Es ist halb elf, als wir die letzten Gepäckstücke in den Bus laden und wieder in Richtung Halle fahren. Einige wollen die Stunden vor dem Anpfiff nicht wieder dort verbringen und lassen sich unterwegs in der Stadt absetzen. Die meisten machen sich schon einmal mit dem ’Krachzeug’ zum Eingang, der Rest wartet im Bus, bis sich die Tore öffnen.
Heute hat der Wind noch einen Zahn zugelegt und auch das Thermometer scheint sich ein wenig ‚verkühlt’ zu haben. Ich teile noch schnell die Texte für das ’Badnerlied re-löwed’ auf den Sitzen aus, die ersten verpassen sich - und jedem der will oder nicht - gegenseitig die ersten ’Kampfstreifen’ mit blauer und gelber Gesichtsfarbe. Und dann heißt es auch für uns: Kragen hochstellen, Angriffsfläche möglichst klein halten und versuchen, nicht weggeblasen zu werden.
Tiger? Der spinnt wohl!
Drinnen unterhalten wir uns lange mit einer Gruppe Magdeburger-Fans, ein ulkiger Haufen. Sofort wollen sie auch diesen „Tiger“ - wenn er unseren Löwen noch einmal Tiger nennt, dann… - auf der Backe haben - und dann Schals tauschen. Dann: “In meinem Trikot ist noch ein Platz frei!“ - Ich: "Danke, grün steht mir nicht.“ Und wenig später haben wir sie soweit, dass sich einer nach unserem Shop erkundigt, losläuft und mit einem Bündel Schals zurückkommt. Auch sie lassen sich später von unseren Mädels die Streifen ins Gesicht pinseln und sind ganz begeistert von den gelben und blauen Knicklichtern.
Plötzlich springt einer auf und fängt an, ’ihr tolles Lied’ zu singen. Die Blicke waren einfach göttlich, als ich plötzlich anfing, mitzusingen. Es war ’unser’ Hundelied, nur eben die Sparversion, da die Hälfte fehlte. Wenig später kommen ein paar weitere SCM-Fans vorbei und schauen die nun ziemlich gelb-blauen verdutzt an. Die stehen auf, deuten auf sich und singen aus voller Kehle: „So sehn Verlierer aus!!!“
Sympathie für die Gelben
Aber auch andere sind ganz begeistert von unseren Sieben. Unglaublich, wie viele Kieler und SCMler an diesem Tag unser FinalFour Shirt tragen! Am Würstchenstand fragt mich eine Frau mit Zebra an der Kette und auf der Uhr nach dem Shop, andere tippen mich aus heiterem Himmel an und meinen: „Das war echt klasse gestern! Eigentlich bin ich ja Magdeburger und mein Freund hier Kieler.“ - Ich: „Oh, kein guter Tag, hm?“ Sie lacht. „Nein, aber wir drücken euch ganz fest die Daumen heute.“
Das ist nun etwa der zehnte wildfremde Mensch der mich anspricht, nur um mir zu sagen, dass sie uns die Pfoten drückt. Langsam aber sicher siegt die Neugierde und ich frag dann doch mal ganz direkt: „Ähm, darf ich mal fragen warum? Ich meine, warum ist plötzlich jeder für uns, außer den HSVlern selbst?“
Sie überlegt kurz, zuckt mit den Schultern und erklärt dann: „Ich glaub das liegt schlicht daran, dass hier viele sind, die nicht nur ne Mannschaft gut finden, sondern ein gutes Spiel schätzen. Und ihr habt gut gespielt, noch dazu als Aufsteiger.“ Dann mischt sich eine andere Frau ein: „Und ihr seid ’sau-sympathisch’. Die Spieler sowie Fans.“ Ich widerspreche natürlich nicht …
Erleben Sie mehr! Das WE der Lions geht weiter:Teil 1: Baden Lions: Gelbe Welle zum FINAL FOURTeil 2: Jubel ohne GrenzenTeil 3: Sekt zum FrühstückTeil 5: Sieger der HerzenTeil 6: Stolz wie Oskar auf unsere Mannschaft