Bitte einmal das ganze Vorstellungsvermögen in Wallungen bringen: Ein Fan hat noch keinen einzigen Sieg seines Clubs gesehen und trotzdem kauft er sich voll tiefer und ehrlicher Begeisterung für sein Team eine Dauerkarte für die neue Saison. Wohlgemerkt nach einem Abstieg in die Drittklassigkeit. Totaler Schwachsinn? Nein, ETB Wohnbau Baskets.
Der Basketballclub aus dem Ruhrgebiet hat es geschafft, sich in nur 18 Monaten eine bemerkenswerte Fankultur aufzubauen. „Gerade im vergangenen Jahr war es schon bizarr. Da spielt die Mannschaft grauenhaft, steht ganz unten im Tabellenkeller der 2. Bundesliga und trotzdem kommen immer mehr Fans“, schmunzelt Geschäftsführer Dr. Jan Teigelack.
Es war mal ganz anders: Bei Waffeln und einem schönen Becher Filterkaffee gab es die zweitbeste deutsche Liga in einer hausbackenen Schulsporthalle. Wer als Fan dabei war, der war entweder mit einem Spieler direkt verwandt. Oder zumindest ein guter Nachbar. Alles wurde anders ab Februar 2005: Der Club nahm allen Mut zusammen und holte eine junge PR-Agentur an Bord. Und zog in die schicke Ballsporthalle "Am Hallo" in Essen-Stoppenberg um. „Viele haben uns gesagt, ihr seid bescheuert und riskiert zu viel“, erinnert sich Teigelack.
Mut wurde belohnt
Heute runzelt keiner mehr die Stirn: In der ersten kompletten Saison in der schnieken neuen Heimat kamen im Schnitt 1500 Fans. Die sahen teilweise wirklich fiesen Sport, zwei Trainerwechsel und eine Mannschaft ohne großes Herz. Aber die Show stimmte: Ein kauziges Maskottchen, sexy Cheerleader, Livemusik und Comedy – die Spiele wurden zur Party. Und in dieser Atmosphäre lassen sich dann auch Niederlagen etwas besser verpacken. Findet auch der ETB-Fanclub, der sich im Frühjahr 2005 gegründet hat. „Das war früher fast schon eine undenkbare Vorstellung. Dass es einen richtigen Fanclub gibt“, findet Teigelack.
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 Die Stars der Baskets, die Fans - Foto: ETB
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Es ist ohne Zweifel eine der wenigen Fanclubs in der deutschen Sportszene, der direkt in seiner Premierensaison bis an die Grenzen der absoluten Belastungsfähigkeit gegangen ist: Niederlagen fast im Wochentakt, in der kompletten Saison gerade einmal sechs Siege, von denen die meist jugendlichen Fanclubmitglieder auch nur schlappe drei Erfolge persönlich miterleben durften.
Fehlende Führerscheine machten Auswärtsauftritte mitunter doch etwas schwer. Nach Cuxhaven fährt es sich aus Essen mit öffentlichen Verkehrsmitteln etwas schlecht. Immerhin: Der Fanclub bastelte sich eine erstaunliche informative Internetseite, um dort dann mit zusammengesammelten Infos eine Art „Live-Ticker light“ zu präsentieren. Meist ging es dort thematisch um richtig saftige Niederlagen. „Wir sind keine Schönwetterfans. Als wir diesen Club kennen gelernt haben, wussten wir sofort: Das ist unser Team“, betont Fanclubchef Tobias Scheidat.
Gemeinsam für den Erfolg
Mit drei weiteren Gründungsmitgliedern ging es los. Und dazu jede Menge Pioniergeist: Für den Club wurden und werden Poster, Flyer und Zeitungen verteilt. Bei den Heimspielen wird wie selbstverständlich auch geholfen. „Wir wollen schließlich wieder nach oben. Zurück in die 2. Bundesliga“, hofft Tobias Scheidat, „und dazu soll unser Fanclub natürlich immer weiter wachsen.“
Das mit dem Wachstum funktioniert bisher schon ganz prima. Das mit dem sportlichen Erfolg steht noch aus. Die Regionalligasaison startete stilecht mit einer herben, überhaupt nicht eingeplanten Niederlage gegen einen vermeintlichen Underdog. Kurz Mund abwischen und weiter geht es. „Beim ersten Auswärtsspiel sind wir trotzdem dabei. Und hoffen wieder auf den Sieg“, so Scheidat.
ETB-Geschäftsführer Dr. Jan Teigelack, ein renommierter Essener Rechtsanwalt, hat es mittlerweile erkannt: „Da wo unsere Fans angekommen sind, muss unser Team erst noch hinkommen.“ Nämlich mit ganzem Herzen für ihre Sache einzustehen. Für ihren Club. Für ihre Leidenschaft.

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