Lions - Das Finale ruft


 


Anerkennung auch aus Kiel - 
Foto: Baden Lions

 

Nun kommen immer mehr Besucher an unseren Block: Fans aus Kiel, Hamburg und Flensburg drücken ihre Begeisterung für unsere Aktion und den Support aus und auch die Presse zeigt sich sehr interessiert, knipst fleißig und lässt sich unsere Vorbereitungen in allen Einzelheiten schildern. Bob Hanning (‚Vier Gründe warum der HSV gewinnt’) kommt an unserem Block vorbei – „Willst du uns nicht etwas sagen?“ - ‚entschuldigt’ sich lachend für seine Fehleinschätzung. 

Später schlendern wir gut gelaunt zu den Bussen, unser Utensil durften wir netter Weise in der Garderobe abstellen, und tuckern feiernd zum Hotel. Keine Minute im Zimmer, lasse ich mich erst einmal aufs Bett fallen und bin binnen Sekunden eingenickt, meiner Zimmernachbarin geht es nicht anders. Knapp 40 Stunden auf den Beinen, davon neun im Bus und sieben in der Halle, bis zum nächsten Schlaf im liegen wird es ab morgen wieder gute 40 Stunden dauern – schöne Aussichten! 

Doch wir gönnen uns nur wenige Minuten: Das muss reichen, denn immerhin treffen wir uns ja in einer guten Stunde schon wieder zum Abendessen. Der Busfahrer bringt uns netter Weise in die Stadt, wo wir uns erst mal stärken und uns unserer Art von Nachbereitung widmen, bevor wir anschließend auch in diesem Jahr der Reeperbahn einen Besuch abstatten. 

„Endlich waagrecht!“ seufzen wir, als wir nachts dann todmüde in die Betten fallen, doch eine dermaßen sinnlose und nervige Lampe im Fensterrahmen – Flutlicht ist nichts dagegen!!! – noch dazu ohne Schalter - „Hast du nen Schraubenzieher dabei? Oder ne Steinschleuder?“ raubt uns noch einige Minuten, bevor dann doch die Erschöpfung siegt. 

Doch viel Zeit bleibt nicht, denn am nächsten Morgen wollen vor der Abfahrt zur Halle Koffer und Magen gefüllt werden. Jeder Knochen macht sich einzeln bemerkbar, als hätten wir gestern selbst mitgespielt und im Frühstücksraum ist die Anspannung förmlich zu spüren. Viele vermeiden das Gesprächsthema ‚Finale’ bewusst und widmen sich stattdessen lieber dem Vortag.
 


Die enttäuschten Stars - Foto: Baden Lions

 

 

Obwohl die Vorzeichen gut stehen, ist die Auffassung: „Noch sind wir Sieger, in ein paar Stunden kann schon wieder eine kleine Welt unter gegangen sein“ präsent und mit jeder Stunde nimmt die Nervosität noch zu. Neugierig begutachten wir den Artikel im lokalen Blatt und amüsieren uns über das abgedruckte Bild. Im letzten Jahr hatte nach dem Finalsieg Pascal Hens an dieser Stelle gejubelt, heute zeigt das Bild ironischer Weise jubelnde Löwen, die um einen am Boden liegenden Hens herumtanzen. 

Telefonate mit der Heimat bringen einen Hauch von Hamburg ins ferne Baden, der Neid der Zuhausegebliebenen nimmt noch einmal zu – hehe! – und unser jüngstes Mitglied trällert mit ihren nicht einmal zwei Jahren ihr erstes ‚Ladioooo’ in den Hörer. Ein paar spontane Kronauer haben sich am frühen Morgen noch auf den Weg gemacht und stoßen nun zu uns, dann geht es auch schon wieder in die Arena. 

Im Bus erhalten wir die Anweisung „Wenn wir ohne Verlängerung spielen, also Sieg nach 60 Minuten, Abfahrt um 17:30Uhr.“, bevor wir wieder auf dem Parkplatz einlaufen. Dort wendet sich das Blatt dann schlagartig, die gelben Hemdchen entern die Flure und Ränge und mit der Ruhe (vor dem Sturm) ist mit einem Mal vorbei. Die Höhner laufen an uns vorbei – „Den Schnäuzer kenn ich doch!“ – betrachten beeindruckt unseren Block und wecken wenig später mit ihrem WM-Song ’Wenn nicht jetzt, wann dann?’ noch einmal WM-Feeling – und sprechen den Badnern gleichzeitig aus der Seele! 

