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Kurzporträt:
Den meisten Menschen geht es nur so richtig gut, wenn sie festen Boden unter den Füßen haben. Bei Sven Hannawald sah dies anders aus. „Hanni“, wie er von allen genannt wurde, fühlte sich eigentlich nur wohl, wenn er in der Luft war. Je weiter desto besser. Im Flug war er frei und unbeschwert.
Als Sven Pöhler geboren in Erlabrunn im Erzgebirge, wo auch die Skisprunglegende Jens Weissflog das Licht der Welt erblickte, begann er unter Trainer Erich Hilbig seine Laufbahn beim SC Dynamo Johanngeorgenstadt. Nach der Hochzeit seiner Eltern Regine und Andreas nahm Sven dann auch den Nachnamen seines Vaters an. Als Teil des DDR-Sportsystems wollte man zunächst einen nordischen Kombinierer aus ihm machen. „Das Langlaufen war aber nicht mein Fall“, so Hanni, so dass er in der Loipe so manche Sekunde extra liegen ließ, um besonders langsam im Ziel anzukommen.
Hanni, der neue Sportheld
1991 folgte der Umzug in den Schwarzwald, wo er in Wolfgang Steiert seinen Förderer und Heimtrainer finden sollte und mit Dieter Thoma, dem damaligen Schanzenhelden, einen Weggefährten und Freund zugleich. Hannawalds Aufstieg nahm seinen Anfang. Das Ski-Internat in Furtwangen beendete Hannawald mit der mittleren Reife und machte danach direkt eine Ausbildung zum Kommunikationselektroniker.
Mit seinen Leistungen der Saison 97/98, als er das Springen der Vierschanzentournee in Bischofshofen gewann und Gesamtzweiter der Tournee wurde, begann ein wahrer Skisprungboom in Deutschland. Vergleiche zum Wunder von Bern 1954 und Boris Beckers erstem Wimbledonsieg 1985 wurden bemüht, Hannawald als neuer Held gefeiert und verehrt. Als nett, witzig und bescheiden wurde er beschrieben, so sah er sich als Dienstleister gegenüber Fans und Medien.
Der Druck auf ihn wuchs mit jedem Sprung, mit jedem Auftritt in der Öffentlichkeit. Der Grübler aus Erlabrunn musste alsbald feststellen, wie eng Triumph und Tragik im Leben eines Sportlers beisammen sind. Neben körperlichen Problemen kämpfte Hannawald auch immer wieder mit seiner Psyche. In einer Phase als es bei ihm überhaupt nicht lief, ging er seinen eigenen Weg, fernab der Vernunft und hungerte sich zum Leichtgewicht. Die Hoffnung auf weite Flüge waren in dieser Situation einzige Sättigung des Selbstzweiflers Hannawald. Mit aller Macht wollte er wieder nach oben.
Erfolg für die Ewigkeit
Mit Hilfe seiner Trainer, Mannschaftskollegen und vor allem seiner Familie fand der elegante Flieger den Weg zurück. Mit enormer Willenskraft, unglaublicher Technik und die Kunst sich genau auf diesen einen „geilen“ Sprung konzentrieren zu können, gewann Hannawald in seiner Karriere Titel und Medaillen. Getreu seinem Motto: „Ich mach mein Zeug“ katapultierte sich der Neu-Schwarzwälder in die Geschichtsbücher, als er am 06. Januar 2002 mit dem Sieg in Bischofshofen den Mythos Vierschanzentournee geknackt, und als erster Skispringer der Welt es geschafft hat, alle vier Spirngen bei einer Tournee zu gewinnen. Hanni wurde endgültig zum Helden und zum „Allgemeingut“ der Fans.
Die folgenden olympischen Winterspiele in Salt Lake City wurden zwar nicht die erhofften „Hanni“-Festspiele, dennoch sorgten Silber im Einzelspringen und Gold mit der Mannschaft für gewünschte Medaillen. Und nach diesem Glücksgefühl kam die Leere. Die Coolness beim Fliegen wich der Schwermut beim Gang durchs Leben. Er war oben angekommen, hat alles erreicht und kämpfte nun mit dem Alltag.
Nach einigen Rückschlägen stieß er sich beim Weltcup in Park City am 28. Februar 2004 zum letzten Mal vom Bakken ab und beendete zuerst die Saison vorzeitig und anschließend auch seine Karriere. Nachdem er sich wegen einem Burnout-Syndrom in Behandlung begab, verkündete Hannawald am 03. August 2005 seinen offiziellen Rücktritt vom Profisport. Der Druck war weg und Hanni fand sein Lachen wieder. Mit Erleichterung kann er nun als Familienvater auf seine großartige Karriere blicken. Seinen Platz in den Geschichtsbüchern hat er sicher, der Herr der Lüfte.
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