Die Olympischen Spiele 1960 in Squaw Valley



Poster der Olympischen Spiele 1960 in Squaw Valley



Anlass: 

VIII. Olympische Winterspiele

Ort: 

Squaw Valley, USA

Datum: 

18. - 28. Februar 1960

Nationen/NOKs: 

30

Teilnehmer: 

laut IOC 665 (davon 144 Frauen) 

Sportarten:

6

Entscheidungen: 

27

Eröffnet durch: 

Richard Nixon, Vizepräsident der Vereinigten Staaten von Amerika

Olympische Eid: 

Carol Heiss (Eisschnelllauf)

Entzündung der Flamme: 

Kenneth Charles Henry (Eisschnelllauf)

Besonderheit: 

Bobfahren war nicht im Programm


Die Olympischen Spiele 1960 in Squaw Valley
(Kurz notiert - Ausführliche Berichte folgen)

 


Vorderseite der Olympischen Medaille von den
Winterspielen 1960 in Squaw Valley

Man stelle sich vor, dass IOC nimmt eine Sportart ins Olympische Programm auf, die noch gar nicht richtig existiert. Unmöglich, aber die Wahl von Squaw Valley (Kalifornien) als Austragungsort der Olympischen Winterspiele 1960 glich genau einem solchen Szenario. Der Ort in der Nähe des Lake Tahoe in der Sierra Nevada existierte quasi noch gar nicht, bis 1949 der New Yorker Rechtsanwalt Alexander Cushing die Idee hatte, dort ein Ski Ressort zu etablieren, welches Gastgeber der Olympischen Spiele werden sollte. 

Als findiger Geschäftsmann kaufte er sich weite Teile Land in Squaw Valley und bereits 1955 wurde das "Tal der Indianerfrau" als Austragungsort der VIII. Olympischen Spiele gewählt. Immerhin setzte sich das Retortendorf in Kalifornien, ca. 76 Kilometer von Reno und knapp 340 Kilometer von San Francisco entfernt, gegen so etablierte Wintersportorte wie Innsbruck (AUT), St. Moritz (SUI) und Garmisch-Partenkirchen (GER) durch. 

IOC-Präsident droht den Verantwortlichen

Da es noch keinen offiziellen Bürgermeister gab, musste das US-amerikanische IOC Mitglied John J. Garland am Schlusstag der Winterspiele 1956 in Cortina d´Ampezzo die Olympische Flagge entgegennehmen, die normalerweise immer dem offiziellen Vertreter des nächsten Gastgeberortes überreicht wird. Cushing, der stets seinen eigenen Gewinn im Auge behielt, wurde zum Präsidenten des "Organizing Committee" gewählt. Allerdings musste er diesen Posten am 05. Januar 1956 bereits wieder aufgeben. Da er offenbar die Fördermittel und die für die Organisation notwendigen Gelder lieber für seine eigenen Bedürfnisse aufzubrauchen schien, drängte man ihn zum Rücktritt. Der Streit um Gelder und Finanzierungen blieb jedoch unvermindert vorhanden. 

Cushings Nachfolger als Präsident, Prentis C. Hale, Jr, sah sich so einem Ultimatum ausgesetzt, das IOC-Präsident Avery Brundage den Verantwortlichen stellte. Die Drohung, die Spiele andersweitig zu vergeben, Brundage brachte Innsbruck ins Gespräch, fruchteten. 

Einen Skandal, der die Sport- besonders die Bobfahrerwelt erschütterte, gab es dennoch. Squaw Valley weigerte sich eine Bobbahn zu bauen. Offiziell, weil bei einer Befragung herausgekommen sei, dass lediglich 9 Nationen bereit waren, an den Bobwettbewerben teilzunehmen. Man vermutete jedoch finanzielle Hintergründe, weil der Bau schlicht zu teuer gekommen wäre. Schließlich mussten jegliche Einrichtungen, Sportanlagen und Unterkünfte gebaut und errichtet werden. Der Nachteil für einen Ort, der vor der Bewerbung auf keiner Landkarte zu finden war. Dies war und sollte das einzige Mal sein, dass Bob nicht zum Olympischen Programm gehörte.


Logo der Winterspiele 1960 in Squaw Valley

 

Flaggenstreit im gesamtdeutschen Team

Dafür fand Biathlon der Männer und Eisschnelllauf der Damen die Aufnahme in den Reigen der Olympischen Sportarten. Beim Eisschnelllauf war es dann die Ostdeutsche Helga Haase, die über 500 m die erste Eisschnelllauf-Olympiasiegerin und zudem erste Olympiasiegerin aus der DDR wurde. 

