|  1986 war Langer die Nummer eins der ersten Weltrangliste. - Foto: Autogrammkarte 1995
| | Der Jubel ist eher zurückhaltend. Als feststeht, dass Bernhard Langer als erster Deutscher das traditionsreiche US-Masters der Profi-Golfer in Augusta (USA) gewonnen hat, sitzt er auf einem Golf-Cart, nimmt seine vor Freude weinende Frau Vikki in den Arm und lächelt sanft. Dabei waren die vergangenen vier Tage auf dem von den Amerikanern wegen der Blütenpracht im Frühjahr „Paradies“ getauften Kurs alles andere als entspannend für den 27 Jahre alten Deutschen. Als am Donnerstag das 49. US-Masters auf dem 1935 eingeweihten Kurs des Augusta National Golf Clubs beginnt, hat Langer ein klares Ziel. "Ein Platz zwischen fünf und zehn sollte es schon sein“, sagt er. Im Jahr zuvor war er 31. geworden und nach den ersten zwei Runden sieht es auch nicht so aus, als sollte es bei seiner dritten Teilnahme seit 1982 besser werden. Nach einer 72er Runde am ersten Tag rutscht Langer mit einer 74 auf dem Par-72-Kurs am zweiten Tag auf den 25. Platz ab. Sechs Schläge beträgt sein Rückstand auf das führende US-Trio Craig Stadler, Payne Stewart und Tom Watson mit 140 Schlägen.  Langer ist seit 1976 Profi. - Foto: Autogrammkarte
| | | Aufholjagd ab Runde drei Dennoch fühlt sich der Deutsche gut und sagt am Abend selbstbewusst: "Ich habe immer noch eine Chance.“ Am dritten Tag machen leichter Regen und böiger Wind den Golfern das Leben schwer. Doch Langer kommt perfekt mit der Situation klar. So gelingt ihm zum Beispiel am 13. Loch mit zwei Schlägen unter Par ein Eagle. Mit einer starken 68er Runde spielt sich Langer bis zum Ende des Tages vom 25. auf den mit dem Spanier Severiano Ballesteros geteilten dritten Rang vor. Der Rückstand auf den führenden Amerikaner Raymond Floyd beträgt gerade einmal zwei Schläge. Am Finaltag beruhigt sich das Wetter. Es nieselt nur noch vereinzelt und auch der Wind hat sich gelegt, als Langer mit Ballesteros im vorletzten Spielerpaar auf die Runde geht. Nicht nur sein Outfit aus roter Hose und rotem Polo-Shirt signalisiert Angriffslust. Er startet auch offensiv. Allerdings unterläuft Langer gleich am zweiten Loch ein Bogey (ein Schlag über Par), doch das macht er mit zwei Birdies (ein Schlag unter Par) am dritten und fünften Loch mehr als wett. Zur Hälfte der Runde liegt Langer schon auf Rang zwei. Der Rückstand auf den mittlerweile führenden Amerikaner Curtis Strange beträgt aber nach wie vor zwei Schläge. Am 13. Loch hat Langer wie schon am Vortag die Chance zum Eagle. Sein Put über eine der vielen Wellen auf diesem Grün geht aber deutlich am Loch vorbei. Dafür sitzt der Birdie-Put ganz souverän. Wichtiger Birdie an Loch 15 Auf der 15. Bahn, auf der Langer schon die drei Tage zuvor jeweils ein Birdie gespielt hat, hat der Deutsche die nächste Eagle-Chance. Der Put-Versuch vom Rand des Grüns verfehlt das Loch aber um haaresbreite. Enttäuscht nimmt Langer seine Schirmmütze ab und geht in die Knie. Das Birdie sichert er sich dann aber doch, verbessert sich insgesamt auf sechs unter Par und zieht mit dem hinter ihm gestarteten Strange gleich, der auf der 14 zwei Schläge braucht, um sich aus einem Graben zu befreien. Die Entscheidung muss auf den letzten drei Bahnen fallen. Während Langer am 16. Loch ein sicheres Par spielt, landet Strange mit seinem zweiten Schlag auf der 15 im Wasser und verliert noch einen Schlag. Langer übernimmt die Führung! Auf der 17. Bahn erspielt sich Langer mit einem starken zweiten Schlag die nächste Birdie-Chance. Vor dem Put nimmt er sich viel Zeit. Dann setzt er an. Aus vier Metern läuft der Ball schnurgerade auf das Loch zu und fällt hinein. Langer lässt den Putter fallen, reißt die Arme kurz hoch und auch das Publikum jubelt. (Welche Erinnerungen haben Sie an Langers Triumph? Mailen Sie uns Ihre Anekdote!) Der Deutsche führt plötzlich mit zwei Schlägen. Sein Rundenpartner Ballesteros kommt auf dem Weg zum letzten Loch auf ihn zu und gratuliert schon: "Gut gemacht.“  Langer lebt in den USA. - Foto: Autogrammkarte
| Schlag in den Sank-Bunker Aber noch ist eine Bahn zu spielen. Am 18. Loch erwartet den Führenden die gespannte Stimmung der riesigen Zuschauermenge. Nach einem guten Abschlag landet Langer mit seinem zweiten Schlag im Bunker. Die Menge hält den Atem an. Mit einem gekonnten Schlag befreit sich der Deutsche aber aus dem Sand und legt den Ball in guter Put-Entfernung an die Fahne. Doch beim Put zum Par wackeln Langer die Hände. Der Ball rollt knapp am Loch vorbei, ein Aufschrei geht durchs Publikum. Langer kann es nicht fassen, stützt sich gefrustet auf seinen Schläger, symbolisiert mit den Fingern der rechten Hand eine Pistole und "schießt“ auf den Ball. Den kurzen Put verwandelt Langer, doch nach dem Bogey ist der Vorsprung auf Strange auf einen Schlag geschrumpft. Warten auf den letzten Put Mit einem Birdie auf der letzten Bahn könnte der Amerikaner ein Stechen erzwingen. Dennoch wirkt Langer nach dem letzten Loch nicht unzufrieden und lächelt, als sein Caddie Peter Coleman auf ihn zukommt, ihm erst die Hand schüttelt und dann auf die Schulter klopft. Strange spielt sich mit dem zweiten Schlag auf der 18. Bahn bis ans Grün. Ein langer Put und es käme zum Stechen. Doch der Amerikaner verfehlt klar und setzt auch den zweiten Put daneben. Langers Sieg ist perfekt: Mit 282 Schlägen (sechs unter Par) gewinnt Bernhard Langer mit zwei Schlägen Vorsprung als erster deutscher Profi-Golfer beim US-Masters in Augusta einen Major-Titel! Noch beim Empfang im Clubhaus und dem traditionellen Interview mit dem Präsidenten des Augusta National Golfs Clubs, Hord Hardin, kann Langer sein Glück gar nicht richtig fassen: "Am Ende ist der Traum dann wahr geworden. Ich habe schon einige Turniere gewonnen, aber ich bin sehr glücklich, dass es hier und heute in Augusta geklappt hat.“ Als Langer dann aus den Händen von Vorjahressieger Ben Crenshaw sein eigenes grünes Siegerjackett überreicht bekommt, ist dem jungen Deutschen nicht nur ein Startplatz auf Lebenszeit beim US-Masters, sondern auch ein Platz unter den größten Profi-Golfern aller Zeiten sicher. (db) |