1988 - Faire Geste der Gräfin
Bei der Siegerehrung nimmt Steffi Graf Natalia Zvereva in die Arme. Der Russin stehen die Tränen in den Augen. Mit 0:6, 0:6 hat die 17-Jährige das erste – und wie sich später heraus stellen sollt auch einzige – Grand-Slam-Finale ihrer Karriere verloren. Gerade einmal 34 Spielminuten dauerte ihr Traum vom ersten großen Triumph. Auch die Zuschauer wirken konsterniert ob der Dominanz von Graf.
Dann bekommt die Deutsche zum zweiten Mal nach 1987 die Siegertrophäe überreicht. Der Applaus des Publikums wirkt etwas zurückhaltend, fast ehrfürchtig. Die 18-jährige Graf bekommt, wie bei den Siegerehrungen üblich, ein Mikrofon in die Hand. „Es tut mir leid, dass es so schnell ging“, sagt sie, „das habe ich nicht erwartet.“ Dabei war die Deutsche schon sehr souverän durchs Turnier marschiert. Für ihr 6:0, 6:1 im Viertelfinale gegen die Argentinierin Bettina Fulco hatte Graf 40 Minuten benötigt. Nur im Halbfinale gegen Fulcos Landsmännin Gabriela Sabatini hatte Graf beim 6:3 und 7:6 (7:3) etwas mehr Mühe.
Doch im Triumph vergisst Graf die Gegnerin nicht. „Natalia hat auf dem Weg ins Finale große Gegnerinnen geschlagen“, sagt die Deutsche und erntet für diese faire Geste tosenden Beifall der 16.500 Zuschauer. Paris fängt an, Steffi Graf in sein Herz zu schließen. Noch vier Mal gewinnt die Deutsche das traditionsreiche Grand-Slam-Turnier in Roland Garros und vor allem bei ihrem letzten Triumph mit fast 30 Jahren im Jahr 1999 ist Graf endgültig eine der Heldinnen von Paris.





