WM 1954 - Der Jubel der Helden
Mit dem Ende des WM-Endspiels von 1954 und dem Gewinn des Titels begann für die Deutsche Nationalmannschaft ein wahrer Feiermarathon. Den Jubel haben sich die Spieler redlich verdient.
Mit dem Schlusspfiff fallen sich die deutschen Spieler fast ungläubig jubelnd in die Arme und laufen danach in die Kurve der deutschen Fans, die vollkommen außer sich ihre schwarz-rot-goldenen Fahnen schwenken. Danach verteilt sich die Mannschaft vor den Rängen und feiert mit den Zuschauern die große Sensation. Nach und nach finden sich die deutschen Spieler und Verantwortlichen dann vor der Haupttribüne ein, wo die enttäuschten Ungarn und das Schiedsrichtergespann bereits auf die Siegerehrung warten.
Der FIFA-Ehrenpräsident und Initiator der Fußball-Weltmeisterschaften, Jules Rimet (Frankreich), und FIFA-Präsident Rodolphe William Seeldrayers (Belgien) sowie der Schweizer Bundespräsident Rudolphe Rubattel und der Chef des Organisationskomitees, Ernst B. Thommen (Schweiz) betreten das Podium. Mit den Worten „Achtung, Achtung, Silentium! Achtung, Achtung, liebe Sportfreunde nun folgt die Übergabe des Pokals“ bittet der Stadionsprecher die Zuschauer um Aufmerksamkeit.
Ehrenrunde mit Pokal
Es regnet immer noch in Strömen. Unter einem Regenschirm geschützt geht der 80-jährige Rimet zum Mikrofon und hält eine kurze Ansprache über den Verlauf des Turniers und die Entwicklung der Fußball-Weltmeisterschaft seit ihrer Premiere 1930. Etwas mehr als vier Minuten müssen die deutschen Spieler warten. Gegen 19 Uhr ist es endlich soweit: Rimet gratuliert der deutschen Mannschaft und übergibt den nach ihm benannten Weltpokal an den deutschen Spielführer Fritz Walter. Jubelnd reckt Walter den Pokal in die Höhe.
Eine Kapelle spielt die deutsche Nationalhymne. Die begeisterten deutschen Zuschauer singen, weil sie es so gewohnt sind, die eigentlich verbotene erste Strophe der Hymne. Danach dreht die Mannschaft eine Ehrenrunde. Begeisterte Fans haben mittlerweile das Spielfeld gestürmt und feiern mit der deutschen Mannschaft, tragen den Kapitän, den Trainer und viele andere der Helden auf den Schultern. Am späteren Abend wird im Mannschaftsquartier in Spiez weiter gefeiert.
Großer Bahnhof in jedem Ort
Am Morgen des 5. Juli bricht die Mannschaft mit einem Sonderzug in Spiez auf und fährt über Schaffhausen, Singen und Konstanz am Bodensee entlang zunächst bis Lindau. Schon unterwegs werden die Weltmeister gefeiert, müssen immer wieder für Gratulationen anhalten. Das sollte aber noch nichts im Vergleich zur Fahrt von Lindau durchs Allgäu nach München am 6. Juli sein.
Fast jeder Ort mit Bahnhof am Rande der Strecke bereitet der Mannschaft einen besonderen Empfang. Allerdings gehen die sorgfältig vorbereiteten Choreographien und Reden zumeist im Jubel der Massen unter. Insgesamt über eine Millionen Menschen sollen die DFB-Elf an jenem Dienstag an der Strecke gefeiert haben. Die für 16 Uhr geplante Ankunft in München verschiebt sich bis in den Abend. Dort nimmt Bürgermeister Thomas Wimmer die deutsche Mannschaft in Empfang. Am Abend geht es dann zur großen Feier in den Löwenbräukeller. Auch in den Tagen danach werden die Weltmeister überall im Land gefeiert.





