1981 - Wachablösung durch "BigMac"


McEnroe gewann in Wimbledon drei Mal. - Foto: Autogrammkarte
McEnroe gewann in Wimbledon drei Mal. - Foto: Autogrammkarte

Wie schon 1980 gehört auch das Wimbledon-Turnier 1981 ganz den Superstars der Zeit. Als Weltranglistenerster und Titelverteidiger ist Björn Borg auf dem „heiligen Rasen“ erneut an Nummer eins gesetzt, Herausforderer John McEnroe - der Borg bis dahin immer nur für ganz kurze Zeit von Platz eins der Weltrangliste verdrängen konnte - ist die Nummer zwei der Setzliste.

Beide spielen sich wieder souverän bis ins Finale. Anders als im Jahr zuvor erwischt dieses Mal Borg den besseren Start, gewinnt den ersten Durchgang mit 6:4. Aber trotzdem wird deutlich, dass McEnroe spielerisch gereift ist. Der Amerikaner setzt noch konsequenter auf sein Serve-and-Volley-Spiel und geht auch in den kritischsten  Situationen volles Risiko. Das zahlt sich an diesem Tag erstmals im zweiten Durchgang aus.

McEnroe holt beide Tiebreaks

Im Tiebreak hält McEnroe den Druck hoch und lässt Borg beim 7:1 nicht den Hauch einer Chance. Der Champion scheint noch einmal zurückschlagen zu können. Im dritten Satz zieht Borg mit einem Break bis auf 4:1 davon. Beim Stand von 4:5 wehrt McEnroe vier Satzbälle des Schweden ab. Wieder kommt es zum Tie-Break, wieder hat McEnroe die besseren Nerven und die größere Risikobereitschaft. Mit 7:4 geht auch der zweite Tiebreak an den Amerikaner.

Zu Beginn des vierten Satzes setzt leichter Regen in Wimbledon ein. Doch die Oberschiedsrichter sehen keinen Grund, das Match zu unterbrechen und nach einiger Zeit lässt das Nieseln auf dem Center Court auch wieder nach. Beim Stand von 1:1 und 30:30 spielt Borg einen Flugball auf die Linie. In McEnroe kocht kurz der „Bad Boy“ auf. „Das kann nicht dein Ernst sein“, knurrt er den Linienrichter an, doch Stuhlschiedsrichter Eddie James übernimmt die Entscheidung und Borg hat Spielball zum 2:2. Den folgenden Punkt vergibt McEnroe unkonzentriert, zeigt sich im Spiel darauf aber wieder auf der Höhe. Bei eigenem Aufschlag gelingen ihm zwei Asse und die erneute Führung zum 3:2.

Borg in Bedrängnis

Beim Stand von 4:3 für McEnroe bringt der Amerikaner Borg erstmals in diesem Satz bei dessen Aufschlag in Bedrängnis. Bei 40:15 hat der Herausforderer zwei Breakbälle, doch mit Glück und Können rettet sich Borg durch die Situation und gleicht zum 4:4 aus. Ohne Probleme sichert sich McEnroe das nächste Spiel - der Satz geht in seine entscheidende Phase.

Zwei Mal trafen sich Borg (l.) und McEnroe in einem Wimbledon-Finale. -Foto: imago
Zwei Mal trafen sich Borg (l.) und McEnroe in einem Wimbledon-Finale. -Foto: imago

Fast aufmunternd applaudiert das Publikum Borg bei dessen Rückkehr aus der Pause beim Stand von 5:4 für McEnroe. Der Amerikaner wirkt entschlossen, aber vielleicht auch etwas übermotiviert. Nach zwei leichten Return-Fehlern McEnroes steht es schon 30:0 für Borg. Doch der Schwede zeigt Nerven, vergibt in der Folge zwei Flugbälle am Netz und schon steht es 30:30. Auf einmal ist McEnroe nur noch zwei Punkte vom Triumph entfernt. 

Kühles Shakehands

Der Amerikaner bleibt aggressiv, attackiert Borgs zweiten Aufschlag. Der Ball des Schweden landet im Netz. Ein Aufschrei geht durchs Publikum, McEnroe ballt die Fäuste und schreit, als habe er das Spiel schon gewonnen. Aber es steht erst 40:30, das heißt Matchball und Borg bleibt nervenstark, wehrt die drohende Niederlage ab. McEnroe aber bleibt am Drücker, holt sich den nächsten Matchball. 


Borg wackelt. Der nächste Aufschlag durch die Mitte geht wieder ins Aus. McEnroe rückt vor. Der zweite Aufschlag geht durch die Mitte. McEnroe umläuft die Rückhand, setzt den Ball in Borgs Vorhand-Ecke. Der Schwede will longline passieren, doch McEnroe bekommt noch den Schläger dazwischen und setzt den Ball unerreichbar ins Eck. Der Amerikaner reißt die Arme hoch, schreit, sackt kurz auf die Knie und geht dann zum Netz, wo es ein kurzes, kühles Shakehands gibt.

Endgültige Wachablösung

Für McEnroe ist der Sieg nach 3:22 Stunden der erste Triumph in Wimbledon. Damit beendet er die fünfjährige Regentschaft von Borg bei den All England Championships. In dieser Zeit holte der Skandinavier 41 Siege in Folge und durfte fünf Mal seinen Namen im Siegerpokal eingravieren lassen. McEnroes Triumph läutet die endgültige Wachablösung ein. Ab dem 3. August übernimmt der US-Boy dauerhaft Platz eins der Weltrangliste. Auch bei den US Open schlägt er Borg im Finale. 

Der Schwede holt nur noch beim ATP-Turnier in Genf einen Titel. Im Jahr darauf spielt er noch ein paar Turniere, doch die Motivation, an der Spitze anzugreifen, ist dahin und Borg beendet seine Karriere. McEnroe hingegen hält sich für die folgenden 58 Wochen auf Platz eins und erlebt die erfolgreichste Zeit seiner Karriere. (anhe)


Zahlen und Fakten

Datum: 

4. Juli 1981 

Sportart: 

Tennis 

Anlass: 

Finale der 95. All England Championships

Ort: 

Wimbledon (England)

Belag: 

Rasen

Beginn: 

14.07 Uhr (Ortszeit)

Dauer: 

3:22 Stunden

Ende: 

17.29 Uhr (Ortszeit)

Paarung:

John Mc Enroe(USA) - Björn Borg (SWE)

Ergebnis:

4:6, 7:6 (7:1), 7:6 (7:4), 6:4