Dabei begann ihr Unternehmen Gold mit einigen Problemen. Ihr Mann Helmut, gleichzeitig auch ihr Trainer bekam, wie auch zahlreiche Journalisten aus der DDR, kein Einreisevisum. So war an eine intensive Betreuung während der Wettkämpfe nicht zu denken. Für den DDR-Rundfunk mussten so gezwungenermaßen akkreditierte Funktionäre der DDR über die Olympischen Momente berichten.

Überhaupt galt es im Vorfeld der Winterspiele für die deutsche Mannschaft einige Probleme aus dem Weg zu räumen. Wieder war es eine gemeinsame Mannschaft aus der BRD und der DDR, die an den Tagen in der Sierra Nevada Einheit demonstrieren mussten, obwohl davon beide Länder meilenweit entfernt waren. 

Da die DDR zum Anlass ihres 10-jährigen Bestehens eine eigene Flagge für ihre Sportler forderte, lehnte das IOC dies ab und machte beiden Teilen einen Vorschlag zur Güte: Schwarz-Rot-Gold mit den weißen Olympischen Ringen im roten Feld der Fahne. Für Bundeskanzler Konrad Adenauer ein Eingriff in die "nationale Würde". Da Brundage jedoch bekräftigte, dass es entweder diese Flagge sei, oder keine, sprich keine Teilnahme an Olympia, mussten schließlich auch Adenauer, DSB-Präsident Willi Daume und NOK-Präsident Dr. Karl Ritter dem "erzwungenen" Vorschlag stattgeben.

Im Fernsehen wird die Wiederholung eingeführt

Für die Sportler waren es Spiele der kurzen Wege. Erstmals in der Geschichte der Winterspiele existierte ein komplettes Olympisches Dorf, wie es schon bei den Sommerspielen sich etabliert hatte. Bei den Ski Alpinen durften sich die Fahrer auf perfekt präparierte Pisten freuen. Pistenbullys kamen zum Einsatz und ersetzten zahlreiche Helfer, die zuvor für die Pistenbearbeitung nötig gewesen waren. Mit der Installierung eines Olympic Data Processing Centers hielt die technische, elektronische Zeitmessung Einzug in den Ablauf der Wettbewerbe. Die Datenverarbeitung wurde dadurch vereinfacht und vor allem auch für alle Beobachter und Beteiligte beschleunigt.

Eine weitere Innovation wurde vom amerikanischen Fernsehsenderender CBS-TV auf den Weg gebracht. Da die Offiziellen im Slalom-Wettkampf der Herren oftmals nach den Videoaufzeichnungen einzelner Läufer verlangten, um zu kontrollieren, ob eventuell ein Torfehler vorlag, kamen die Macher auf die Idee auch den Zuschauern Wiederholungen anzubieten. Um aber überhaupt in die Lage zu kommen, erstmals bewegte Livebilder von Olympia den Amerikanern zu präsentieren, musste die TV-Anstalt 50.000 Dollar für die Übertragunsrechte ans IOC überweisen. Der Beginn einer Kostenspirale, die bis heute astronomische Summen ausspuckt.

Die ursprüngliche Olympische Hymne von 1896, komponiert von Spyros Samaras (Musik) und Kostis Palamas (Text), wurde zur offiziellen Olympischen Hymne erklärt. Zuvor kamen verschiedene musikalische Werke bei den Eröffnungszeremonien zum Einsatz. Jedoch entschloss sich das IOC auf seiner Session 1958 in Tokio dazu, zurück zum Ursprung zu gehen, und die Hymne von 1896 fortan zu spielen. Die Olympische Flamme war wie schon bei den Spielen 1952 in Oslo ein Nordisches Feuer. (siehe Oslo 1952)

Georg Thoma durchbricht eine skandinavische Domäne

 


Olympiadiplom von Goldspringer Helmut
Recknagel 1960 in Squaw Valley -
Quelle: Sport in Thüringen

Bei der Eröffnungsfeier in der Blyth Memorial Arena, für die Inszenierung war kein Geringerer als Walt Disney verantwortlich, wurde Skispringer Helmut Recknagel die Ehre zuteil, Fahnenträger des deutschen Teams zu sein. Später stand er nochmal im Mittelpunkt - Im Skispringen holte er Gold, wurde vor dem Finnen Niilo Halonen und dem Österreicher Otto Leodolter Olympiasieger. 

