Zeitzeugen: User schildern Puck-Krimi

Es gibt Momente, von denen jeder Mensch auch Jahre später noch genau vor Augen hat, wo er war, als es passierte, wie er sich gefühlt, was er gemacht hat. Das Penalty-Drama im Eishockey-Viertelfinale der Olympischen Winterspiele von 1992 gehört sicherlich dazu. Sporthelden.de-User und -Mitarbeiter schildern ihre Erlebnisse, als der Schussversuch von Peter Draisaitl auf der Linie liegen blieb. Wo waren Sie? Erzählen Sie uns ihre Geschichte!
Tammo Lotz (Leipzig):
Ich kann mich noch erinnern, das Spiel fand an einem Dienstag statt. Nachmittags hatte ich Tennis-Training, ich war damals 14 Jahre alt. Auf der Heimfahrt habe ich schon per Radio erfahren, dass Deutschland prima dagegenhält. Es stand zu diesem Zeitpunkt 2:2. Zu Hause angekommen, ging es vor den Fernseher. Die Kanadier machen 3:2. „Das war’s wohl“, dachte ich. Dann aber doch das unerwartete 3:3, die Verlängerung, das sprichwörtliche Mitzittern, das Hinundherrutschen auf dem Sofa. Dann das Penaltyschießen, der letzte Schuss. Erst die Enttäuschung, der Puck schien unter dem kanadischen Goalie begraben. Konfusion. Wo ist der Puck? Da! Er rutscht in Richtung Torlinie, und – „Oh nein“ – er überlegt es sich anders, überschreitet sie nicht und bleibt stattdessen auf ihr liegen. Haareraufen, sekundenlanges ungläubiges Blicken auf den Bildschirm. Danach ging ich in die Küche. Das Abendbrot war fertig.
Lars Kleiber (Duisburg):
"Anno '92 - damals, als der sogenannte 'Wehrdienst' noch 12 Monate dauerte und armen Abiturienten erst einmal ein Jahr der kostbaren Studienzeit rauben sollte. Auf der Stube saß der gerade 19-jährige Lars im blauen BW-Trainingsanzug, stahlgrauen Socken und den aus einem Guss gefertigten Bundeswehr-Badelatschen. Um alles Unglück dieser Welt perfekt zu machen, bewegte sich im legendären Penalty-Schießen die dusselige Hartgummi-Scheibe keinen Zentimeter weiter, so sehr ich auch am Fernseher rüttelte, ihn anschrie, heulte und flehte. Erst ein satter Treffer aus 3 Metern Entfernung mit der BW-Adilette brachte ihn zwar zum Wanken, änderte aber auch nichts an der Position der Scheibe. Wir waren ausgeschieden - und ich sollte weitere Wochen des Wehrdienstes ohne die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft zu absolvieren haben."
Dirk Burkhardt (Jahrgang 1972, Attendorn):
"Eigentlich war für 20 Uhr Basketball-Training angesagt. Die Tasche stand schon gepackt bereit, aber ich konnte den Blick einfach nicht von meinem kleinen 34cm-Fernseher abwenden. Das Spiel und die Verlängerung waren schon schlimm genug, aber im Penaltyschießen bin ich vor dem Fernseher hin und her gesprungen, hab die Faust geballt oder die Haare gerauft. Als dann das Unfassbare passierte, bin ich vor dem Gerät in die Knie gegangen und bin ganz nah an den Bildschirm gerückt. Aber auch aus nächster Nähe änderte sich nichts an dem Bild: der Puck lag auf der Linie. Leicht niedergeschlagen machte ich mich dann doch auf zum Basketballtraining, kam fast eine halbe Stunde zu spät und durfte auch noch fünf Mark in die Mannschaftskasse zahlen. Die Bilder des trudelnden Pucks werde ich nie vergessen."





