Gut, noch zwanzig Minuten Schonfrist bis zum zweiten Anpfiff. In der Zwischenzeit wurde die Handballerlegende Jo Deckarm begrüßt und geehrt. Auch ein ergreifender Moment, als alle 13.000 Menschen aufstehen und klatschen.
Unsere Spieler wärmen sich auf dem Feld auf, während auch der FC die letzten Vorbereitungen trifft: Die Trommeln werden noch einmal zurecht gerückt, die Tröten durchgepustet und 400 blaue und gelbe Stofffahnen verteilen sich in der Kurve.
Die Diskussion zwischen Herz („Es ist alles möglich, der Pokal hat seine eigenen Gesetze“ ) und Hirn („Aber der Gegner ist der THW!“) endet, als es wieder dunkel wird und der Stadionsprecher von neuem über das Parkett tigert, um die Stimmung anzukurbeln.
Gelb regiert die Stimmung
Dann „Sie spielen unser Lied!“ und kurz darauf betritt auch schon die SG das Feld. Der Lautstärkepegel steigt und 12.000 Menschen drehen sich erstaunt zu uns herum. Beim Einlauf des ersten Halbfinales hatte es der Stadionsprecher nach den ersten drei Namen aufgegeben, das Publikum die Nachnamen rufen zu lassen, doch wir ließen uns unseren gewohnten Part nicht nehmen.
Uwe und Andreas schwenken die großen Fahnen auf dem Feld und wir knicken unsere Knicklichter und tauchen unsere Kurve in ein leuchtendes Gelb. Auf dem Banner steht: KÄMPFT FÜR UNS!
In der Pause treffe ich wieder auf die Kieler und freue mich stolz über die Ein-Tor-Führung zur Halbzeit. Ein dritter Kieler schüttelt nur den Kopf und grinst hämisch als ich sage, dass nichts unmöglich ist. Er meint wir sollten nicht zu sehr heulen, wenn wir jetzt nach drei Minuten fünf Tore hinten lägen und zumindest die ersten zehn Minuten noch bleiben, bevor wir nicht mehr zusehen können …
Den Tränen freien Lauf
Das war der Hammer! Die letzte Minute war eine der längsten unseres Lebens und ich war dem Hörsturz nahe, als der Schiri uns endlich erlöste. Für den Bruchteil einer Sekunde wanderte mein Blick noch einmal auf die Anzeigetafel - 33:31 - und im nächsten Moment kennt der Jubel keine Grenzen mehr. 800 gelbe Menschen hüpfen, schreien, heulen und fallen sich in die Arme … genau wie die Mannschaft ein Stockwerk tiefer.
Es war fast schon surreal oder wie in einem dieser Sportdramen: Der Kleine Außenseiter schafft das quasi Unmögliche und schlägt den großen ‚unkaputtbaren’ Star, noch dazu mit dieser Spannung bis zur letzten Minute …. einfach unglaublich! Holger Fürbaß gibt uns ’Thumbs up!’ und Konny schmeißt sich heulend auf den Bauch und schluchzt Rotz und Wasser.
Immer und immer wieder Kopfgeschüttel, es ist nicht zu glauben. Hatten sie sich in der eigenen Halle vor 14.000 Fans die Zähne ausgebissen, hier vor gerade mal 800 und mit viel größerem Druck klappt es einfach. Am besten erzählen wir ihnen ab jetzt bei jedem THW-Spiel, es ginge um den Pokal.
Kieler kleinlaut
Und so blöd es klingt: Ich war froh, dass es bisher noch nicht geklappt hatte - es wäre heute nicht ganz so besonders gewesen! Die Mannschaft kommt an unsere Kurve und bedankt sich, wir bedanken uns für das Hammer-Spiel und gemeinsam starten wir die Welle.
Zur ’Feier der Stunde’ bekommen wir eine halbe Stunde länger Zeit, bis wir wieder im Bus sein müssen und treffen wieder auf die Kieler. Der mit den großen Tönen war plötzlich ganz still und wich meinen grinsenden Blicken aus, die anderen beiden gaben uns ein Bier aus und lobten das tolle Spiel unserer Mannschaft. Der Bus bringt uns zu den Hotels, und mit einem „Kiel-Killer, Kiel-Killer, hey, hey!“ nach dem anderen realisieren wir langsam was passiert ist.
Erleben Sie mehr! Das WE der Lions geht weiter:Teil 1: Baden Lions: Gelbe Welle zum FINAL FOURTeil 3: Sekt zum FrühstückTeil 4: Letzte Vorbereitungen fürs FinaleTeil 5: Sieger der HerzenTeil 6: Stolz wie Oskar auf unsere Mannschaft