1985 - Wasmeiers Blindflug zu Gold


Mit 21 Jahren auf dem WM-Thron: Markus Wasmeier (M.) - Foto: imago


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7. Februar 1985
Bormio (ITA)
Ski alpin
Riesenslalom
28. FIS Ski-WM
1. Markus Wasmeier (GER)
2. Pirmin Zurbriggen (CH)
3. Marc Giradelli (LUX)


 

 


Schon an einem der ersten Tor verlor Markus
Wasmeier Mütze und Brille - Foto: imago

 

Vor der 28. alpinen Ski-Weltmeisterschaft in Bormio (Italien) hat den jungen Deutschen Markus Wasmeier eigentlich keiner so richtig für die Medaillenränge auf der Rechnung. Zwar fährt der 21-Jährige schon seine dritte Weltcup-Saison und landet im Dezember 1984 beim Weltcup-Riesenslalom in Sestriere (Italien) erstmals auf dem Treppchen, aber zu stark ist in diesem Winter eigentlich die Dominanz der Stars wie Pirmin Zurbriggen (Schweiz) oder Marc Giradelli.

Der Start des Österreichers steht allerdings bis kurz vor WM-Beginn auf der Kippe, weil seine Einbürgerung in Luxemburg noch nicht über die Bühne ist. Dieses Thema bestimmt die ersten Tage der WM mehr als der deutsche Bundeswehrsoldat Wasmeier aus Schliersee, der sich auf seine erste WM-Teilnahme freut.
 
Bestzeit im ersten Durchgang

Dementsprechend befreit geht "Wasi" mit der niedrigen Startnummer 3 im Riesenslalom in den ersten Lauf und überrascht Konkurrenten wie Experten. In 1:08,78 Minuten fährt der Blonde mit den blauen Augen Bestzeit und katapultiert sich in den Kreis der Medaillenkandidaten. An den Titel will aber nicht mal der deutsche Radioreporter Gerd Rubenbauer glauben. "Eine Zeit von 1:21,77 Minuten müsste er fahren, um eine Medaille zu gewinnen“, rechnet er vor, als sich Wasmeier in der Startbox als letzter Läufer für den zweiten Durchgang startklar macht.

Mit ein paar schnellen Stockschüben macht sich "Wasi" auf den Weg die "Stelvio“-Piste hinunter. Doch schon im flacheren ersten Teilstück verliert er kurz die Konzentration, fährt zu dicht an ein Tor und rauscht mit dem Kopf gegen die Stangen. "Danach habe ich nur noch das Strickmuster der Mütze gesehen“, sagt er später. Es dauert ein paar Meter, bis er Mütze und Brille abgeschüttelt hat. Bis dahin ist Blindflug angesagt.
 
Wichtig ist nur eins: Tempo


Nach dem WM-Triumph war Wasmeier
ein gefrager Sportler.

 

 

Erbarmungslos zeigt die erste Zwischenzeit die Schwere seines Patzers an. Etwas über eine halbe Sekunde hat Wasmeier auf die Spitze verloren, liegt aber immer noch auf Medaillenkurs. "Danach habe ich das Letzte gegeben. Ich dachte, ich habe sowieso keine Chance mehr“, sagt er rückblickend. Es wird eine wilde Fahrt. Aggressiv macht er Druck, fährt dicht an die Tore, kommt in Rücklage und schliddert. Wichtig ist nur eins: Tempo.

Die nächsten knapp 30 Sekunden entscheiden alles. Wasmeier lässt die Ski einfach laufen. Die letzten sechs Tore im Zielhang nimmt er in voller Fahrt. Mit dem Rechtsschwung am vorletzten Tor rammt er aggressiv die blauen Stangen zur Seite und geht dann noch einmal tief in die Hocke. Die letzten Meter, die Uhr läuft: 1:19 Minuten, 1:20 – dann rast Wasmeier über die Ziellinie. Bei 1:20,18 Minuten bleibt die Zeitmessung stehen.
 
In Trance zur Siegerehrung

Die Stimme von Radioreporter Rubenbauer überschlägt sich: "Jawoll, er gewinnt, er gewinnt. Das darf doch gar nicht war sein!“ Wasmeier richtet sich auf, bremst ab und blickt zur Anzeigetafel. 2:28,90 Minuten leuchtet als Gesamtzeit auf. Damit hat er Zurbriggen um 0,05 Sekunden auf Platz zwei und Giradelli (2:29,22 Minuten) auf Rang drei verbannt. Endlich begreift auch Wasmeier seinen Triumph und reißt jubelnd die Arme hoch.

Das erste deutsche alpine WM-Gold der Herren seit dem Sieg von Ludwig Leitner 1964 in der Kombination ist perfekt. Später bei der Siegerehrung ist Wasmeier noch wie in Trance und die Veranstalter scheinbar auch. Sie legen die DDR-Hymne auf.

Schließlich springt eine Blaskappelle ein und spielt die Hymne der Bundesrepublik. Ein Rennen voller Patzer endet mit der Goldmedaille um den Hals eines überglücklichen Markus Wasmeier, der die erste dicke Überraschung seiner jungen Karriere schafft. (db)

 


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