War Recknagel der "König der Lüfte", wurde Heidi Biebl (GER) "Königin der Alpinen". Sie holte sich den Abfahrts-Olympiasieg vor Penelope "Penny" Pitou aus den USA und der Österreicherin Gertrud "Traudl" Hecher. Ein anderer Skistar, Jean Vuarnet aus Frankreich holte den Sieg in der Abfahrt der Männer und setzte dabei nicht wie üblich auf Holzski, sondern fuhr mit neuartigen Metallski. Der Beginn der Materialschlachten im Alpinzirkus.

Der eigentliche Star der Spiele war aber ein anderer Athlet aus Deutschland. Georg Thoma, der Nordische Kombinierer, durchbrach bei mit seinem Olympiasieg in der Kombi aus Skispringen und Langlauf die Dominanz der skandinavischen Sportler. Thoma, wurde erster Nicht-Skandinavier, der Gold im Ski Nordisch gewinnen konnte. 

Spannung bot sich den Zuschauern besonders in der Langlaufstaffel der Männer. Der 35-jährige Finne Veikko Hakulinen wurde von seinen Teamkollegen mit einem Rückstand auf die letzten 10 Kilometer geschickt. Kurz vor dem Ziel holte er den vor ihm liegenden Norweger Håkon Brusveen ein und gewann mit einer Skispitze Vorsprung hauchdünn den Zielsprint. Im Einzel über die 30 Kilometer sicherte sich der Schwede Sixten Jernberg den Platz auf dem Olymp. Mit insgesamt 9 Olympischen Medaillen zählt er zu den erfolgreichsten Winterolympioniken aller Zeiten. 

USA sorgen im Eishockey für eine Sensation - Vorläufer des "Miracle on Ice" von 1980

Für die größte Überraschnung der Olympischen Winterspiele 1960 sorgten die Gastgeber selber. Die USA sicherte sich den Olympiasieg im Eishockey und ließ Erzrivale Kanada und die Sowjetunion hinter sich. Gold im eigenen Land - 20 Jahre später gelang den Eishockey-Cracks aus den USA erneut dieses Kunststück. Bei den Olympischen Spielen 1980 besiegte eine junge, unterschätzte USA-Auswahl im Halbfinale die übermächtigen Sowjets und wurden wieder Olympiasieger. Das "Miracle in Ice" war geboren. Noch heute zählt dieser Erfolg zu den größten Wundern in der Olympischen Geschichte. 

 Die Sportarten der Olympischen Winterspiele 1960 in Squaw Valley

Olympiasieger 1960 und die Plazierten auf dem Podium: Hier wurde Gold, Silber und Bronze vergeben. Mit einem Klick gelangen Sie zur Übersicht der Medaillengewinner in den jeweiligen Disziplinen bei Olympia 1960 auf einen Blick!

Die Sieger auf einen Blick!

(Teilweise sind einzelne Disziplinen hier als eigenständige Sportart aufgeführt - andere sind unter der Hauptsportart gruppiert, wie z.B. Skispringen unter Ski-Nordisch, Bob unter Schlittensport) 

►Biathlon

►Eiskunstlauf

►Eishockey

►Ski Nordisch

►Eisschnelllauf

►Ski Alpin

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 Der Medaillenspiegel der Olympischen Spiele 1960 in Squaw Valley

 

Nation 

 

Gold 

Silber 

Bronze 

 

 

 

 

1.

Sowjetunion

URS

7

5

9

2.

Deutschland

GER

4

3

1

3.

Vereinigte Staaten von Amerika

USA

3

4

3

4.

Norwegen

NOR

3

3

0

5.

Schweden

SWE

3

2

2

6.

Finnland

FIN

2

3

3

7.

Kanada

CAN

2

1

1

8.

Schweiz

SUI

2

0

0

9.

Österreich

AUT

1

2

3

10.

Frankreich

FRA

1

0

2

11.

Niederlande

NED

0

1

1

12.

Polen

POL

0

0

1

13.

Tschechoslowakei

TCH

0

1

0

14.

Italien

ITA

0

0

1


Erleben Sie mehr! Hier gehts zu unserem Special "Olympia"

Anmerk.: Aufgrund fehlender Standards und teils verlorengegangener und/oder lückenhafter Aufzeichnungen von den Olympischen Spielen, gerade in den Jahren 1896 - 1948, kann es bei den Angaben statistischer Werte zu den Olympischen Spiele zu Abweichungen zwischen den verschiedenen publizierten Werken über Olympia kommen. Die Angaben auf sporthelden.de sind nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert worden. Sporthelden.de kann keine Gewähr für die Richtigkeit übernehmen. Als Quellen dienten Angaben des IOC, die offiziellen Berichte der jeweiligen Spiele, sowie verschiedene anerkannte Standardwerke wie z.B. "Die Chronik" von Volker Kluge.


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