|  Falko Götz traf zum wichtigen 2:0. - Foto: Autogrammkarte
| "Noch 13 Tage" - einen Zettel mit dieser einfachen Botschaft finden die Spieler von Bayer 04 Leverkusen einen Tag nach der derben 0:3-Pleite im Final-Hinspiel des Uefa-Cups bei Espanyol Barcelona in ihrer Kabine unter einer Uhr hängend. Am nächsten Tag ist die 13 durchgestrichen und eine zwölf steht da. Noch zwölf Tage bis zum Rückspiel im Ulrich-Haberland-Stadion, bis zur Chance, doch noch den ersten großen Titelgewinn der Vereinsgeschichte perfekt zu machen. Was den Spielern kurz nach Abpfiff im Sarria-Stadion noch unmöglich schien, nimmt mit dem Countdown langsam Form an. "Die Bundesliga-Spiele zwischendurch waren vollkommen egal. Alle haben nur noch auf das Rückspiel hingefiebert", erinnert sich Torwart Rüdiger Vollborn im Sporthelden.de-Gespräch. Den letzten Kick gibt die Stimmung im mit 22.000 Zuschauern ausverkauften Ulrich-Haberland-Stadion am Abend des 18. Mai. Obwohl sich die Arena im Umbau befindet, sorgen die Bayer 04-Fans dafür, dass sie zu einem Hexenkessel wird. Das und das selbstgefällige Auftreten der Spanier beim Warmlaufen beflügelt die Leverkusener. Schon nach fünf Minuten hat Stürmer Bum-Kun Cha die erste Chance, doch der Kameruner Thomas N’Kono zwischen den Pfosten von Espanyol reagiert glänzend. Knapp zehn Minuten später scheint die erhoffte Aufholjagd konkret zu werden, als Bayer 04-Stürmer Tita Torwart N’Kono bei einem Abschlagversuch den Ball mit dem Kopf wegspitzelt und über die Linie schiebt. Doch der niederländische Schiedsrichter Jan Keizer gibt den Treffer nicht. Ernüchterung zur Pause Barcelona fängt sich in der Abwehr und bleibt stur der Maßgabe von Trainer Javier Clemente treu: "Wir spielen defensiv und sind auf Konter aus." In der Leverkusener Hälfte sind die Gäste allerdings kaum zu sehen. So entwickelt sich bis zur Pause ein eher zähes Spiel. Erst kurz vor dem Halbzeitpfiff dreht Bayer 04 noch einmal auf, kommt aber nicht zu einer nennenswerten Chance. Nach 45 Minuten hat sich an der Ausgangssituation nichts geändert. Es steht 0:3, Leverkusen muss drei Tore aufholen, um noch eine Verlängerung zu erzwingen. Selbst Trainer Erich Ribbeck scheint nicht mehr ganz daran zu glauben. "Jungs, lasst uns das Spiel wenigstens für unsere Fans gewinnen. Die machen so eine tolle Stimmung da draußen", sagt er in der Kabine. Für den mit einer Leistenzerrung angeschlagenen Christian Schreier bringt Ribbeck zur zweiten Halbzeit Herbert Waas. Wütend hatte der Stürmer, der im Hinspiel noch 90 Minuten auf dem Feld gestanden hatte, zunächst auf der Bank geschmort und diese Wut setzt Waas nun in Energie auf dem Platz um. Doppelschlag in sieben Minuten In der 56. Minute treibt Andrzej Buncol den Ball über rechts nach vorne und schickt Waas. Der zieht an zwei Gegnern vorbei bis zur Grundlinie, gibt das Leder scharf nach innen und irgendwie bugsiert Tita den Ball am kurzen Pfosten über die Linie. Das Stadion explodiert in einem Torschrei - 1:0 für Bayer 04 und noch über eine halbe Stunde zu spielen. Angetrieben von Buncol und Waas spielen die Leverkusener wie aufgedreht und bei Espanyol macht der sich langsam einschleichende Hintergedanke an ein mögliches Scheitern die Beine weich. Die Gastgeber nutzen das eiskalt aus. Sieben Minuten nach dem Führungstreffer löst sich der gerade erst eingewechselte Klaus Täuber auf dem linken Flügel, bekommt den Ball von Knut Reinhardt und zirkelt aus vollem Lauf eine scharfe Flanke Richtung Fünfmeterraum. Dort schüttelt Falko Götz einen Bewacher ab, hechtet in die Flanke und bringt den Ball mit einem Flugkopfball aus kurzer Distanz unter. Die Leverkusener Spieler jubeln nur kurz, schnappen sich den Ball und rennen dann zurück zum Anstoßpunkt. 2:0, auf einmal fehlt nur noch ein Tor. >>> Seite 2: Die Aufholjagd gipfelt im Elfmeterschießen |