WM 1990 - Sommernacht in Rom
Im Endspiel der XIV. Weltmeisterschaft trifft die spielerisch überzeugendste auf die effektivste Mannschaft. Erstaunlicherweise gebührt Deutschland das erste Prädikat. Mit dynamischem, beherztem Fußball hat sich die von Teamchef Franz Beckenbauer trainierte Elf bis ins Finale gespielt. Titelverteidiger Argentinien dagegen mauerte sich trotz Superstar Diego Maradona durch die K.o.-Runde.
"Heimspiel" für DFB-Elf
Die Sympathien unter den Fans im Olympiastadion sind vor dem Endspiel klar verteilt. Knapp 50.000 deutsche Schlachtenbummler unter den 73.603 Zuschauern tauchen das Stadion in ein schwarz-rot-goldenes Fahnenmeer. Zudem hatte Argentinien im Halbfinale Gastgeber Italien ausgeschaltet, so dass auch die einheimischen Tifosi auf Seiten der Deutschen sind. Ein gellendes Pfeifkonzert begleitet die argentinische Nationalhymne, was Diego Armando Maradona dazu veranlasst, die Zuschauer lauthals als „Hurensöhne“ zu beschimpfen.
Um 20:00 Uhr Ortszeit pfeift der mexikanische Schiedsrichter Egardo Codesal Mendez das WM-Finale an. Schon 55 Sekunden später wird klar, dass die ständigen Pfiffe der Zuschauer nicht das einzig unangenehme für Maradona an diesem Abend sein werden. Guido Buchwald grätscht dem argentinischen Superstar erstmals den Ball weg. Argentinien tritt insgesamt seltsam passiv auf, überlässt Deutschland das Feld.
Wenige Chancen in Hälfte eins
Aber obwohl Deutschland ständig nach vorn drängt, bleiben die großen Chancen in der ersten Hälfte Mangelware. Neben Möglichkeiten durch Rudi Völler (3., 13. und 23. Minute) bleibt es bei guten Ansätzen. Auf der anderen Seite müssen die deutschen Anhänger nur zwei Mal die Luft anhalten. Einmal, als Maradona zu einem Freistoß vom rechten Strafraumeck anläuft, der aber klar drüber geht (39.) und dann kurz vor der Pause, als Andreas Brehme mit einer Rückgabe Torwart Bodo Illgner prüft.
Zu Beginn der zweiten Hälfte hält Deutschland den Druck hoch, hat früh durch einen Schuss von Pierre Littbarski (46., knapp rechts vorbei) und einen Kopfball von Thomas Berthold (49., drüber) sehr gute Möglichkeiten. In der 58. Minute warten die Deutschen vergeblich auf einen Elfmeterpfiff, als Klaus Augenthaler bei einem Vorstoß in den Strafraum gegen Argentiniens Torhüter Goycochea einfädelt.
Elfmeter entscheidet
Sieben Minuten später sieht der erst zur Pause eingewechselte argentinische Verteidiger Monzon nach einer rüden Attacke gegen Jürgen Klinsmann Rot. Argentinien zieht sich noch weiter zurück, konzentriert sich auf das Zerstören. Deutschland müht sich vergeblich.
Als die Verlängerung bedrohlich näher rückt, kommt doch der entscheidende Moment. Völler kommt nach einem Pass von Lothar Matthäus in den Strafraum im Laufduell mit Serrizuela zu Fall. Dieses Mal gibt Schiedsrichter Mendez Elfmeter. Brehme legt sich den Ball zurecht und verwandelt mit einem präzisen Schuss ins linke untere Eck (85.).
Nach dem 0:1 verlieren die Argentinier den Kopf. Dezotti sieht nach einer Tätlichkeit gegen Jürgen Kohler als zweiter Argentinier Rot (87.). Danach spielt die deutsche Mannschaft souverän die Zeit herunter. Um 21:50 Uhr pfeift der mexikanische Schiedsrichter nach 94. Spielminuten ab. Deutschland ist zum dritten Mal nach 1954 und 1974 Weltmeister. (db)