Dann wird es ernst, erneut Dunkelheit, erneut Gänsehaut und wieder geben die Supporter der SG alles. Wie im letzten Jahr wedeln dieses Mal wieder Hunderte gelbe und blaue handgenähte Fähnchen im Takt der Trommeln, während die Spieler gut gelaunt aber sichtlich angespannt dem Anpfiff entgegenfiebern. Alles beginnt vielversprechend, Laune und Geräuschpegel erreichen Höchstwerte und wieder muss unser Repartoir bereits lange vor dem Abpfiff herhalten. 

Bereits nach 12 Minuten steht im FC-Block keiner mehr, stattdessen spüren wir unseren Puls bereits in den Ohrläppchen und wissen gar nicht wohin mit der ganzen Freude. Doch wir kennen unsere Truppe und leider auch genügend Fälle aus der Vergangenheit, die schmerzhaft bewiesen haben, dass selbst eine hohe Führung zu Beginn einer Partie kein Garant für ein positives Resultat ist. 
  

 


Auf ein Neues in 2008 - Foto: Baden Lions

 


Am Ende fehlt es an Nervenstärke und dem einen oder anderen Quäntchen Glück. Zusammen mit sieben vergebenen 7-Metern und viel zu vielen nicht gesicherten Abprallern, reicht es am Ende leider nicht und wieder einmal bleibt uns nur das Nachsehen. Die Revanche gegen Hamburg war uns vergönnt, dem THW die gegen uns aber leider auch. Wieder bleibt unseren Jungs nichts anderes übrig, als den Siegern traurig beim feiern zuzusehen, wieder tröstet die Ehrung zum besten Torwart des Turniers (im letzten Jahr wurde Maros Kolpak honoriert, nun ist es ’Kasa’ Szmal) nur wenig. 

Die Herzen rutschen uns auch heute wieder in die Hose, während wir zusehen müssen, wie unsere Kämpfer abermals nicht belohnt werden und stattdessen die Enttäuschung nicht zu übersehen ist. Einen Moment ist es still in der Kurve, während die Kieler sich feiern und feiern lassen, doch der erste Schock ist schnell überwunden und wir bringen unseren Stolz noch einmal lautstark zum Ausdruck. 

Auf dem Busparkplatz warten neben unseren vieren auch einige Kieler Busse und an allen Ecken und Enden entstehen angeregte Gespräche und Diskussionen. „Ach was, ihr braucht doch keine drei Stunden nach Kronau! Das ist doch bei Heidelberg!“ versichert ein Zebra überzeugt, während seine ‚Kollegen’ begeistert unsere letzten Button-Vorräte leeren. 

Unterwegs muss unser Plüschlöwe einmal mehr leiden – Details seinen an dieser Stelle aus Jugendschutz-Gründen vorenthalten - während wir nicht genug vom runden Spielgerät bekommen können und ein Riesenballon unermüdlich über die Reihen gescheucht wird. Bevor wir endlich zu Hause eintrudeln, haben wir die neue ‚Bibel’ beinahe durch und erst gegen Mitternacht kehrt langsam Ruhe im Bus ein. 

Ein unvergessliches Wochenende neigt sich dem Ende zu und in Erinnerung bleiben neben den Geschehnissen auf dem Parkett auch das Lob und die Anerkennung von allen Seiten, die wir stellvertretend für unsere Mannschaft natürlich dankbar annehmen – Hiermit ausgerichtet, Jungs!. Selbst die Sieger hatten sich beeindruckt gezeigt: „Nächstes Jahr klappt’s, ganz bestimmt!“ versichert eine Kielerin und eine weitere konnte mit „Mein Gott wart ihr geil! Das wär ja beinah noch böse ausgegangen!“ ihre Begeisterung nicht verbergen. Und sie hat Recht! Denn welcher Verein kann schon von sich behaupten, so jung bereits zweimal unter die letzten Vier gekommen und am Ende jeweils erst im Finale gescheitert zu sein, mit dem HSV und dem THW noch dazu gegen die ganz großen Kaliber?! 

Bereits seit dem Vorjahr weiß ein jeder, dass dort unten im Süden etwas heranwächst, was in nicht allzu ferner Zukunft die ’Nordlichter’ ärgern wird und spätestens seit heute lässt sich dies auch nicht mehr als ‚Eintagsfliege’ abwerten. Nun wird man unsere Sieben nicht mehr als ‚Underdog’ oder ‚Losglück’ bezeichnen, und wer weiß, vielleicht sind aller Guten Dinge drei und 2008 ist unser Jahr!



Zahlen und Fakten

Fanclub:

Baden Lions

Mitglieder:

200

Motto:

Jedes Spiel ein Heimspiel

Verein:

SG Kronau/Östringen

Sportart:

Handball

Anlass:

Final Four 2007

Ort:

Hamburg, Color Line Arena

Datum:

14.-15.04.2007

Internet:

www.baden-lions.de

 

 

 

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