1997 - Ullrich am Gipfel angekommen


Grund zum jubeln, Jan Ullrich -
Foto: imago

Datum:
Sportart:
Anlass:
Ort:
Etappen:
Distanz:
Stundenmittel:
Fahrer am Start:
Fahrer im Ziel:
Ergebnis gesamt:


05.-27. Juli 1997
Radrennsport
84. Tour de France
Frankreich
21
3950 Kilometer
39,237 Km/h
198 in 22 Teams
139
1. Jan Ullrich
2. Richard Virenque
3. Marco Pantani


 

 


Ullrich in "Gelb" - Foto: imago

 

Noch bevor sich die 198 Fahrer zum Start der 84. Tour de France in Rouen eingefunden haben, steht für die renommierte Zeitschrift L´Equipe der Topfavorit fest. Sie vergeben in ihrer traditionellen Einschätzung für den komplettesten Fahrer 5 Sterne an Jan Ullrich, der bereits im Jahr zuvor als Zweitplazierter der „Großen Schleife“ durch Frankreich aufhorchen ließ. Die allseits favorisierten Bjarne Riis, Vorjahressieger, und Abraham Olano werden „nur“ mit vier der begehrten Sterne bedacht.

Riis ist der Kapitän

Für das deutsche Team Telekom gilt dies lediglich als Störfeuer: „Die wollen einen Keil zwischen Bjarne und mich treiben“, so der junge Ullrich. In der Tat wird die sportliche Leitung Telekoms nicht müde zu erwähnen, dass Riis der Kapitän ist, Ullrich sein „Edelhelfer“.

Und auch Jan Ullrich scheint sich mit dieser Teameinteilung abgefunden zu haben, zu groß sein Respekt vor dem Dänen Riis. Trotz der Mühen im Vorfeld, 8 Monaten harter Arbeit mit knapp 13200 Trainingskilometern in den Beinen, hat der gebürtige Rostocker nur eines vor Augen: „Wie schaffen wir Bjarnes nächsten Toursieg?“ 

So startete am 05. Juli 1997 das härteste Radrennen der Welt mit einem Prolog in Rouen. Für die Fahrer eigentlich nur ein Einrollen für die kommenden Tage. Doch Ullrich mit der Startnummer 8 im Trikot des frischgebackenen deutschen Meisters am Start demonstriert bereits hier seine Stärke. 2 Sekunden fehlen am Ende auf Sieger Chris Boardman, das gelbe Trikot vor Augen, bevor es richtig losgeht. Dem Kapitän Riis 13 Sekunden abgenommen.  

"Grün" statt "Gelb"

Doch „Gelb“ interessiert in den ersten Tagen keinen der Favoriten. Zu groß ist die Last, zu anstrengend die Arbeit, die mit diesem „Maillot Jaune“ verbunden ist. Auch für den sportlichen Leiter des Teams Telekom Walter Godefroot ist die Farblehre bis in die ersten Berge der Pyrenäen eine andere. Er spannt seinen Telekom-Express vor Sprintkönig Erik Zabel. „Grün“ steht auf dem Programm und die Duelle zwischen „Ete“ Zabel und dem schillernden Italiener Mario Cipollini aus der Saeco Mannschaft zieht alle in ihren Bann.


Sprinterkönig Erik Zabel -
Foto: André Helpensteller

 

 

Gleich auf der 1. Etappe zeigt sich, dass Massenankünfte bei der Tour besonders sind. Besonders nervös, deshalb besonders gefährlich. Knapp 11 Kilometer vor dem Ziel kommt es zu einem Massensturz, während Zabel von seinen Kollegen weiter nach vorne gezogen wird, verliert ihr Kapitän Riis fast eine Minute auf die Spitze, in der auch Ullrich fährt. „Super-Mario“ Cipollini siegt, Zabel wird Vierter und Riis, stocksauer auf sein Team, schimpft: „Alle außer Zabel und Ullrich hätten auf mich warten müssen.“  

Nach der 3. Etappe haben die Schützlinge von Godefroot ihr erstes Teilziel erreicht. Zabel feiert einen Tag nach seinem Geburtstag seinen Etappensieg und übernimmt das „Grüne Trikot“. Der sechsten Etappe, die Zabel eigentlich gewinnt, aber wegen angeblichem Kopfstoß auf den letzten Platz strafversetzt wird, lässt der Blitz aus Unna Siege auf den Etappen 7 und 8 folgen.

Der Berg ruft

Unternehmen „Grün“ läuft auf Hochtouren, auch weil der schärfste Widersacher Cipollini die Tour frühzeitig wegen Verletzung aufgibt. Dies hätte auch Jens Heppner passieren können. Dem Zimmerkollegen von Jan Ullrich ist ein Hund ins Rad gelaufen. Folgen: Gehirnerschütterung und Hüftprellung. Aufgabe kommt für ihn nicht in Frage. Seine Arbeit ist noch nicht getan.  

Für viele beginnt die Tour erst jetzt so richtig. 14. Juli, 9. Etappe von Pau nach Loudenvielle. Am Nationalfeiertag der Franzosen rechnet jeder mit Attacken der französischen Profis. Und genau so kommt es. Am berühmt berüchtigten Tourmalet, einem Berg der höchsten Kategorie, greift Richard Virenque (Festina) an. Doch Ullrich strahlt nicht nur eine ungeheuerliche Ruhe aus, er macht auch deutlich, dass er die Angriffe parieren kann. Virenque kommt nicht weg, Ullrich kümmert sich weiter um Riis, der Probleme hat.                                    

                                                     zu Seite 2

Erleben Sie mehr! Weitere Artikel über Jan Ullrichs Toursieg 1997:

1997 - Stimmen zur Tour d´Ullrich

1997 - Das Team des Siegers

1997 - Ergebnisse der Tour

Die Sieger der Tour de France

Der Sturm auf Andorra als Video bei YouTube

Mehr über die Tour:

Der gelbe Wahnsinn dank Thurau

Dietrich Thurau - Steckbrief und Kurzporträt


 


<-- zurück: Startseite