Der Fußball gehört früh zum Leben von Bernhard Carl Trautmann. Im Alter von zehn Jahren wird er in seiner Heimatstadt Mitglied bei Tura Bremen und spielt im Mittelfeld. Um Heimspiele des größeren Werder Bremen zu besuchen, nimmt er lange Fußmärsche auf sich. Nach seinem Hauptschulabschluss macht Trautmann eine Lehre als Automechaniker, bevor er 1941 zum Militärdienst einberufen wird. Er meldet sich zur Luftwaffe, will Fallschirmjäger werden, kommt aber als Funker an die Front im westlichen Russland.
Dort wird er gefangen genommen, aber wieder befreit und verbringt drei weitere Jahre an der Front, bevor er von den Briten erneut gefangengenommen und nach England gebracht wird. Im Nordwesten Englands verlebt Trautmann zunächst einige Zeit im Gefangenenlager POW 50 zwischen St. Helen's und Wigan und wird dann nach Huyton in der Nähe von Liverpool verlegt. Im Gefangenenlager spielt er auch immer wieder Fußball. Als einmal kein anderer Torwart da ist, geht Trautmann zwischen die Pfosten und macht seine Sache so gut, dass er fortan dort bleibt.
Bei Kriegsende entscheidet sich der Deutsche, in England zu bleiben, spielt ab 1948 weiter Fußball beim unterklassigen St. Helen’s Town. Bei einem Freundschaftsspiel gegen Manchester City fällt er den Verantwortlichen des Traditionsvereins auf und unterschreibt im Oktober 1949 einen Vertrag bei City. Dort schlägt dem deutschen Torwart zunächst Skepsis und offene Ablehnung entgegen. Doch Trautmann überzeugt durch Leistung. Bei seinem ersten Spiel mit Manchester City in London im Jahr 1950 hält er bei der 0:1-Niederlage so überragend, dass hinterher sogar die Spieler des Gegners ihn mit Applaus verabschieden. Das Eis ist gebrochen, Trautmann von da an akzeptierter Rückhalt der Mannschaft. Er wird in England heimisch.
Seine Ausflüge nach Deutschland sind eher selten, so wie bei einem Freundschaftsspiel mit City am 19. Mai 1995 anlässlich des 50. Geburtstags des 1. FSV Mainz 05. In England wächst seine Popularität stetig. Den Höhepunkt erreicht sie mit dem Gewinn des FA-Cups unter dramatischen Umständen im Jahr 1956, als der Schlussmann von Manchester City trotz gebrochenen Halswirbels weiterspielt und mit seinem Team 3:1 gewinnt. (Mehr zum dramatischen Finale 1956) Diese legendäre Tat bringt ihm die Auszeichnung als "Spieler des Jahres“ von Manchester City und England im Jahr 1956. Bis zu seinem Karriereende bei City im April 1964 bestreitet Trautmann insgesamt 639 Spiele für die "Citizens“.
Als sich ein weiteres berufliches Engagement bei Manchester City zerschlägt, spielt der 1,88 Meter große Trautmann kurzzeitig für Wellington Town, bevor er als Manager zu Stockport County wechselt. Nach zwei erfolgreichen Jahren überwirft er sich 1966 mit dem Präsidenten, verlässt den Klub und kehrt in der Folgezeit auch England den Rücken. Zwischen 1967 und 1969 ist er jeweils kurzzeitig Trainer bei Preußen Münster und Opel Rüsselsheims. Danach arbeitet er für das Auswärtige Amt als Botschafter des Fußballs, wird Nationaltrainer oder Berater diverser Fußball-Entwicklungsländer. So nimmt er 1972 mit Burma an den Olympischen Spielen in München teil. Bis zum Beginn seines Ruhestandes 1988 ist er unter anderem in Tansania, Liberia, Pakistan, Jemen und Malta tätig.
Weil ihm sein Nacken in kalter und feuchter Luft nach wie vor stärkere Probleme bereitet, lässt er sich 1990 in Spanien nieder, wo er noch heute in der Nähe von Valencia lebt. In England ist Trautmann nach wie vor eine Fußball-Legende. 2004 wird er für seine Verdienste um den Sport und die deutsch-englischen Beziehungen von Queen Elizabeth II. zum "Honorary Officer of the Most Excellent Order of the British Empire" (OBE) ernannt. 2005 folgt die Aufnahme in die Football Hall of Fame in England. Auch in Deutschland wird sein Lebenswerk 1997 mit dem Bundesverdienstkreuz gewürdigt.
Sportlich blieb ihm die ganz große Anerkennung in seinem Heimatland allerdings verwehrt. Da Bundestrainer Sepp Herberger keine "Legionäre“ berief, spielte Trautmann nie in der Nationalmannschaft des DFB. Nur bei Testspielen der Auswahl in England und bei der WM 1996 war er als Attaché im DFB-Tross dabei. Auch ein Wechsel nach Deutschland zerschlug sich, weil Manchester City eine Ablöse von 25.000 britischer Pfund (damals 250.000 Mark) von Schalke 04 forderte. (db)