1996 - Maske vs. Hill - Die Analyse
Am Ende hockte Henry Maske auf dem Ringboden. Der Blick ging ins Leere, der Saum seines Seidenmantels baumelte über den Boden und der "Gentleman“ berührte mit seinen Fingerspitzen zum vorerst letzten Mal die Bretter, die sein Leben bis dahin beherrscht hatten. Maske hatte den vermeintlich letzten Kampf seiner Karriere verloren. Im Vereinigungsduell im Halbschwergewicht zwischen IBF-Weltmeister Maske und WBA-Champion Virgil Hill hatte der US-Amerikaner mit 2:1-Richterstimmen die Oberhand behalten. Knapp punkteten die drei Ringrichter, zwei zu Gunsten Hills (115:113, 116:113), einer sah Maske vorn (116:112). Auch Fernsehkommentator Werner Schneyder sagte während des Kampfes: "Heute möchte ich nicht Punktrichter sein.“
Es war ein Duell zweier Top-Leute an diesem 23. November 1996 in München. Am 31. März 2007 wollen Maske und Hill für Klarheit sorgen. Mit über 40 Jahren treten sie noch einmal gegeneinander an. Grund genug, den Fight von 1996 noch einmal unter die Lupe zu nehmen. Exklusiv für Sporthelden.de analysierten die Macher der ehemaligen Boxen Datenbanken von RTL und SAT.1 den ersten Kampf zwischen Hill und Maske.
Die Gesamtstatistik (12 Runden) im Überblick: Copyright: www.sporthelden.de
| Henry Maske | Ereignis | Virgil Hill |
| 261 | Schläge | 381 |
| 156 | davon Führhand | 283 |
| 105 | davon Schlaghand | 98 |
| 51 | Treffer | 47 |
| 19,5 % | Trefferquote | 12,3 % |
| 48 | Treffer Kopf | 21 |
| 3 | Treffer Körper | 26 |
Kampfverlauf: Bis zur Mitte des Kampfes ist Hill der deutlich aktivere Boxer, teilt in jeder Runde mehr Schläge aus (41 im Schnitt, Maske 25 Schläge). Danach fällt der Amerikaner deutlich ab. In der vierten Runde liefern sich beide Kämpfer einen für ihre Verhältnisse offenen Schlagabtausch. Maske teilt 36 Schläge aus (10 Treffer), Hill 40 (7 Treffer). "Der Kampf gewinnt an Farbe, an Dynamik“, freut sich TV-Kommentator Schneyder. Die sechste Runde gehört klar Maske, der 21 Prozent seiner Schläge ins Ziel bringt (Hill nur 3%) und seinen Gegner mit einer Linken zum Kopf kurzzeitig aus der Fassung bringt. Ab spätestens der achten Runde sucht Hill vermehrt den Infight. "Es wird unsauberer“, meint Schneyder in dieser Phase. Die Trefferquote geht bei beiden Boxern deutlich runter, Treffer zum Körper kommen so gut wie überhaupt nicht mehr vor. In der letzten Runde wird kaum noch geboxt. Hill landet nicht einen einzigen verwertbaren Treffer.
Taktik: Henry Maske hält sich in der Anfangsphase sehr zurück, konzentriert sich auf eine sichere Defensive. "Maske nimmt die Schlaghand nicht vom Kinn weg“, bemerkt Schneyder in der zweiten Runde. Tatsächlich setzt Maske seine stärkere Linke in der ersten Kampfhälfte im Schnitt nur sechs Mal pro Runde ein, in der zweiten Hälfte fast doppelt so oft. Auch Hills Taktik ist klar: Mit Treffern zum Körper will er den Deutschen schwächen. 72 % Prozent seiner Treffer bis zur sechsten Runde gehen auf Maskes Körper. Erst als in der zweiten Hälfte die Kräfte nachlassen und es in den Nahkampf geht, geht auch Hill mehr zum Kopf. Bis einschließlich zur siebten Runde landet der WBA-Champ grundsätzlich mehr Körper- als Kopftreffer. Danach nur noch einmal (10. Runde). Für Maske ist der Körper dagegen kein strategisches Ziel. Nur drei seiner insgesamt 51 Treffer gehen auf Hills Unterkörper. Dafür verlässt sich Maske mehr auf seine Schlaghand. In 40% seiner Schläge setzt der "Gentleman“ die Linke ein, Hill seine stärkere Rechte nur in 25% der Schläge.
Treffer: In punkto Effektivität tun sich beide Kontrahenten nicht viel. Maske hat zwar über den gesamten Kampf gesehen mit 19,5 Prozent die bessere Trefferquote als Hill (12,3 %), aber rein nach absoluten Treffern liegt die Zahl der gewonnen Runden nahe beieinander: Maske trifft in fünf Runden häufiger, Hill in sechs, einmal treffen beide gleich oft. Mit der jeweils stärkeren Schlaghand erreichen beide Boxer fast die identische Trefferquote (Maske 25%, Hill 25,5%). Auch die reine Trefferanzahl spricht mit 51:47 über zwölf Runden nur hauchdünn für Maske.
Kondition: In der zweiten Kampfhälfte baut Virgil Hill deutlich ab. „Ist Hill in dieser Phase der Ermüdetere?“, fragt Schneyder in der achten Runde. Der Amerikaner setzt nur noch 23 Schläge im Schnitt pro Runde statt 41 innerhalb der ersten sechs Runden an. Maske hingegen geht sein Tempo durch. Bis auf wenige Schwankungen hält er über die kompletten zwölf Runden seinen Schnitt (21 Schläge pro Runde), erhöht sogar in den zweiten sechs Runden leicht das Tempo (Schnitt steigt von 19 Schlägen auf 25).
Fazit: Rein von den zählbaren Offensivleistungen her (Treffer, Trefferquote, Einsatz Schlaghand) lag Maske knapp vorn und hätte nach diesen Faktoren hauchdünn den Kampf für sich entschieden. Nimmt man aber die für Punktrichter ebenfalls relevanten weichen Fakten wie Kampfführung, Aktivität, Defensivverhalten oder Präsenz im Ring hinzu, wäre auch ein Unentschieden oder eine knappe Wertung zu Gunsten Hills möglich. Insgesamt versäumte es Henry Maske in der Startphase, Akzente zu setzen (wenige Schlaghand-Aktionen) und so vielleicht doch noch einen Punktrichter mehr auf seine Seite zu ziehen, so dass das letztendliche Resultat durchaus als akzeptabel zu bezeichnen ist. Zur Detail-Analyse: Alle Zahlen, alle Fakten, alle Runden (db)
Anmerkung der Redaktion: Der Statistikerhebung liegen folgende Definitionen zu Grunde. Schlag: Eine Offensivaktion wird als Schlag gewertet, wenn sie in einer der Grundtechniken des Boxens mit dem erkennbaren Ziel, den Gegner treffen zu wollen, von Ansatz bis Ende ausgeführt wird. Treffer: Ein Treffer ist ein Schlag, der ungebremst von Verteidigungshandlungen des Gegners auf der laut Regeln an der Körperfront festgelegten Trefferfläche landet.







