslalom. Aber das liegt vor allem an der Art des Wettbewerbs. Beim Super-G kann man sich gar nicht richtig freuen, weil ja noch viele weitere Läufer kommen. Beim Riesenslalom war das Ergebnis sofort klar. Da geht es Schlag auf Schlag und das ist Emotion pur. So ist es, glaube ich, auch den ganzen Zuschauern gegangen. Ich habe danach jede Minute genossen, war die Ruhe in Person.

Sporthelden.de: Wann ist dann der Entschluss entstanden, die Karriere zu beenden?
Wasmeier: Für mich war erstmal klar, dass ich die Saison weiterfahre. Da gab es eigentlich überhaupt keine Anzeichen, dass ich aufhören würde. Allerdings habe ich dann in Aspen drei Tore vor dem Ziel auf Siegkurs einen riesen Crash gebaut. Und wie ich da so im Zaun gehangen habe, ist mir bewusst geworden: Hoppla, das kann ja auch anders ausgehen. Beim Weltcup-Finale in Vail habe ich das erste Mal drüber nachgedacht. Nach dem ersten Durchgang im Riesenslalom, ich lag so auf Platz elf, zwölf, bin ich gemeinsam mit Frank Wörndl wieder raufgefahren und der hat dann gesagt: "Genieß die letzte Fahrt.“ Ich hab ihn angeguckt und gesagt: "Wieso letzte Fahrt?“ Und er nur ganz trocken: "Meinst du nicht, dass du es langsam bleiben lassen solltest?“ Unbewusst hat er irgendwie genau den Punkt getroffen.

Sporthelden.de: Und dann ging alles ganz schnell?
Wasmeier: Sagen wir mal so: Ich war zu diesem Zeitpunk ziemlich platt. Es war eine anstrengende Saison und ich war froh, endlich Ruhe zu kriegen. Wie ich dann nach Hause gekommen bin, hat meine Frau mir gesagt, dass sie zum zweiten Mal schwanger ist. Da habe ich endgültig gemerkt: Es ist die richtige Entscheidung, jetzt aufzuhören. Ich habe mir noch einen Monat Zeit gegeben, darüber nachzudenken. Es stand im Jahr darauf eine Weltmeisterschaft in Sierra Nevada an, aber da wusste ich, dass ich bei den flachen Pisten eh keine Chancen habe. Außerdem war ich zu dem Zeitpunkt der erste alpine Olympiasieger, der über 30 Jahre alt war. Heute kann man bis 35 fahren, damals war das schon außergewöhnlich. Da ist der Entschluss dann gefallen, wobei ich vom Herzen her natürlich noch gerne Jahre weitergefahren wäre.

Das Gespräch führte Dirk Burkhardt.


Zahlen und Fakten

Tag:

23. Februar 1994

Ort:

Lillehammer (NOR)

Anlass:

Olympische Winterspiele

Sportart:

Ski alpin

Disziplin:

Riesenslalom Herren

Ergebnis:

1. Wasmeier (GER) 2:52,46 Min.
2. Kälin (CH) 2:52,48 Min.
3. Mayer (AUT) 2:52,58 Min.

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